Ein Duell mit Tradition

KSV Hessen gegen Kickers Offenbach
Ein Duell mit Tradition

Am Samstag, dem 15. Oktober ist es wieder soweit: Der KSV Hessen empfängt um 14 Uhr im Auestadion die Offenbacher Kickers. Es geht um viel in diesem Spiel. Der KSV will den Aufwärtstrend nutzen und in der Tabelle einen weiteren Satz nach oben machen, der OFC will nach der Niederlage in Homburg wieder in die Erfolgsspur zurück finden. Kassel gegen Offenbach, das ist unabhängig vom Tagesgeschäft einer der Klassiker im hessischen Fußball. Auch wenn einige Kilometer zwischen diesen beiden Städten liegen - es ist ein Traditionsduell mit Derbycharakter. Wir blicken zurück auf einige legendäre Spiele.  

Das erste dieser Duelle fand an einem Karfreitag statt: Am 26. März 1948 - die Kasseler Innenstadt war nach dem zweiten Weltkrieg noch komplett zerbombt - trennten sich die beiden Teams bei einem Freundschaftsspiel 1:1. Der KSV war zweitklassig, die Kickers spielten bereits in der Oberliga Süd, der damals höchsten Spielklasse vor Gründung der Bundesliga. Das Spiel fand vor 16.000 Zuschauern im alten Stadion des Vorgängervereins SV Kurhessen Kassel statt, auf dem heute die Auesporthalle steht. Das Auestadion wurde erst fünf Jahre später errichtet.

1953/54 war der KSV Hessen endlich erstklassig und kickte ebenfalls wie der OFC in der Oberliga: Am 7. Februar 1954 gab es das erste Punktspiel im Auestadion, die Kickers siegten vor 25.000 Zuschauern 3:1. Das Tor für den KSV zum zwischenzeitlichen 1:1 erzielte Günter Siebert, der später mit Schalke 04 Meister wurde und viele Jahre Präsident der Königsblauen war.

Den höchsten Sieg, vor der zudem größten Kulisse, gab es im Auestadion an einem kalten Dezembertag im Jahr 1963. 28.000 Zuschauer feierten einen legendären 6:1-Erfolg der Löwen, die am Ende der Saison vor dem FC Bayern München (!) Süddeutscher Meister wurden, in der Bundesliga-Aufstiegsrunde aber an Hannover 96 scheiterten.

Überhaupt die sechziger Jahre: Es kamen Emotionen in dieses Duell, beide Vereine schenkten sich nichts und kämpften in der Zweitklassigkeit um den Bundesliga-Aufstieg. Legendär die Saison 1966/67: Die Löwen spielten, ähnlich wie heute, mit einer stark verjüngten Mannschaft, die Kickers waren Aufstiegsaspirant. Doch beide Liga-Duelle gingen an den KSV Hessen. Das Hinspiel auf dem Bieberer Berg gewann der KSV mit 4:3, das Rückspiel im Auestadion sogar mit 4:1. Für Schlagzeilen sorgte bei diesen beiden Duellen das Offenbacher Fußballidol Hermann Nuber. Beim Hinspiel wurde er zunächst mit Blumen für sein 500. Spiel für den OFC geehrt, flog aber in der hitzigen Schlußphase dieser Partie vom Platz. Im Auestadion wurde er von den 14.000 Löwen Fans ausgepfiffen, verlor die Nerven und zeigte den Stadionbesuchern auf der damaligen Gegengerade sein entblößtes Hinterteil. Was bis heute viele nicht wissen: Nuber stand in den sechziger Jahren kurz vor einem Wechsel zum KSV, blieb am Ende aber "seinen" Kickers doch treu.

Auch in den achtziger Jahren kämpften beide Teams in der 2. Bundesliga um den Aufstieg. 1980/81 war das Auestadion mit 25.000 Zuschauern ausverkauft, am Ende trennten sich die Mannschaften 0:0. Im Oktober 1981 sahen 20.000 Fans ein glanzvolles 2:0 der Löwen, die Tore erzielten Winfried Döring und Uwe Pallaks. "Kasseler Löwen 3:2-Sieger beim Spitzentanz auf dem brodelnden Vulkan" titelte die HNA ein Jahr später, nach einem großartigen Derby vor 15.000 begeisterten Zuschauern, die das Auestadion in einen Hexenkessel verwandelten. Nach einem brutalen Foul an Uwe Pallaks flog der Offenbacher Uwe Höfer kurz vor der Pause vom Platz - Günter Eymold hämmerte des fälligen Freistoß aus 20 Metern direkt in den Giebel. Danach folgte ein Freistoßtor vom leider viel zu früh verstorbenen Peter Kempa aus rund 30 Metern und ein toller Kopfball von Heinz Traser, der viele Jahre zuvor mit seinem Zwillingsbruder Ernst für die Kickers spielte.

Das letzte Knallerspiel zwischen dem KSV und dem OFC fand zum Saisonauftakt der letzten Serie statt: Die Kickers führten lange Zeit 2:0, bis der eingewechselte Shqipon Bektashi mit zwei Treffern in den letzten sieben Minuten doch noch ausgleichen konnte. 5.300 Fans waren mit dabei und freuten sich über das 2:2 in der zweiten Minute der Nachspielzeit.

Das ist alles Schnee von gestern und vorgestern, wenn die beiden Rivalen am Samstag im Auestadion einlaufen. Gelegenheit für beide Teams, die Derbygeschichte weiter zu schreiben.

Oliver Zehe

Veröffentlicht: 12.10.2016

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 21.07.2019