KSV-Kicker im Interview zum Weltkrebstag

„Krebs geht jeden Etwas an“

Krebs gehört nach wie vor zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. „Krebs ist vor allem unter Männern immer noch ein Tabuthema“, betont Dr. Mathias Kleiß, Chef der Klinik für Onkologie an den DRK-Kliniken. Der KSV setzt sich aktiv ein für Gesundheitsprävention.. Anlässlich des heutigen Welktkrebstages haben wir als Sponsoringpartner ein Interview geführt mit einigen Spielern der ersten KSV-Herrenmannschaft. Uns interessierte, ob bzw. wie junge Menschen, die Hochleistungssport treiben, sich mit dem Thema Krebserkrankungen auseinandersetzen. Am Interview teilgenommen haben die KSV-Spieler Adrian Bravo Sanchez (Mittelfeld), Alexander Missbach (Abwehr), Max Zunker (Tor), Brian Schwechel (Mittelfeld). KSV Teammanager Steffen Friedrich war auch dabei.

Welche Berührungspunkte hattest Du mit dem Thema Krebs in deinem näheren Umfeld oder Familienkreis?

Steffen Friedrich (KSV Teammanager): In meiner Familie gibt es mehrere Krebserkrankungen, meine Oma und mein Opa sind an Krebs gestorben. Vor vier Jahren, während meines Lehramtsstudiums, ist ein Schüler in der sechsten Klasse an Leukämie erkrankt. Inzwischen kann er wieder Sport machen. Früher konnte man ihn von seinem Zwillingsbruder nicht unterscheiden, aber jetzt sieht man doch einen deutlichen Unterschied. Da fragt man sich schon, ob Krebs wirklich eine Krankheit des Alters ist oder ob das einen nicht auch direkt betreffen kann, mit Mitte zwanzig, wenn man Sport treibt und gesund ist? Beim KSV gab es eine Trikotaktion mit Genesungswünschen, die alle an ihn geschickt haben. Bruder und Vater haben sich zusammen mit ihm die Haare abrasiert. Ich konnte es nicht fassen, das mit 13 so eine Diagnose gestellt wird.

Alexander Missbach (KSV Abwehrspieler): Die Oma meiner Freundin ist verstorben, sie hatte auch Krebs. Meine Schwester hatte mit 19 Jahren Brustkrebs, da war ich erst 7.  Der Krebs wurde aber frühzeitig erkannt und operiert.

Max Zunker (KSV Torwart): Wir sprechen in der Familie darüber. Meine Mutter geht zur Krebsvorsorge.

Brian Schwechel (KSV Mittelfeldspieler): Meine Oma ist an Brustkrebs verstorben, da war ich noch jung. Was mich noch mehr mitgenommen hat, war ein Kumpel in der Schule, dessen Mutter an Krebs gestorben ist. Da habe ich mir schon Gedanken gemacht, was das für eine Krankheit ist. Die kleine Schwester ist erst 12 und hat jetzt keine Mama mehr. Da kriegt man schon eine Gänsehaut, wenn man so etwas mitbekommt.

 

Was tust Du für deine Gesundheit? Und was tust Du, um Krebs zu vermeiden?

Adrian Bravo Sanchez (KSV Mittelfeldspieler): Wir als Sportler machen insgesamt viele Sachen automatisch, um im Sport erfolgreich sein zu können. Wir trinken viel Wasser und ernähren uns gesund. Dies ist Pflicht, um gut regenerieren und Höchstleistungen bringen zu können. Wir trinken wenig Alkohol und rauchen nicht - dies sind alles Faktoren, um Krankheiten zu minimieren. Genetisch kann man das ja nicht beeinflussen. Dennoch sollte man zur Vorsorge gehen.

Alexander Missbach (KSV Abwehrspieler): Ich kümmere mich um Hautkrebsvorsorge, weil ich ein heller Hauttyp bin. Zum Beispiel creme ich mich im Sommer beim Training im Freien mit Sonnenschutz ein, auch wenn die anderen darüber schon mal einen Spruch ablassen.

