Die Regionalliga lebt!

Die Regionalliga lebt!

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Liebe Löwen, Glückwunsch! Nach dem Sieg gegen Tabellenführer Steinbach vor zwei Wochen, dem Punkt gegen Gießen, jetzt also ein Punkt beim Zweiten, in Freiburg! Klasse! Weiter so, aber bitte habt Verständnis dafür, dass ich heute meine ungeteilte Euphorie und den Großteil der Worte in dieser Kolumne, mal einem anderen Regionalligisten widme.

Denn: Die Regionalliga lebt! Wir Kasseläner, Kasselaner und Kassler wissen das selbstverständlich schon lange, aber seit Dienstag weiß es endlich auch wieder ganz Fußball-Deutschland. Sorry, liebe Freunde aus Leverkusen, aber wat war das schön, als Rot-Weiss Essen der Werkself den Allerwertesten versohlt hat und ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen ist. Herrlich! Ich muss gestehen: Rot-Weiß bin ich ja schon sehr lange, aber seit Dienstag bin ich nicht nur bei den drei täglichen Mahlzeiten, sondern rund um die Uhr auch ein bisschen Essen.

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Als ein Spieler namens Simon Engelmann, der vor der Saison ablösefrei vom SV Rödinghausen zu RWE gewechselt ist, in der 117. Minute den Führungstreffer erzielt hat, bin ich aufgesprungen und habe mich für die verbleibenden drei Spielminuten vor Spannung nicht mehr ruhig aufs Sofa setzen können. Denn wir alle wissen ja, wie solche Verlängerungen normalerweise ausgehen: Der Underdog wehrt sich standhaft, die Kräfte lassen nach, der Favorit schießt in der 119. Minute den Siegtreffer. Aus, vorbei, der Trainer sagt in die TV-Kameras: „Das tut weh, so kurz vor der Sensation, hat gezeigt, dass wir mithalten können, jetzt muss ich die Mannschaft wieder aufbauen!“

Aber dieses Mal? Freude pur! Der Underdog hat gewonnen, „der Schreck vom Niederrhein“, so heißt die Hymne von RWE, ist zurück und der DFB-Pokal hat sich für alle neutralen Fans mal wieder von seiner schönsten Seite gezeigt. Denn das ist es doch, was ihn ausmacht, wenn der Kleine den Großen schlägt. Der Kaderwert von Essen liegt bei 3,6 Millionen Euro. Der von Leverkusen bei 360 Millionen, also 100 Mal mehr. Trotzdem ist Bayer raus und der gerade mal 50 Kilometer entfernte Nachbar weiter.

Aktuell ist Rot-Weiss übrigens zweiter in der Regionalliga West. Aber Moment mal, Essen? Da war doch mal was! In den 1950er Jahren waren die in der Bundesliga sowas wie der FC Bayern München es heute ist. 1953 gewannen sie den DFB-Pokal, 1955 wurden sie Deutscher Meister. In der Saison 1955/56 waren sie als erste Deutsche Mannschaft in der Champions League, die hieß damals noch Europapokal der Landesmeister. RWE schied jedoch gleich in der ersten Runde gegen den schottischen Meister Hibernian Edinburgh aus.

Einer, der an den goldenen 50er Fußball-Jahren der Essener die besondere Schwere der Schuld trägt, ist Helmut Rahn. Genannt der Boss. Bundesweit legendär durch seinen Siegtreffer im WM-Finale 1954. Ohne Rahn würde man über das Wunder von Bern heute vermutlich so sprechen, wie oben beschrieben. Interview mit Trainer Sepp Herberger nach dem Spiel: „Das tut weh, so kurz vor der Sensation, hat gezeigt, dass wir mithalten können, jetzt muss ich die Mannschaft wieder aufbauen!“

Dank Helmut Rahn hieß es am Ende nur: " Aus! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister. Schlägt Ungarn mit drei zu zwei Toren im Finale in Bern.“

Der KSV Hessen Kassel hat insgesamt 10 Mal gegen Essen gespielt. Aus Sicht unserer Löwen gab es 3 Siege, 2 Unentschieden, 5 Niederlagen. Darunter in der Saison 1981/82 einen wunderbareren 7:3 Sieg mit vier Toren von Uwe Pallaks. Aber auch eine bittere 1:6 Niederlage in der Saison 1982/83. Der Essener Torschütze zum 1:5 war Dirk Bakalorz, der später zum KSV gewechselt ist.  

Am Samstag spielt RWE in der Regionalliga West gegen Borussia Dortmund, zwar nur die zweite Mannschaft, aber immerhin auch wieder etwas Bundesliga-Flair. Und auch der KSV hat am Samstag zum Auftakt der Rückrunde Bundesliga-Flair im Auestadion zu Gast. Die zweite Mannschaft vom VfB Stuttgart kommt zu Besuch. Mit einem, über den ich in meiner Kolumne nach dem ersten Spieltag folgendes geschrieben habe:

„Er hat 6-Mal die Deutsche Meisterschaft gewonnen. 4-Mal den DFB-Pokal. 1-Mal die Champions League, aber EINE Erfahrung hat Holger Badstuber in seiner Karriere noch gefehlt: Zu spüren, wie hart das Holz ist, aus dem echte Nordhessen geschnitzt sind.“

Also, auf geht’s Jungs, macht es wie zum Start der Saison! Wir Fans können ja leider noch immer nicht dabei sein, darum singen wir schon jetzt alle zusammen so schaurig, schön und laut, dass ganz Nordhessen uns hören kann: „Schalalalaaaaaaa, der KSV ist wieder da!“

Veröffentlicht: 04.02.2021

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 25.02.2021