Der 31. Oktober 1981 war ein verregneter, stürmischer Herbsttag. Hans Wulf, der Torwart des damaligen Zweitligisten KSV Hessen Kassel, feierte an diesem Tag seinen 30. Geburtstag. Bevor Abends die große Feier steigen konnte, musste Wulf mit seinen Mannschaftskollegen beim TSV 1860 München ran. Es war das Spitzenspiel der gerade erst neu gegründeten eingleisigen 2. Bundesliga. Die Münchener „Löwen“ hatten große Ambitionen, wollten zurück in die höchste Spielklasse. Aber auch Kassel mischte vorne mit, träumte still und leise vom Aufstieg in die Eliteliga. Das alte Stadion an der Grünwalder Straße war voll, 22.000 feuerten frenetisch die „Sechziger“ an. Als Wolfgang Sidka nach nur sieben Minuten das 1:0 für die Gastgeber erzielte, sah es böse für Kassel aus. Im Angriff der Münchener wirbelten die beiden Sturmtalente und späteren Nationalspieler Rudi Völler und Herbert Waas. Doch Wulf machte das Spiel seines Lebens. Wehrte nach dem frühen Rückstand alles ab, was auf seinen Kasten kam. Und das war nicht wenig. "Unglaublich, was der alles hielt", stöhnte Reporter-Legende Fritz von Thurn und Taxis, der damals noch beim bayrischen Rundfunk sein Geld verdiente, in der Fernsehübertragung. Die Nordhessen überstanden dank ihres Torhüters den Sturmwirbel und kamen durch einen Treffer von Klaus Zaczyk noch zu einem 1:1. Nicht zuletzt durch dieses Spiel war Wulf nun auch überregional bekannt, wurde Dauergast in der „Kicker-Rangliste“ oder der „Elf des Tages“. Viele Fachleute glauben noch heute, dass Kassel nie einen stärkeren Torwart hatte. Wulf erlebte die besten Zweitliga-Jahre des KSV. Mit Spielern wie Heinz Traser, Peter Cestonaro, Gerd Grau und dem 2021 verstorbenen Helmut Hampl kämpfte Kassel Jahr für Jahr um den Bundesliga-Aufstieg, jedes mal fehlten aber wenige Tore oder Punkte. Wulf verpasste sechs Jahre lang kein Spiel, stand jede Minute auf dem Rasen. 1986, Kassel war aus finanziellen Gründen auf Transfererlöse angewiesen, wechselte er zu Hannover 96, mit denen er prompt den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Im letzten Saisonspiel wurde Wulf, der in der Jugend Stürmer war, als Feldspieler eingesetzt und erzielte beim FSV Salmrohr prompt einen Treffer. Wulf stieg auf und kam so noch zu acht Einsätzen in der Eliteliga. Seine Karriere endete erst 1998 im Alter von 47 Jahren beim damaligen Hessenligisten FSC Lohfelden. Der gebürtige Essener blieb in Nordhessen sesshaft, wohnt heute nur wenige Meter vom Auestadion entfernt und versäumt kaum ein Heimspiel seines Ex-Vereins.
Vor fünf Jahren wurde Hans Wulf die Ehrenmitgliedschaft des KSV Hessen Kassel verliehen. Nicht nur wegen seiner Paraden auf dem Rasen, sondern vor allem wegen eines alten grünen Trikots. Bevor Wulf 1980 nach Kassel wechselte, spielte er ein Jahr in der US-Profiliga für die Rochester Lancers, wo er auch auf Franz Beckenbauer traf, der für Cosmos New York aktiv war. Eine Begegnung, die dem KSV viele Jahre später möglicherweise die Existenz rettete. 2017 mussten die Nordhessen Insolvenz anmelden. Wulf erinnerte sich daran, dass ihm Beckenbauer nach dem Spiel sein Trikot überreicht hatte. Dieses grüne Dress ließ Wulf zugunsten des KSV versteigern, zuvor wurde es noch vom „Kaiser“ persönlich signiert. Heraus kam ein unfassbarer Betrag von 100.000 EUR für den finanziell klammen Verein. Mit einem Schlag war Wulf einer der wichtigsten Sponsoren. Da die Ersteigerer das Trikot jeweils an den KSV zurückgegeben haben, hängt es nun im VIP-Raum des Auestadions.
Der KSV Hessen Kassel gratuliert Hans Wulf zu seinem Geburtstag und wünscht weiterhin viel Glück und Gesundheit.
Oliver Zehe
Veröffentlicht: 30.10.2026










