Max Zunker (KSV Torwart): Viele Dinge passieren automatisch, einfach auch um Leistungen bringen zu können. Ich habe Asthma, da überlegt man zweimal, ob man bestimmte Dinge mitmacht wie Bsp. in eine Shisha-Bar oder ins Solarium zu gehen. Das lasse ich eher, da ich weiß, dass dies Hautkrebs fördern könnte. Man kann nicht immer alles ausschließen, aber soweit gesund leben, wie es möglich ist. Jeder sollte etwas für seine Gesundheit tun. Es ist wichtig, Verantwortung für dieses Thema zu übernehmen und Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen.

Brian Schwechel (KSV Mittelfeldspieler): Ich werde häufig von anderen Spielern gefragt, warum ich nicht ins Solarium gehe. In Zusammenhang mit Solarium denke ich an Krebs. Das ist der Hauptgrund, warum ich mich nicht unter die Sonnenbank lege. Außerdem habe ich mal gehört, dass das Trinken aus Weichplastikflaschen das Risiko von Krebs erhöhen kann. Daher trinke ich hauptsächlich aus Glasflaschen.

Steffen Friedrich (KSV Teammanager): Man soll die Lebenszeit, die man hat, genießen. Es ist eine Selbstverantwortung, gesund zu leben. Klar sind wir Leistungssportler, aber irgendwo sind wir auch Privatmenschen. Wenn jemand meint, auch einmal weniger gesunde Dinge tun zu müssen, liegt das in seiner eigenen Verantwortung. Seit ich wegen meiner Herzerkrankung mehrere Medikamente nehmen muss, achte ich sehr auf meinen Lebenswandel Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was die Blutdruckmedikamente mit mir machen. Durch Sport habe ich versucht, die Tabletten zu reduzieren.

Nimmst Du das Thema Krebs als Tabu wahr?

Alexander Missbach (KSV Abwehrspieler): In der Umkleidekabine ist es ein Tabuthema, es sei denn, es handelt sich um einen engen Freund. Auch in der Gesellschaft sehe ich Krebs als Tabuthema. Aber im Familien- und Freundeskreis wird darüber gesprochen. Es ist sehr wichtig darüber zu sprechen. Gerade bei einem Schicksalsschlag muss man eng zusammenstehen und geht dann nachher gestärkt aus der Situation hervor.

Adrian Bravo Sanchez (KSV Mittelfeldspieler): Solche tiefen Gesprächsthemen sind in der Kabine kein Thema. Auch wenn es Fälle innerhalb der Familien und Mannschaft gibt. Das Thema wird tabuisiert. Privat ermutige ich Menschen, wenn ich höre, dass sie eine schwere Krankheit haben. Ich bin bei dem Thema aber eher zurückhaltend und würde nicht den ersten Schritt machen, um dies anzusprechen. Ich höre eher zu, als aktiv etwas anzusprechen. Auch bei einer Krebsdiagnose muss man zusammenhalten – wie beim Mannschaftssport.

Max Zunker (KSV Torwart): Viele haben Angst etwas falsch zu machen, so geht es mir auch oft. Oft sagt man nichts, um nichts falsch zu machen und dem Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen. Für mich ist Krebs kein Tabuthema, aber ich denke es wird häufiger stiefmütterlich behandelt. Oft hat man das Gefühl, hier kommt man nicht positiv wieder raus und es gibt nur negatives. Ich denke in der Gesellschaft wird es manchmal als Schwäche ausgelegt, wenn man offen darüber spricht, aber das ist es nicht.

Steffen Friedrich (KSV Teammanager): Früher habe ich das Thema auch eher beiseitegeschoben. Seit meiner Erkrankung, gehe ich damit ganz anders um. Ich achte schon darauf, dass ich Sachen, die ich im privaten Umfeld mitbekommen habe, anspreche. Darüber sprechen hilft immer. Es ist wichtig, gerade einem Betroffenen gegenüber Normalität zu bewahren. Aber in so einer Gruppe von jungen Männern werden solchen Themen schnell mal tabuisiert. Es könnte ja eine Schwäche sein, wenn man über Erkrankungen spricht.

Mehr Informationen:

DRK-Kliniken Nordhessen            

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Tel.: 0561 3086-74123
krebsberatung@drk-nh.de

 

Veröffentlicht: 04.02.2021

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Datum des Ausdrucks: 25.02.2021