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Das Medienteam verabschiedet sich aus dem Auestadion und wünscht noch ein schönes Wochenende.

"Die Löwen in Zeiten der Corona!"

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Kennt ihr das Buch „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“? Oder den Film? Wenn nicht: Müsst ihr unbedingt lesen, gucken, hören! Es ist eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Welt. Mehr als 50 Jahre wartet der Telegraphenbote Florentino Ariza auf die Frau, in die er sich als 18jähriger unsterblich verliebt hat. Die kommt aber mit einem Arzt zusammen, heiratet den sogar, es gibt 1000 Irrungen und Wirrungen, trotzdem hört Florentino nie auf, sie zu lieben und am Ende gibt’s ein… Ach ne, dass verrate ich lieber nicht.

Mit den „Löwen in Zeiten der Corona“ ist es ähnlich. Im Augenblick ist es aus verschiedenen Gründen nicht immer einfach, sich für die Auftritte des Teams zu begeistern, mit vollem Herzen und ungebremstem Elan dabei zu sein. Trotzdem denkt man nie ernsthaft darüber nach, seiner großen Liebe untreu zu werden. Weil man aus Erfahrung ja weiß, dass es irgendwann wieder ein Highlight geben wird. Und glücklicherweise hat es in der Liebe zwischen dem KSV und seinen Fans bis zum nächsten Höhepunkt bislang noch nie 50 Jahre gedauert.

Man darf auch nicht vergessen, dass wir jetzt in der Regionalliga spielen. Der vierthöchsten Spielklasse in Deutschland. Wir gehören zu den besten Mannschaften der beinahe besten Fußballnation der Welt. Das ist doch super, da können wir stolz drauf sein und da ist es doch absolut verständlich, dass man es als Aufsteiger nicht leicht hat. Darum gibt es dann auch viel Graubrot zu sehen. Die Gedanken der Zuschauer im Stadion schweifen ab und so kommt man zum Beispiel auf die Idee, dass man seine Samstage auch sinnvoller verbringen könnte. Aber dann gibt es plötzlich doch noch diesen einen genialen Moment und auf einen Schlag sind alle Zweifel weggewischt. Extase pur! Alles richtig gemacht, denkt man sich.

Es ist die große Liebe, die einen über Jahrzehnte immer und immer wieder ins Auestadion getrieben hat. Und auch, wenn man mal ein paar Spiele oder gar eine ganze Saison nicht da war, irgendwann ruft das Stadion wieder und man kann nicht widerstehen. Spieler sind gekommen und gegangen. Die Ligen haben gewechselt. Aber der KSV war halt immer der KSV. Selbst dann noch, als er plötzlich mal der FC Hessen Kassel war.

Ich weiß, ich weiß, das lodernde Feuer der alles verzehrenden Liebe am Leben zu erhalten, ist in der Mitte des Corona-Oktobers 2020 nicht die einfachste Übung. Es ist kalt draußen. Und grau. Es nieselt und alles ist irgendwie schrecklich schmuddelig. Auf den Plastiksitzen friert der Allerwerteste, auf den Stehplätzen frieren die Hände an den Metallstangen der Wellenbrecher fest.

Aber trotz dieser ganzen Widrigkeiten darf man seine Aufstiegseuphorie gerade jetzt nicht verlieren. Verfluchter Mist, wir haben schon 10 Punkte geholt. Wir haben selbst bei Niederlagen den Gegnern gezeigt, dass wir ebenso gut hätten gewinnen können. Und jetzt am Samstag kommt der FC-Astoria Walldorf nach Kassel. Die sind zu packen, kein Zweifel!

Früher hieß die Mannschaft übrigens SG Walldorf-Astoria und wer sich jetzt denkt: „Moment mal, der Name kommt mir doch irgendwie bekannt vor? Aber das kann doch nicht sein!“, der irrt. Denn tatsächlich hat der Verein einen Bezug zur weltberühmten New Yorker Luxushotelkette Waldorf-Astoria. Der Name Astoria geht nämlich auf Johann Jakob Astor zurück, der 1763 in Walldorf, ja, ganz genau, geboren wurde. Sein Papa war dort der Dorfmetzger. Klein Johann verließ Deutschland mit 16 Jahren und nach einigem Hin und Her wurde er in Amerika durch Pelzhandel, Porzellanhandel und Immobilienspekulationen zum reichsten Mann seiner Zeit und zum ersten Multimillionär Amerikas überhaupt.

Seine Nachfahren William Waldorf Astor und John Jacob Astor, eröffneten dann das Hotel Waldorf und das Hotel Astoria. Der Rest ist Geschichte. Und das zweite L aus Walldorf ging irgendwann in dieser Geschichte verloren. Pech gehabt. Trotzdem wurde Johann Jakob von seiner Heimatstadt mit einem Denkmal geehrt. Übrigens: Ja! Der Waldorfsalat wurde im Hotel Waldorf kreiert und kommt damit auch irgendwie aus Walldorf. Last but not least noch etwas Klatsch und Tratsch: Paris Hilton wuchs zwar nicht in Walldorf, dafür aber im Waldorf-Astoria in New York auf. Ihre Familie besitzt in dem Hotel nämlich eigene Suiten, weil es mittlerweile zur Hilton-Gruppe gehört.

Na, neugierig geworden, ob der FC-Astoria Waldorf kickt wie Paris? Eigentlich wollte ich jetzt schreiben: Dann nix wie raus aus dem warmen Kuschelsessel, rein in die lange Unterhose und ab ins Stadion. „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ könnt ihr euch noch anschauen, wenn der Schiri abgepfiffen hat. Vorher gibt’s Bratwurst, Bierchen und lautes Gebrüll:

„Auf geht’s Löwen, kämpfen und Siegen!“

Aber seit gestern steht ja leider fest, dass am Samstag keine Zuschauer ins Stadion dürfen. Schuld ist dieses verschissene Drecksvirus, entschuldigt bitte, jetzt habe ich mich gehen lassen. Aber ist doch wahr! Natürlich ist es besser, wenn man sich angesichts der steigenden Corona-Zahlen am Riemen reißt und vernünftig ist. Trotzdem ist das alles unfassbar ärgerlich und man will sich am liebsten nur noch die Decke über den Kopf ziehen und umgehend in Winterschlaf fallen.

Als kleiner Trost bleiben am Samstag ab 14 Uhr der Liveticker und das Daumen drücken. Wichtig ist, dass die „Löwen in den Zeiten der Corona“ drei Punkte erbeuten und schon strahlt die Sonne über Kassel wieder etwas mehr.

Und jetzt, quasi als Trockenübung, schonmal alle zusammen, so laut, dass man es in ganz Kassel hören kann: „Schalalalaaaaaaa, der KSV ist wieder da!“

Veröffentlicht: 15.10.2020

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 26.10.2020