Ein dickes Kapital in der Derby-Geschichte wurde in der letzten Saison geschrieben. Zunächst bekamen die Löwen im September 2024 beim 2:6 in Offenbach richtig eins auf den Helm. Beim Rückspiel im Auestadion Anfang April 2025 sah es dann ganz anders aus: Die Löwen spielten vor fast 7.500 Fans wie im Rausch und fegten die Kickers mit 4:1 aus dem Auestadion. Jan Dahlke und Nikos Zografakis trafen je zweimal für den KSV, Ex-Löwe Sascha Korb traf für den OFC.
Sportlich hat das Spiel Derby-Charakter – auch wenn nicht weniger als 142 Kilometer Luftlinie diese beiden Städte trennen. Die Rivalität ist in den sechziger und achtziger Jahren gewachsen, als sich beide Vereine noch um den Aufstieg in die Bundesliga balgten. Nicht selten lockte das Duell der hessischen Traditionsvereine mehr als 20.000 Zuschauer an - egal, ob das Spiel im Auestadion oder am Bieberer Berg stattfand. Den höchsten KSV-Sieg gab es zugleich vor der größten Kulisse: 1963 feierten 28.000 Zuschauer in Kassel einen 6:1-Triumph. Der KSV wurde am Ende der Saison Meister, scheiterte aber in der Bundesliga-Aufstiegsrunde. Anders als Offenbach, das viermal in die Bundesliga aufstieg, schaffte Kassel nie den Sprung in die Eliteliga. So gab es viele rasante Duelle in der Zweitklassigkeit. 1966 flog Offenbachs Fußballidol Hermann Nuber ausgerechnet in seinem 500. Spiel für den OFC vom Platz – in einem Heimspiel gegen den KSV, das die Löwen auch noch mit 4:3 gewannen. Kassel buhlte zu der Zeit massiv um Nuber, doch der blieb am Ende "seinen" Kickers treu und verzichtete auf einen Vereinswechsel. Spätestens seitdem ist die gegenseitige Zuneigung arg eingeschränkt. Wohl auch bei Nuber, der 2022 verstarb. Genervt von den Kasseler Zuschauern entblößte er Ende der 60er Jahre bei einem Spiel im Auestadion sein Hinterteil und zeigte dieses den KSV-Fans. 1971 sahen 20.000 Zuschauer in Kassel ein 3:3. Kickers-Idol Erwin Kostedde traf gleich dreimal, für den KSV erzielten Rainer Künkel (2) und Herbert Maciossek die Tore.
Auch Anfang der 80er Jahre gab es viele denkwürdige Duelle. Im September 1980 flog KSV-Ikone Helmut Hampl in Offenbach vom Platz. Eine umstrittene Entscheidung, die für Tumulte sorgte. Es war Hampls einziger Platzverweis in seiner langen Karriere , das Spiel endete übrigens 0:0. Ein Jahr später, im Oktober 1981, zeigte der KSV vor 20.000 Zuschauern eine Gala-Vorstellung, die Kickers waren am Ende mit dem Kasseler 2:0 noch bestens bedient. Winfried Döring und Uwe Pallaks erzielten damals die Tore. Die KSV-Aufstellung weckt schöne Erinnerungen: Hans Wulf, Walter Horch, Gerd Grau, Manfred Grawunder, Bernd Hüter, Klaus Zaczyk, Peter Kempa, Winfried Döring, Helmut Hampl, Uwe Pallaks und Heinz Traser. Was für eine Mannschaft. Jimmy Weir und Uwe Eplinius wurden später von Trainer Rudi Kröner eingewechselt.
Viel Aufregung gab es beim Rückspiel auf dem Bieberer Berg, das die Kickers mit 1:0 gewinnen konnten. Walter Krause erzielte den Siegtreffer kurz vor Spielende mit der Hand.
Auch in den letzten Jahren gab es viele denkwürdige Duelle: 2016 gewann der KSV durch ein Tor von Basti Schmeer in der Nachspielzeit, 2022 siegten die Löwen durch einen Treffer von Moritz Flotho nach 37 Jahren endlich mal wieder auf dem Bieberer Berg. 1:0 hieß es damals - genauso wie 1985, als Uwe Eplinius Kickers Torhüter Olli Reck aus fast 30 Metern überlistete. Der letzte Sieg der Löwen bei den Kickers ist übrigens gar nicht so lange her: Im Mai 2024 gab es ein 2:1, Freddy Brill und Marco Hingerl trafen für die Nordhessen.
Oliver Zehe
Veröffentlicht: 12.11.2025










































