"Eike Immel hat einen dicken … ZEH!"

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Vor einer Woche bin ich bei klirrender Kälte vor dem Auestadion knietief durch den Schnee gelaufen und habe mir gedacht: „Was für ein Mist!“ Heute war ich wieder am Auestadion und habe mir den Zustand von vor einer Woche zurückgewünscht. IgittePfui! Schneematsche und tiefe Pfützen, wohin man auch tritt. Der Winter von seiner hässlichen Seite - nachdem wir ihn eine Woche lang von seiner mächtigen Seite erleben mussten. Vor allem die KVG hatte unter diesen schrecklichen Bedingungen zu leiden. Was soll das auch, so ein Winter mit Eis und Schnee. Also wirklich! Unser KSV-Busfahrer hätte den Weg nach Mainz trotz aller Widrigkeiten ganz bestimmt gefunden, das Spiel am vergangenen Samstag wurde aber trotzdem abgesagt.

Psssst, mal so unter uns: Die Pause hat dem Team ganz sicher gutgetan. Einfach mal durchschnaufen können und etwas Energie tanken. Jetzt drücke ich die Daumen, dass es am Samstag wieder los geht und die Löwen eine Serie starten können. So ein paar Spiele ohne Niederlage wären schon klasse, damit das Punktepolster zum Tabellenkeller wieder etwas flauschiger wird.

Und wer kommt da gelegener, als das abgeschlagene Schlusslicht, könnte man spontan denken. Aber Vorsicht, liebe Löwen: Eintracht Stadtallendorf hat zwar bislang gerade mal 9 Punkte geholt, trotzdem sind sie definitiv nicht zu unterschätzen. Das wissen wir ja aus der vergangenen Hessenliga-Saison nur zu gut. 2:2 und 3:4 gingen die Spiele gegen den damaligen Klassenprimus aus. Das Hinspiel in der Regionalliga endete 3:3. Man könnte also sagen: Stadtallendorf ist nicht gerade unser Lieblingsgegner.

Und einen haben die Stadtallendorfer im Gepäck, der bringt das aus meiner Sicht schönste Fußball-Jahrzehnt mit nach Nordhessen. Die 80er Jahre. Er ist ein Held meiner Jugend, ein ganz Großer des deutschen Fußballs. Wenn ich ihn früher in der Zeitung oder in der Sportschau gesehen habe, dachte ich immer: „HiHi! Eike Immel hat einen dicken … ZEH!“ Den Witz fand ich umwerfend lustig – zu meiner Entschuldigung muss ich aber sagen, dass ich damals noch sehr jung war.

Ich sehe ihn noch ganz genau vor mir, in seinem dunkelblauen Torwarttrikot mit dem Sponsoren-Schriftzug UHU. Der gebürtige Stadtallendorfer wurde in allen Zeitungsschlagzeilen nur als „Deutschlands Fußball-Wunderkind“ bezeichnet. Kein Wunder, denn mit gerade mal 17 Jahren hat er für Borussia Dortmund sein erstes Bundesligaspiel bestritten und dass ausgerechnet gegen Bayern München. Die Fußball-Fee hat es damals so gut mit ihm gemeint, dass sie den BVB 1:0 gewinnen ließ und dadurch die Legende vom Super-Immel geschaffen hat. Nach dem Spiel gab der große Sepp dem kleinen Eike die Hand und gratulierte ihm zum Sieg. Ein früher Ritterschlag, viele weitere sollten folgen.

Als 19-Jähriger bestritt er sein erstes Länderspiel, damit ist er bis heute der jüngste Keeper in der Geschichte der Nationalmannschaft. 1980 wurde er Europameister, 1982 und 1986 jeweils Vize-Weltmeister. 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. 534 Bundesligaspiele hat er für Dortmund und Stuttgart bestritten. Nur Oliver Kahn stand in der Liga häufiger im Tor.

Nach seinem Karriereende folgte der private Absturz: Scheidung, Offenbarungseid, Privatinsolvenz. In seiner Biografie schreibt Eike Immel: „Es hat Tage gegeben, da habe ich morgens nicht gewusst, wo kriege ich ein Brötchen her und wo schlafe ich heute Abend".

Eike Immel ist sogar fast mal hier bei uns in Nordhessen sesshaft geworden. 2008 gründete er die Eike-Immel-Torwartschule in Kassel. Das war aber offensichtlich keine richtig gute Idee, denn schon ein Jahr später wurde der Laden dicht gemacht. Ebenfalls 2008 ging er wegen seiner ständigen Geldsorgen ins RTL-Dschungelcamp, futterte fleißig Kakerlaken, trank leckere Kotzfrucht und belegte den 5. Platz. Im Anschluss an die Show wurde der Kult-Kicker dann auch noch zum Schlagerkönig und nahm zusammen mit seinem Dschungelcamp-Kollegen Bata Illic die Single Wie ein Liebeslied auf.

Wie ein Liebeslied, das die Sehnsucht schrieb
und wie ein Gedicht, das im Herzen blieb,
wie ein schönes Bild, nur für mich allein,
so bist du, so wirst du immer sein.

Unfassbar, aber wahr: Die beiden schafften es mit der Schnulze bis auf Platz 18 der Single-Charts. Viel Geld hat er aber auch damit nicht verdient.

Nach den nicht enden wollenden Tiefschlägen zog Eike Immel 2016 zurück nach Stadtallendorf. Heute ist der mittlerweile 60-Jährige Torwarttrainer der ersten und Trainer der zweiten Mannschaft der Eintracht. Ein Held meiner Jugend, der Gott sei Dank noch mal die Kurve gekriegt hat – wobei er am Samstag gegen 16 Uhr sicherlich sehr sehr traurig sein wird, denn dann wird sein Team gegen Kassel verloren haben und die Stimmung im Mannschaftsbus wird vermutlich wenig einträchtig sein. Zum Glück dauert die Fahrt nach Stadtallendorf nur ein Stündchen.

Und jetzt nochmal eins, zwei drei, für alle Junggebliebenen: „Eike Immel hat einen dicken … ZEH!“ Hach, das macht doch noch immer einfach gute Laune! Und in guter alter Tradition möchte ich euch auch am Ende dieser Kolumne um ein kleines aufmunterndes Liedchen für Tobis Löwenmeute bitten. Wie immer alle zusammen so schaurig, schön und laut, dass ganz Nordhessen uns hören kann: „Schalalalaaaaaaa, der KSV ist wieder da!“

Veröffentlicht: 18.02.2021

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 25.02.2021