HESSENDERBY im neuen Auestadion – JUGEND kontra ROUTINE

KABINENGEFLSTER - FOLGE 23
KEIN PROPHET braucht man zu sein, um aus KSV- Sicht um die Wertigkeit des Last- Minute- Tores von Daniel Beyer im Sechziger Stadion an der Grnwalder Strae zum 2:2- Endstand zwischen Mnchener und Kasseler Lwen zu wissen.

Faktisch bedeutet der Punkt, dass er in der Tabelle nicht nur an diesem ersten Spieltag nach der Winterpause, sondern auch am 31. Mai in der Endabrechnung von unschätzbaren Wert sein kann. Denn nun profitiert der KSV Hessen vom Torverhältnis zu seinen Gunsten und zog an der SV Elversberg vorbei auf einen Quali- Platz. Psychologisch bedeutet der Punkt, dass der KSV Hessen befähigt ist, sich auch auswärts mit Moral gegen eine drohende Niederlage zu stemmen. Auf Rückschläge und Rückstände die rechte Antwort zu liefern und sich zusammen zu reißen. Und… – wie im September gegen die Spielvereinigung Unterhaching daheim beim 2:2 in letzter Minute durch Jan Fießer – bestätigt zu bekommen, dass es sich lohnt, bis zur letzten Spielminute zu kämpfen und an den Erfolg zu glauben.

Das sollte für die seit Dezember 2007 andauernde Rückrunde nach drei Spielen noch unbesiegten Hamann- Mannen auch in den noch ausstehenden 14 Spielen mit Endspiel- Charakter die Maxime sein. End- Tore in End- Spielen sind eh was Besonderes. Und Partien gegen den nächsten Gegner FSV Frankfurt haben für den KSV Hessen seit der jüngsten Vergangenheit mittlerweile Endspielfeeling- Tradition. Obendrein ist es das erste Spiel in 2008 im bei der Modernisierung weiter voran schreitenden Auestadion samt neuer Südkurve.

Und das zum Hessenderby! Bei Betrachtung der beiden Spielerkader entsteht sogar ein Hauch von Pokal-Emotion. Hier die junge, talentierte KSV- Mannschaft um die Routiniers Thorsten Bauer, Thorsten Schönewolf, Michael Kümmerle und Keeper Oliver Adler, der in den bisherigen drei Duellen mit den Bornheimern zu großer Form auflief und stets zu Null spielte. Nur Adler und Kümmerle verfügen über höherklassige Erfahrung.

FSV- Akteure mit 437 Einsätzen in der 1. Bundesliga

Dort der auswärts starke Aufsteiger FSV Frankfurt (5 Siege, 1 Remis, 3 Niederlagen in der Fremde) um den jungen Trainer Tomas Oral ist gespickt mit vielen Ex- Bundesliga- Profis die am Samstag im Auestadion einen Hauch von Bundesliga- Luft vermitteln und im Fußball schon ziemlich herum gekommen sind.

Gestatten: Lawrence Aidoo (56 Bl-Spiele, 5 Tore; Stationen: u.a. Energie Cottbus, 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach), Matthias Hagner (102 BL- Spiele, 22 Tore; Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt), Markus Husterer (2 BL- Spiele; Eintracht Braunschweig, FC Bayern München, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart), Markus Kreuz (82 BL- Spiele, 8 Tore; Kickers Offenbach, Real Murcia, RW Erfurt, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, Hannover 96, FSV Mainz, 1. FC Kaiserslautern), Christian Mikolajczak (13 BL- Spiele; Stat.: Holstein Kiel, Erzgebirge Aue, LR Ahlen, Hannover 96, Schalke 04), Thomas Sobotzik (134 BL- Spiele, 18 Tore; SpVgg Unterhaching, Union Berlin, Rapid Wien, Eintracht Frankfurt, FC St. Pauli, VfB Stuttgart), Daniel Schumann (83 BL- Spiele, 2 Tore; Kickers Offenbach, SC Freiburg, Bayer Leverkusen), Lars Weißenfeldt (1 BL- Spiel; Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt, VfB Marburg). Macht summasumarum 437 Bundesliga- Einsätze bei den Akteuren des FSV. Und beim KSV? Allein Standby- Spieler Mirko Dickhaut, der in dieser Saison noch nicht zum Regionalliga- Einsatz kam und derzeit als Trainer erfolgreich mit der 2. Mannschaft des KSV Hessen in der Landesliga Nord wirkt, hat stolze 143 Bundesliga- Spiel für den VfL Bochum und Eintracht Frankfurt vorzuweisen. Auf Zweitliga- Einsätze kamen Keeper Oliver Adler (224 Spiele für RW Oberhausen) und Michael Kümmerle (75 Spiele, 7 Tore; SpVgg Greuther Fürth und Stuttgarter Kickers).

