Gänsehaut in der achten Liga

Serie - Die großen Spiele der Löwen (6)

Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff. Auch für den KSV Hessen steht das Leben fast still. Ob, wie und vor allem wann der Fußball in der Hessenliga fortgesetzt werden kann, steht in den Sternen. Einige Zeitgenossen vertreiben sich die Zeit damit, möglichst viele Klopapier-Päckchen in Supermärkten käuflich zu erwerben. Andere sortieren Ihre Versicherungsunterlagen oder widmen sich ihrer Briefmarkensammlung. Wir, vom Medienteam des KSV Hessen wollen die Zeit der Ruhe auf unserer Homepage sinnvoll nutzen. Wir wollen zurück blicken. Auf denkwürdige Spiel der Löwen. Auf große Ereignisse im Auestadion. Auf tolle Siege, fantastische Tore und schmerzhafte Niederlagen. KSV-Chronist Oliver Zehe hat in seinem Archiv gestöbert und stellt in den kommenden Wochen viele große Momente aus der Löwen-Geschichte vor. Im sechsten Teil unserer kleinen Reihe, beschäftigen wir uns mit einem denkwürdigen Spiel aus dem Jahr 1999, dass dem KSV am Ende den Sprung in die damals siebtklassige Bezirksliga gesichert hat. 

"Die Fans machten aus unseren Spielen jedesmal ein Volksfest. Bei meiner letzten Partie war es nur noch Gänsehaut." Horst Knauf erzählt von seiner Laufbahn. Nein, nicht von seiner Zeit in der 1. Bundesliga. Immerhin kickte er dort für Bayer Leverkusen gegen Mannschaften wie Bayern München und den damals so starken HSV. Knauf erzählt von seiner Zeit in der Kreisliga A. Im zarten Alter von 38 Jahren, ausgestattet mit einigen Kilos Übergewicht, fing er nach sechsjähriger Abstinenz 1998 noch mal mit dem Fußball spielen an. Wie einige andere ältere Herren auch. Thomas Freudenstein, Joschi Burjan, Uwe Eplinius, Jörg Müller, gelegentlich auch Holger Brück und eben Horst Knauf. 

Nach dem zweiten Konkurs innerhalb von fünf Jahren wollte keiner mehr die Löwen in höheren Liga-Gefilden sehen. Zumindest nicht beim Verband. So mußte der frisch gegründete KSV Hessen im Sommer 1998 ganz unten anfangen. In der Kreisliga A gegen Mannschaften wie Fasanenhof und der Reserve vom SVH Kassel.  

Doch von Tristesse keine Spur. Die Fans machten aus jedem Dorfplatz-Spiel ein Happening. Sie organisierten Straßenbahnfahrten zu Auswärtsspielen und reisten einmal sogar mit dem Schlauchboot auf der "Fulle" an. Auch die Mannschaft war für jeden Spaß zu haben. Nicht selten übte während des laufenden Spiels Joschi Burjan mit den Zuschauern die La Ola Welle. 

Auf dem Platz stand eine lustige Truppe mit jungen Talenten wie Stipe Jevtic und Mark Stieler, sowie der alten Garde, von der die meisten noch für den KSV in der zweiten Bundesliga gespielt haben. Und die bunt gemischte Mannschaft hatte nicht nur viel Spaß, sondern sammelte auch fleißig Punkte und Tore. Am Ende wurden die Löwen mit 82 Punkten aus 28 Spielen und 148:14 Toren Meister. Ein Rekord für die Ewigkeit: das Punktspiel gegen Wolfsanger II wurde mit 19:1 gewonnen. "Je mehr Erfolg wir hatten, desto besser wurde es auch", schwärmt Knauf noch heute. Und so wurden sie auf ihre alten Tage noch mal richtig ehrgeizig. Auch bei Knauf purzelten bald die Pfunde und "Hotte" war fast rank und schlank wie zu besten Profizeiten. Beim letzten Saisonspiel gegen den TSV Ihringshausen schien eine Verletzung dem Routinier einen Streich zu spielen. Doch der Ehrgeiz war zu groß. Knauf ließ sich fit spritzen und erzielte zum Abschied noch mal zwei Tore. 

Die Resonanz auf die Löwen in der achten Liga war unglaublich. Nicht selten kamen 1.000 Zuschauer zu den Spielen. So auch gegen Ihringshausen. 4:1 lautete das Ergebnis. Obwohl die Mannschaft bereits seit Wochen als Meister fest stand, wurde auf dem Gelände des Kegelzentrums bis in die Nacht gefeiert. Und nicht nur "Hotte" Knauf hatte bei dieser Atmosphäre eine Gänsehaut. 

Oliver Zehe


13.06.1999: KSV - TSV Ihringshausen  4:1 (1:0)

KSV: Gibhardt - Breuer - J.Müller (78. Gür), Hildebrandt, S. Brück - Otto (83. Stieler), Eplinius, Freudenstein, - Knauf (69. Kaya), Burjan, Jevtic.

Tore: Knauf (2), Jevtic und ein Eigentor

Zuschauer: 1.000

Veröffentlicht: 22.04.2020

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 28.05.2020