"Der Zauberfuß und sein Magier!"

Die KSV-Kolumne von Christof Dörr

Warum Christof Dörr stolz ist, dass die Löwen zwei so erfahrene Fußballer, wie Alban Meha und Mahir Saglik in ihren Reihen haben und was es mit dem Magier und dem Zauberfuß auf sich hat, das erklärt Christof in seiner neuesten Kolumne.

Ich gebe es ganz offen zu: Als im Januar 2019 erst Mahir Saglik und im Sommer dann Alban Meha zu uns kamen, da war ich erstmal nicht begeistert. Klar, beide haben eine glorreiche Vergangenheit und bringen auf dem Papier einiges an Fußball Glanz und Gloria ins Auestadion. Ich dachte aber als allererstes, dass zwei Fußballer im gesetzteren Alter noch mal schnell ein paar Euro verdienen wollen und sonst hier eher eine ruhige Kugel schieben werden.

Wie sehr kann man sich doch täuschen und diese Fehleinschätzung gebe ich tatsächlich gerne zu! Denn heute bin ich wirklich großer Fan der beiden und stolz darauf, dass zwei so erfahrene Kicker in unserem Team stehen. Immerhin ist Alban Meha türkischer Pokalsieger, Mahir Saglik Deutscher Meister und zusammen haben sie mehr als 40 Spiele in der ersten und zirka 240 in der zweiten Liga auf dem Buckel.

Die beiden kennen sich seit ihrer Zeit in Paderborn sehr gut. Zwei Jahre haben sie in Westfalen zusammen gespielt und in der Saison 2013/14 die Sensation geschafft: Sie haben die graue Maus in die erste Liga geschossen. Alban Meha mit 12 Treffern und Mahir Saglik mit 15. Die reichten damals für ihn, um sogar Torschützenkönig der 2. Bundesliga zu werden.

Und was die BILD-Zeitung im November 2014, also in der folgenden Bundesligasaison, über die beiden geschrieben hat, das kann man sich auch mal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen:

Rückkehr der Tor-Maschinen.

Beim klaren Sieg gegen Hertha (3:1) standen in dieser Saison verletzungsbedingt zum ersten Mal die Tor-Maschinen Alban Meha (28) und Mahir Saglik (31) wieder im Kader. „Zauberfuß“ Meha zeigte gegen Berlin sofort seine Extraklasse, nagelte den Ball aus 20 Metern zum 3:1-Endstand ins Netz. Auch „Magier“ Saglik kam gegen Hertha zum Kurz-Einsatz, hatte sogar das 4:1 auf dem Fuß.

Der Magier und sein Zauberfuß - das diese beiden Hochkaräter 2019 in Kassel gelandet sind, ist in diesem Fall gleich doppeltem Vitamin B zu verdanken. Saglik ist nämlich der Trauzeuge von Tobias Damm. Die beiden haben einst zusammen in Wuppertal gespielt. 2008 trennten sich ihre Wege, Mahir Saglik ging in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg. Doch die Freundschaft blieb bestehen. Ein halbes Jahr nach seinem Wechsel zum KSV setzte Mahir Saglik dann selbst Vitamin B ein, rief seinen alten Kumpel Alban Meha an und schwärmte ihm von Kassel und dem „schlafenden Riesen“ KSV vor.  Das überzeugte. Meha war gleich so angetan von Nordhessen, dass er sogar einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat.

In einem Interview mit der HNA hat Zauberfuß Meha über seine besondere Beziehung zu Magier Saglik gesagt:

„Wir kennen uns lange, sind eng verbunden. Wir sind sehr gute Freunde. Wir sind beide ehrgeizig und wollen hier nicht nur ein bisschen Larifari machen.“

Und das merkt man, denn beim KSV knüpfen sie an die erfolgreichen gemeinsamen Zeiten in Paderborn an. In der vergangenen Saison hat der Magier 19 Tore in 20 Spielen und sein Zauberfuß 12 Tore in 21 Spielen geschossen. Ein Duo wie Blitz und Donner. Wie Pech und Schwefel. Oder wie die Kasseler Antwort auf Robbery!

Aus der Kabine der Löwen ist zu hören, dass die beiden mit ihrer Erfahrung und ihrer Leidenschaft für den Fußball die jungen Spieler mitreißen und immer wieder antreiben. Klar, aufgrund ihres Alters gönnen sie sich auf dem Platz auch immer mal wieder die eine oder andere Pause, ist ja auch kein Wunder. Schließlich wird Mahir Saglik im Laufe dieser Saison 38 Jahre alt, Alban Meha immerhin 35. Und was sagt uns das? Ein paar gute Jahre werden die beiden ganz sicher noch haben, beim KSV.

Jetzt am Samstag geht’s aber erstmal weiter mit dem Punktesammeln in der Regionalliga. Die zweite Mannschaft von Mainz 05 kommt zu uns ins Auestadion. In der Bundesliga läuft es bei der ersten Mannschaft ja gerade ziemlich schlecht. Null Punkte aus den ersten vier Spielen. Autsch! Dazu die Streit, Streik, Szalai Affäre, die den Coach sein Amt gekostet hat. Jetzt trainiert mit Jan-Moritz Lichte ein Kasseler das Team, es wird also ziemlich sicher schon sehr bald besser werden. Aber zurück zur zweiten Mannschaft. Die hat zwar 13 Punkte mehr auf dem Konto als die Erste, kann beim Blick auf den Saisonstart aber auch nicht so richtig singen und lachen. Schließlich waren sie in der vergangenen Regionalliga-Saison sechster und hatten ganz sicher nicht das Ziel, sich zu verschlechtern.

Um in der Tabelle eventuell noch etwas nach oben zu rutschen, haben sie sich außerdem einen echten Deutschen Meister zugelegt. Stephan Fürstner kam von Eintracht Braunschweig aus der dritten Liga. Wer sich jetzt ad hoc nicht an einen Deutschen Fußballmeister namens Fürstner erinnern kann, hier eine kleine Gedächtnisstütze: Am 5. Mai 2007 fand der 32. Spieltag der Saison 2006/07 statt. Stephan Fürstner spielte damals bei keinem geringerem als dem FC Bayern München. In der 87. Minute wird er in der Partie gegen Mönchengladbach für Ali Karimi eingewechselt. Am Spielstand von 1:1 ändert sich dadurch nichts mehr, für Fürstner bleiben es die einzigen 3 Spielminuten in dieser Saison. Trotzdem kann er sich seitdem Deutscher Meister nennen. Er hat aber anschließend auch noch viel erste und zweite Liga gespielt – also liebe Löwen: Gut auf die Nummer 8 im defensiven Mittelfeld des Meeenzer Karnevalsvereins aufpassen.

Noch hat der KSV zwei Punkte weniger als Mainz auf dem Konto, dieser Abstand soll am Samstag um 15:45 Uhr aber der Vergangenheit angehören. Mein Wunsch wäre es, dass die Löwen dann wieder einen Punkt mehr haben und vor dem Karnevalsverein stehen. Mahir Saglik und Alban Meha werden diesem Ziel ganz sicher nicht im Weg stehen, denn wenn der Zauberfuß und sein Magier einen Sahnetag erwischen, kann der KSV trotz Verletztenmisere jeden Gegner schlagen.

Und jetzt, quasi als Trockenübung, schonmal alle zusammen, so laut, dass man es in ganz Kassel hören kann: „Schalalalaaaaaaa, der KSV ist wieder da!“

Veröffentlicht: 24.10.2020

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 01.12.2020