19828383848485 - Die KSV-Kolumne

In meiner Kolumne erkläre ich, warum ihr Euch tierisch auf die kommende Saison freuen könnt. Regionalliga ist nämlich viel geiler als erste Liga!

… und fühlt sich noch dazu ganz ähnlich an. Denn insgesamt sieben Mannschaften und eine Frauschaft werden in der kommenden Saison unter Garantie Erstliga-Gefühle im Auestadion aufkommen lassen und unser ehrwürdiges Stadion mit Glanz und Gloria, zugegeben, zum Teil natürlich aus längst vergangenen Tagen, füllen.

Womit wir auch gleich beim FC 08 Homburg wären. Die waren ja auch ein paar Jährchen im Oberhaus unterwegs. In Erinnerung sind sie aber nicht wegen ihrer fußballerischen Heldentaten, sondern weil sie in der Saison 1987/88 eine ganz besondere Werbung auf dem Trikot hatten. LONDON stand da in großen Lettern geschrieben! Klar, wegen der Brexit-Briten würde dieser Schriftzug auch heute bei keinem Fußballverein der etwas auf sich hält, aufs Trikot kommen. Damals war aber etwas anderes gemeint. Es ging um Kondome. Der Verhüterli-Hersteller London hat sich sein schlüpfriges Sponsoring 200.000 DM kosten lassen. Ein Aufschrei der Bundesliga-Prüdinenz war die Folge! Nein, „Tinaaaaaaa, was kosten die Kondome?“ war es nicht. Die öffentliche Erregung ging sogar so weit, dass Homburg ein paar Spieltage lang den Schriftzug abkleben musste. Dann wurde höchst richterlich entschieden, dass die Kondomwerbung weder gegen Sitte noch Moral verstößt. Fortan konnten die Spieler unzensiert auf den Platz laufen. Puuuuh! Nach dem ganzen Gerede über Sex war der Spieltrieb der Männer übrigens erschlafft, Homburg stieg am Ende der Saison ab.

Auf und nieder, in die Bundesliga, ging es auch für unsere Lieblingssüdhessen von den Kickers aus Offenbach. '68 Aufstieg, '69 Abstieg, '70 Aufstieg, '71 Abstieg, '72 Aufstieg. Dann blieben sie ein paar Jahre drin, im Oberhaus. Trainiert wurde das Team damals unter anderem von Otto Rehakles. Und auch die ehemalige Bundeslocke Rudi Völler wurde auf dem Bieberer Berg groß. Als 17-Jähriger debütierte Rudiiiiiiiiiiiiiiii für die erste Mannschaft und schnürte 73 Spiele lang als Profi seine Stollenschuhe für die Kickers.

Erstliga-Gefühle werden naturgemäß auch die zweiten Mannschaften in Kassel versprühen. FSV Mainz 05 II, SC Freiburg II, TSG Hoffenheim II und VfB Stuttgart II. Fun Fact zur nordhessischen Belustigung: In der Saison 2000/01 schlugen die Stuttgarter Amateure Eintracht Frankfurt in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 6:1. Bis heute ist dies der höchste Sieg einer Amateurmannschaft gegen einen Bundesligisten im DFB-Pokal.

Ebenfalls ins Auestadion kommt in der nächsten Saison ein Team, das den Geist von niemand geringerem als Uli Hoeneß mitbringt. Der SSV Ulm 1846, Ja, tatsächlich: Mr. FC Bayern höchstpersönlich war in der Saison 1969/70, damals 17 Jahre jung, ein Ulmer Spatze. 22 Tore erzielte er in der 1. Amateurliga Nordwürttemberg und wechselte direkt anschließend zum FC …. na, Sie wissen schon. An die Bundesliga war damals in Ulm noch lange nicht zu denken – die erlebte man erst einige Jahre später, in der Millennium-Saison 1999/2000. Kurz reingeschaut, böse abgestürzt.

Und last but not least werden wir im Auestadion noch einen weiteren Gegner aus dem südlichen Teil unseres Bundeslandes begrüßen: Den FSV Frankfurt. Nein, die Männer waren natürlich nie in der ersten Liga. Aber die Frauen. Und das auch noch sehr erfolgreich. Zwei Meisterschaften feierten die Frankfurterinnen mit Fußballlegenden wie Steffi Jones und Birgit Prinz im Team. Schon seit einigen Jahren gibt es die Frauenfußballabteilung des FSV aber nicht mehr. Heute erinnert an die glorreichen Zeiten nur noch das F im Vereinsnamen. Das steht doch für Frauenfußball, oder?

8 von 21 Gegnern in der Regionalliga Südwest bringen in der kommenden Saison also Bundesliga-Luft mit nach Kassel.

Liebe Fans, ganz egal, wo ihr gerade seid, schließt jetzt alle mal die Augen und stellt euch vor, wie Rudi Völler, Uli Hoeneß, Birgit Prinz und Mario Gomez (ja, der hat auch mal in Ulm gespielt), unter der Leitung von Otto Rehakles, mit hängenden Köpfen das Auestadion verlassen. Gedemütigt von den glorreichen Löwen! Die Tränen der Trauer trocknen sie mit dem Ärmel ihres Trikots, auf dem LONDON steht. Und jetzt schreien wir alle gemeinsam so laut, dass man es in ganz Kassel hören kann:: „Ihr könnt nach Hause fahrn! Ihr könnt nach Hause fahrn! Ihr könnt, ihr könnt, ihr könnt nach Hause fahrn!“

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Veröffentlicht: 26.07.2020

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 08.08.2020