Selbst wenn sich die Verantwortlichen des FSV Frankfurt in Understatement üben, diese Mannschaft kann in Anbetracht der Spielstärke und bei nur drei Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz, den Durchmarsch in die 2. Bundesliga zu schaffen

Großkampftag allemal im modernisierten Auestadion am 8. März – das erste Frühjahr- Highlight im Schmuckkasten in Kassels Süden. Und dass es sich auch gegen diesen individuell so spielstarken Gegner aus Frankfurt lohnt bis zuletzt zu fighten, bewies der FC Bayern II am letzten Samstag, als die Gerland- Elf noch einen frühen 0:2- Rückstand aufholte und ein 2:2- Remis beim FSV schaffte.

Beide Teams gehen somit mit einem Jahres-Auftakt-2:2 in das reizvolle Duell. Und bei beiden gelang jeweils Winter- Neuzugängen ein gelungener Einstand. Ex- Bundesliga- Profi Thomas Sobotzik (früherer Mannschafts- Kollege des KSVers Mirko Dickhaut bei Eintracht Frankfurt) traf nach 14 Spielminuten zum 1:0 und Andreas Haas machte es dem 33jährigen Neu- FSVer etliche Kilometer südöstlicher fast zeitgleich nach und erzielte nach 19 Minuten in München- Giesing ebenfalls die 1:0- Führung. Beide fanden sich – sicher nicht nur wegen ihres Einstands- Tores – auch in der Elf des Tages im Fachblatt Kicker Sportmagazin wieder (plus dem Fink Anton aus München von den „kleinen Sechzigern“).

Haas- Hacke bekam dem KSV Hessen in München

In der Vorbereitungsphase des KSV noch nicht so auffällig, war der 25jährige Saarländer beim Liga- Debüt im KSV- Trikot auf den Punkt da (und beim Tor zur Stelle), als es darauf ankam. Sehenswert seine Ball- Behauptung und die „Haas-Hacke“, die in München ein präzises, perfektes Zuspiel auf den Mitspieler ermöglichte und auch – wie vor dem Ausgleichstor – wirkungsvoll zur Einfädelung diente. Und während am letzten Fußball- Wochenende ein haarsträubender Absatzkick für den 1. FC Köln in der 2. Bundesliga bei Bruno Labbadias Greuther Fürthern den gegnerischen Konter zum bitteren 2:2- Ausgleichstor in der Schlussminute einleitete, war er bei Haas´ kraftvollerer Ausübung Ausgangspunkt zur gefühlvollen Flanke von Denis Berger und Beyers Ball per Kopf zum 2:2.

 

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zoomLang, länger, am längsten...landete Beyers Ball nach seiner Reise durch den Sechziger Strafraum in letzter Minute im Netz.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Während das runde Leder vom Kopf den Weg ins Tor fand, ging manchem womöglich durch den Kopf, wann Kassels Nr. 18 überhaupt mal einen Kopfballtreffer erzielt hatte? Von den zuvor 13 Löwen- Toren (sieben in der Ober-, sechs in der Regional-Liga) war keiner dabei. Das letzte Mal per Kopf traf Daniel Beyer laut eigener Aussage in 2003 in der Oberliga für den KSV Baunatal. Auch deshalb war dieses Tor – neben der Wertigkeit für den KSV Hessen – ein Besonderes. War der Rechtsaußen dabei etwa besonders angespornt, weil er nur wenige Sekunden zuvor seine fünfte gelbe Karte erhalten hatte? „Eher nicht, denn dazu hatte ich kaum Zeit nachzudenken,“ so Daniel Beyer und weiter, „vor der Flanke zum Tor erahnte ich jedoch, dass der Ball zu mir kommen würde, weil wir vorher schon mal genau so eine Spielszene hatten, als sich Andy Haas über links durchsetzte und Denis Berger mir auflegte, der Sechziger Torwart Rössl meinen Schuss dann aber hielt“.

