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Das Medienteam verabschiedet sich aus dem Auestadion und wünscht noch ein schönes Wochenende.

"Löwen sind zum Kämpfen geboren!"

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Manchmal sagt ein Bild mehr als 1000 Worte – so zum Beispiel das Foto zum Spielbericht aus der HNA von Mittwoch. Es zeigt Brian Schwechel und Sergej Evljuskin im Spiel gegen Elversberg. Beide haben die Augen geschlossen und vom Kampf um den Ball verzerrte Gesichter. Der Ball scheint zwischen ihnen in der Luft zu schweben.

Im Hintergrund ist ein Elversberger Spieler zu sehen, die geballte Löwenpower lässt ihm aber keine Chance, das runde Leder zu erreichen. Am Ende steht ein absolut verdienter Auswärtspunkt beim Aufstiegsaspiranten. Das ist KAMPF, das ist der KSV, das ist das Mittel zum KLASSENERHALT. Klar haben wir auch Spieler für die genialen Momente. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Die Gegenspieler tunneln oder drei, vier, fünf im Tempodribbling einfach so stehen lassen, das ist auch alles drin. Aber es sind nicht die Primärtugenden der Kasseler Ballartisten.

Das war schon immer so – schließlich sind Löwen keine Ballerinas, sie sind zum Kämpfen geboren.

Gut, der von mir während seiner viel zu kurzen Zeit in Kassel heiß und innig verehrte Dirk Bakalorz, das war mal so einer, der auf einem Bierdeckel jeden Gegner stehen lassen konnte. Das ging aber auch nur, weil hinten ein Walter Horch und ein Volker Münn alles abgeräumt haben, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Kassel ist traditionell mehr die Heimat der Legats, als die der Messis. Bevor es nun zu Missverständnissen kommt, muss ich allerdings schnell und deutlich hinterherschieben, dass sich dieser Vergleich nur auf den Grätschfaktor bezieht und nicht auf die rhetorischen Fähigkeiten unseres Teams. Denn Stilblüten wie zum Beispiel: "Unsere Chancen stehen 70:50", wie sie Herr Legat gerne mal von sich gibt, würden in unserer Mannschaft selbstverständlich keinem über die Lippen kommen.

Apropos Grätsche: Entsetzt und empört habe ich jetzt erst gelesen, dass diese fußballerische Liebeserklärung an den Gegenspieler in ihrer Existenz massiv bedroht ist. Gab es 1998 in der Bundesliga noch 1.043 sogenannte Grätschenfouls, sank die Zahl seitdem kontinuierlich. Im Jahr 2012 wurden laut der Firma Impire nur noch 367 gezählt. So wenige wie nie zuvor. Es scheint, als hätte es einen Kulturwandel im Fußball gegeben. Der Verteidiger von heute steht richtig und ist schnell genug, um dem Gegner den Ball abzulaufen. Die Zeiten von knallharten Zerstörern a la Uli Borowka, Spitzname „die Axt“, sind vorbei. Heute sprinten die Athleten unermüdlich vor und zurück über den Platz. Da bleibt keine Zeit, sich für Fouls auf dem Rasen herum zu lümmeln.

Der moderne Fußball ist also schuld daran, dass die gute alte Grätsche im Eiltempo gen Vorruhestand taumelt. Dort wird sie auf Legenden ihrer jeweiligen Zeit, wie die Manndeckung, den Libero, das gemeinsame Bierchen nach dem Training und die Vokuhila-Frisur treffen. Ich sehe es genau vor mir, wie die fünf ums Lagerfeuer sitzen und von den guten, alten Zeiten schwärmen, in denen ihre unerschrockensten Vertreter, Norbert Siegmann, Guido Buchwald, Franz Beckenbauer, Paul Gascoigne und Wolfgang Rolff sie weltberühmt und -berüchtigt gemacht haben.

Die Zeitung DIE ZEIT geht sogar schon so weit zu schreiben: „Früher waren die Grasflecken auf der Hose eine Adelung für jeden Verteidiger, heute überführen sie ihn der Altertümlichkeit. Der Abwehrspieler von heute macht sich nicht mehr schmutzig.“ HILFE! Was ist denn da los? Liebe Löwen, lasst euch sagen: Das stimmt nicht. Ich empfinde noch immer jeden Grasfleck, jeden mit Erde beschmierten Oberschenkel, jedes leicht blutig aufgeschrammte Knie als Zeichen von Einsatz und #Fußballliebe. Zeigt den Gegnern, dass ihr bis zum Abpfiff kämpft und immer da steht, wo es denen mit den anderen Trikots auch mal weh tut. Selbstverständlich alles immer schön im fairen und legalen Rahmen, wie es in Elversberg gelaufen ist.

Und bitte jetzt am Samstag gleich damit weiter machen. Mit der TuS RW Koblenz kommt das Schlusslicht der Regionalliga Südwest ins Auestadion. Hätten die nicht Rot-Weiß im Vereinsnamen stehen, müsste man ganz klar sagen, dass Koblenz eine der farblosesten Mannschaften der Liga ist. Tja, mehr fällt mir über die jetzt eigentlich auch nicht mehr ein. Ach doch, eins noch, ganz wichtig: Unterschätzen VERBOTEN! Schließlich sind die vor allem letzter, weil sie erst drei Spiele ausgetragen haben, also drei weniger als der KSV. Würden sie die alle gewinnen, stünden sie in der Tabelle sogar vor uns. Ab Samstag, ca. 15 Uhr 45, also nach dem Schlusspfiff, geht diese Rechnung nicht mehr auf. Da bin ich mir ganz sicher!

Und jetzt, quasi als Trockenübung, schonmal alle zusammen, so laut, dass man es in ganz Kassel hören kann: Schalalalaaaaaaa, der KSV ist wieder da!

Veröffentlicht: 01.10.2020

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 26.10.2020