Corona macht Karriere … oder: Bitte nie den Humor verlieren!

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Tja, was soll man schreiben? Der Spielbetrieb ruht, immerhin: es darf trainiert werden. Die gute Nachricht der Woche: Frederic Brill ist wieder dabei und wäre vermutlich fit, wenn im Dezember noch mal gespielt würde. Selbstverständlich gilt das auch, falls es erst im Januar, Februar, März und so weiter, wieder soweit sein sollte. Nix genaues weiß man ja leider nicht. Es ist schon deprimierend, was so ein A…%&_‘`=/%...LOCH-Virus alles bei uns Fußballfans anrichten kann. Dann ist es draußen kalt, grau, neblig, bäh, da wäre es leicht, auch noch den Humor zu verlieren! Das sollte man aber definitiv nicht und aus diesem Grund erzähle ich euch jetzt eine Geschichte, die ich diese Woche gelesen habe und die mir richtig viel Spaß gemacht hat.  

Es geht natürlich um einen Fußballspieler, einen richtig guten sogar. Der spielt beim FC Porto, Sein Marktwert: 30 Millionen Euro. Mit ihm hat der FC Porto ín der vergangenen Saison das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen. Er ist mexikanischer Nationalspieler und wird gerade vom FC Chelsea, Inter Mailand und dem FC Sevilla heiß umworben. Kurzum: Er ist richtig gut dabei.

 

Doch seit ein paar Monaten hat er ein ziemlich großes Problem und erntet viel Hohn in den sozialen Netzwerken. Der Grund: Er heißt Jesús Corona. Ein Name, der VOR Corona bedeutungstechnisch nur sehr sehr schwer zu toppen war. Jesus – klar. Kennt jeder, ist der Heiland, Gottes Sohn, etc. und Corona bedeutet in der Heimat des Mexikaners: Die Krone, der Thron, der Heiligenschein. Wow – man kann sagen, dass die Eltern des 27-Jährigen bei der Namensgebung nicht gerade bescheiden waren.

 

Und heute? Leidet Gottes Sohn auf seinem Thron still und leise vor sich hin. Natürlich nicht wegen Jesus, Gott bewahre, sondern selbstverständlich wegen Corona. Denn aus dem schick leuchtenden Heiligenschein ist ein weltweites Sinnbild für Chaos, Angst und Schrecken geworden. Mittendrin: Jesús Corona, der gerade die Saison seines Lebens gespielt hat und genau in dem Moment, in dem die Sonne am hellsten aus seinem Allerwertesten scheint, wird sein Nachname zur größten globalen Krise aller Zeiten.

 

In den sozialen Netzwerken muss er seit dem Ausbruch der Pandemie immer wieder Spott über sich ergehen lassen. „Corona trainiert in Zeiten von Corona“, kommentierte ein Nutzer auf Instagram ein Foto des Porto-Profis mit einem Lach-Smiley. Auf dem Bild ist zu sehen, wie er mit Fitnessbändern seine Beinmuskulatur trainiert. Immerhin gibt es aber auch Zustimmung: „Der einzige Corona, den ich mag!“, schreibt ein Nutzer unter ein anderes Foto des Kickers.  

Nun ist es so – und diese Geschichte habe ich mir tatsächlich nicht ausgedacht, auch wenn sie unglaublich erscheint - dass Jesús C. seit seiner Jugend den Spitznamen "Tecatito" hat. Den bekam er, als er in seiner mexikanischen Heimat in die Jugendmannschaft des CF Monterrey wechselte und auch, wenn das jetzt 15 Jahre her ist, hatte seine Umbenennung tatsächlich schon damals etwas mit Corona zu tun. Und das kam so: der Hauptsponsor des Klubs war die Brauerei "Cuauhtémoc Moctezuma" und deren größter Konkurrent ist die weltbekannte Corona Brauerei. Es sollte also vermieden werden, dass auf der Vorderseite des Trikots der eine Biername und auf der Rückseite der andere steht. So wurde aus Corona kurzerhand „Tecatito“, eine Verniedlichung der Biersorte Tecate, die der Hauptsponsor herstellt. Diese Namensänderung ist heute ein Segen, denn Jesús Corona läuft noch immer mit dem Namenszug "Tecatito" auf und das sorgt dafür, dass sich die Trikots mit dem Namen des Superstars auf dem Rücken trotz der Pandemie noch richtig gut verkaufen.

Und während Jesús Coronas Marktwert in den vergangenen 10 Monaten um 10 Millionen Euro gestiegen ist, hat der Getränkekonzern, der das  Bier herstellt, aktuellen Presseberichten zufolge schwere Umsatzeinbrüche zu verkraften von dem namensbedingten Image-Schaden ganz zu schweigen. Schließlich stand das Bier VOR der Pandemie für Sommer, Sonne, Spaß. Zitrone reindrücken und schmecken lassen. Dieser Fun-Faktor ist jetzt zu einem Fuck You-Faktor geworden. Oder anders gesagt: Seit es Corona gibt, wollen viele Menschen Corona nicht auch noch trinken. Um den Verkauf wieder anzukurbeln sollte man vielleicht „Tecatito“ um die Änderung seines Spitznamens bitten? Wenn der zukünftig als „Coronito“ auflaufen würde, könnte das den Bierumsatz wieder ankurbeln.   

Es gibt übrigens noch so eine Geschichte rund um Jesús Corona, die wirklich lustig ist. Die erste portugiesische Liga war vom 7. März bis 3. Juni im Lockdown. Das erste Spiel danach verlor der FC Porto gegen den FC Famalicao mit 1:2 und nun ratet mal, wer das Tor für Porto geschossen hat. Richtig: Jesús Corona. Die anschließenden Schlagzeilen der portugiesischen Presse waren klar:

„Corona schießt erstes Tor nach Lockdown!“

Auch in der aktuellen Saison ist der 27-Jährige übrigens richtig gut dabei, zwei Tore und drei Vorlagen in sieben Spielen. Von Krise ist bei Corona nichts zu spüren. So! Jetzt reichts aber. Der Blick nach draußen verrät mir: Es ist noch immer kalt, grau, neblig, bäh, aber ich hoffe, dass ihr mit der Geschichte Spaß hattet und denkt immer dran: Bitte niemals den Humor verlieren!

Und jetzt, quasi als Trockenübung, alle zusammen, auch dieses Mal bitte wieder extra laut, damit wir das A…%&_‘`=/%...LOCH-Virus aus Kassel und ganz Nordhessen vertreiben: „Schalalalaaaaaaa, der KSV ist wieder da!“

 

 

Veröffentlicht: 12.11.2020

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 01.12.2020