Diesmal Beyer und Zinke / KSV- Kartenbüßer- Wechselspiel

Für Samstag im Derby gilt für Dani und den KSV Hessen jedoch leider „Bye, Bye, Beyer“…denn mit der fünften Karte, die sich der Blondschopf fast allesamt durch Grätschen in des Gegners Hälfte (!) einhandelte, ist der gebürtige Kasseler einer von vielen zu erwartenden Zuschauen im neuen Auestadion. „Das ist natürlich blöd, dass ich ausgerechnet gegen Frankfurt und vor so einer Kulisse fehle,“ärgert sich der KSV- Offensivspieler.

Und so geht das muntere Wechselspiel, ausgelöst durch die „gelbe Gefahr“ weiter. Linksverteidiger Michael Kümmerle hat seine fünf gelben Karten getilgt und auch der zuletzt angeschlagene Dominik Suslik ist nach seiner im letzten Heimspiel gegen den SSV Reutlingen erhaltenen gelb- roten Karte nach einer Partie Pause wieder spielberechtigt.

Auf dem gelbe Karten- Konto des KSV Hessen ist der Abwehrspieler übrigens in dieser Saison nicht vertreten, denn wenn Dominik mal verwarnt wurde (wie auswärts bei den Stuttgarter Kickers und zuletzt daheim), bekam der Student bisher im Spielverlauf auch noch die zweite! Gefährdet sind im Hessenderby mit bisher vier gelben Karten Torjäger Thorsten Bauer, Antreiber und Filigrantechniker Denis Berger, der diesbezüglich zuletzt in München Glück hatte, und Rechtsverteidiger Daniel Möller, der seine vier gelben Karten zu Saisonbeginn schnell sammelte, um seit Ende September wacker ohne zu bleiben.

Selten gelbe Karten erhielt in dieser Saison in der Regionalliga Defensiv- Akteur Sebastian Zinke, um nach der ärgerlichen roten im Pokal nun dennoch für zwei Partien gesperrt zu sein. „Das geht doch gar nicht und bei uns würde er spielen,“ äußerte sich Ernst Tanner, Nachwuchskoordinator beim TSV 1860 München, vor dem Spiel am letzten Samstag im Stadion an der Grünwalderstraße mit Verwunderung zu dieser Tatsache. Klar, für die bayrischen Vereine wie auch in anderen Bundesländern gelten Pokal- Platzverweise des Landes für den Liga- Spielbetrieb nicht. Der Hessische Fußballverband hat da seine eigene Regelung und straft – genau genommen – damit auch sich selbst und eben die hessischen Vereine, die – wie der KSV Hessen oder aber auch der FSV Frankfurt – in der Regionalliga im Konkurrenzkampf zu den Vereinen anderer Landesverbände stehen. Hier wäre eine bundesweite, einheitliche Regelung zu begrüßen, nicht zuletzt um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, die somit gegeben sind.

Nachdem der taktisch geschulte, meist ohne Foulspiel auskommende, Sebastian Zinke ein Spiel Sperre abgesessen hat, tilgt er das zweite am Samstag gegen den FSV Frankfurt, der somit in diesem Fall von der hessischen Regelung profitiert.

Nach "Hacken- Haas" die Geschichte von Handwerker Slava

Profitieren wird der KSV Hessen auch vom neuen Sponsor in der Winterpause, der Bad Zwestener Quelle (am Samstag im Hessenderby ist erstmals die neue große Bande hinter der Kasseler Trainerbank zu sehen). Ende Januar bei der Auftaktveranstaltung in einem Kasseler Hotel durch den neuen Sponsor und KSV- Vermarkter EFM AG mit Karl- Heinz Reinhardt waren bei dieser Kooperation neben dem KSV- Vorsitzenden Jens Rose, Vorstandsmitglied Jochen Gabriel, Manager Marc Arnold, Mangement- Berater Bernd Mart auch Trainer Matthias Hamann und seine Mannschaft zugegen. Die durften dann sogar Jagd auf die vom Gastgeber vorbereiteten Schürzen machen, um allesamt die geladenen Gäste an den Tischen zu bewirten. Allesamt? Nein, denn Slava Petrukhin war plötzlich verschwunden. Ein Schelm wer glaubt, der 23jährige Mittelfeldspieler wollte sich von den anderen Schürzenträgern „abseilen“. Slava hatte – wie alle Spieler und Anwesenden – das Wasser aus der Bad Zwestener Quelle gekostet und musste danach – ganz menschlich – „Wasser lassen“. Bei der Odyssee nach der Toiletten- Findung fragte der gebürtige Russe schließlich eine Hotel- Mitarbeiterin, die daraufhin antwortete, „die Toiletten für die Handwerker sind im Keller“. An diesem Tag waren ja auch einige Elektriker etc. im Hotel und Slava muss sich halt noch einen Namen in Kassel und beim KSV Hessen machen.

Den hat der KSV Hessen längst in Fußball- Deutschland und wenn – wie zuletzt in München erlebt – die Rede von Kassel ist, wird damit schnell der KSV Hessen in Verbindung gebracht. Übrigens hatten die Hamann- Mannen entgegen der letzten beiden München- Gastspiele diesmal das Hotel gewechselt und kamen in München- Aschheim unter. Zeitgleich waren auch die Sportfreunde Siegen, deren Partie bei der Spielvereinigung Unterhaching erst am Spieltag witterungs- und demzufolge sicherheitsbedingt abgesagt wurde, in der Isar- Metropole. Die Partie wird zeitnah am Dienstag, den 11. März (Anpfiff 19 Uhr) nachgeholt. Also vier Tage vor dem Hachinger Heimspiel gegen den KSV Hessen!

 

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zoomEine Spielabsage lag nahe: die Löwen- Spielstätte zur Mittagszeit
Foto: Klaus Rainer Krieger

Der war zuletzt in München nur wenige Kilometer vom Mannschafts- Hotel der Sportfreunde Siegen entfernt einquartiert. Somit bestand die Möglichkeit, sich über den Weg zu laufen. Apropos Laufen! Beim obligatorischen Morgenlauf am Spieltag stand die Aktivität diesmal im Zeichen eines „vom Winde verweht“. Von (Orkantief) „Emma“ aufgehalten und attackiert kamen Trainer Matthias Hamann, Torwart- Trainer Michael Gibhardt und die Spieler, nur schwer voran. Als dann später noch eine Schneeschauer herein brach und es obendrein plötzlich Nacht zu werden schien, deutete am Mittag alles auf einen Spielausfall hin. Doch im Stadion an der Grünwalderstraße, wo leuchtende Farben in der letzten Woche nichts Neues waren, kam auch diesmal wie über Nacht rechtzeitig zum Spielbeginn Licht ins Dunkel, sprich Sonnenschein. Dennoch blieb die Partie in Anbetracht des Windes auch ein Lotterie- Spiel und die Ausführung grenzwertig.

Das wird das mit eminenter Spannung erwartete Hessenderby am kommenden Samstag witterungsbedingt hoffentlich nicht werden. Dabei sind im Vorfeld der Partie alle Zuschauer bei ihrer Anreise gut beraten, zu berücksichtigen, dass wegen der Eröffnung der Kasseler Frühjahrsaustellung in den nahegelegenen Messehallen sowie einer Veranstaltung in der Aueparkhalle und im Kegelzentrum plus einer angekündigten Sperrung der Konrad- Adenauer- Allee am Brasselsberg (wodurch demzufolge eine Verkehrsumleitung über die A49 an der Abfahrt Auestadion ansteht) jede Menge rund um das Auestadion und die Kasseler Südstadt los sein wird. Öffentliche Verkehrsmittel zu wählen bzw. früh zum Spiel (Anpfiff 14 Uhr) anzureisen, ist daher sehr empfehlenswert.

Und wer bei dem sicher zu erwartenden Zuschauer- Andrang vorweg prognostiziert und dabei am Samstagnachmittag Recht behält, dass die 15.000er Schallmauer (an Besuchern des modernisierten Auestadion) bereits beim Hessenderby geknackt wird, verdient dann gehobene Anerkennung, weil dann ein echter zu sein…EIN PROPHET!

Herbert Pumann

Montag, 3. März 2008

Veröffentlicht: 03.03.2008

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Datum des Ausdrucks: 27.02.2021