Ein abschließender Sieg für den Capitano

Ein abschließender Sieg für den Capitano

SC Freiburg II - KSV Hessen 1:3 (0:1)
Mit einem verdienten 3:1-Sieg beim SC Freiburg II, dem 22. Dreier des KSV Hessen, verabschiedet sich das Dickhaut- Team bei nur einem Zähler Rückstand auf Aufsteiger 1. FC Heidenheim mit stolzen 71 Punkten als Vizemeister aus der Saison 2008/2009. Nach der Partie würdigten die KSV- Fans und das Team Kapitän Thorsten Schönewolf zum Abschied. Harez Habib erzielte per Blitztor den 1:0-Pausenstand, ehe nach dem kurzen 1:1 Liga- Torschützenkönig Thorsten Bauer und René Ochs per Doppelschlag trafen. In der 89. Min. wurde der 51jährige Torwart- Trainer Michael Gibhardt eingewechselt.

Mit dem dritten Dreier in Folge, davon zwei auswärts (in Mannheim und in Freiburg), verabschiedeten sich die Löwen mit den neben Aufsteiger 1. FC Heidenheim meisten Siegen der Liga (je 22) aus einer guten Saison nach dem personellen Umbruch im Sommer letzten Jahres. Außerdem war der KSV Hessen nach 34 Spieltagen wie folgt vorn zu finden:

Per Kopfball zum 32. Saisontor: Thorsten Bauer wurde zum zweiten Mal in Folge Liga-Torschützenkönig
zoomPer Kopfball zum 32. Saisontor: Thorsten Bauer wurde zum zweiten Mal in Folge Liga-Torschützenkönig
Foto: Harry Soremski

1. Spitzenreiter der Heimtabelle (40 Punkte, gefolgt vom 1. FC Heidenheim, 36 Pkt.)
2. Mit 75 Saisontoren die meisten der Liga (gefolgt vom 1. FC Nürnberg II mit 65 Toren)
3. Mit Thorsten Bauer den Top-Torjäger der Liga, 33 Treffer (gefolgt von Kulabas, 1.FCN II, 18)
4. Mit ca. 4.300 Zuschauern im Schnitt die mit Abstand meisten der Liga

Auf ein Neues nun in der kommenden Saison, doch ohne einen „alten": Thorsten Schönewolf. Der Kapitän, oder besser „Capitano" wie der 36jährige in der Mannschaft genannt wird, geht von Bord. Sieben Jahre in Folge beim KSV Hessen Kassel, davor bereits in den 90igern 47 Spiele beim FC Hessen Kassel, macht completto Capitano „Schöne" = 254 Liga-Spiele im Löwen- Dress. Der gebürtige Kasseler ist ein Identifkations-KSVer!

Blitztor durch Harez Habib mit erstem Angriff

Die Mannschaft, in der nachwievor der verletzte Dennis Tornieporth fehlte, hatte dem Familienvater diesen Sieg geschenkt und ließ von der ersten Sekunde keinen Zweifel daran, wer im beschaulichen, altehrwürdigen Möslestadion als Sieger vom Platz geht. Mit ihrem schnellsten Tor der Saison legten die Löwen im letzten Spiel los. Top-Torjäger Thorsten Bauer setzte René Ochs beim ersten KSV- Angriff über links in Szene und Kassels Nr. 7 legte in für ihn selbst günstiger Schussposition halblinks im Strafraum quer, wo Harez Habib in Torjäger-Manier mit links zu seinem fünften Saisontor vollendete (1.).

Das Team von Trainer Mirko Dickhaut, der in Abwesenheit von Torhüter Dennis Lamczyk (blieb bei seiner hochschwangeren Ehefrau) zwischen den Pfosten Tobias Wolf das Regionalliga- Debüt ermöglichte, behielt in dieser - noch sonnigen - Spielphase weiter den Vorwärtsgang eingeschaltet. Die nächste Gelegenheit folgte auf dem Fuße. Dem von Kevin Wölk, der - wie in den letzten Wochen bewährt - einen Freistoßball von halblinks präzise über die Abwehrmauer gezirkelt und den Torschrei schon auf den Lippen hatte, ehe SCF- Schlussmann Jürgen Rittenauer die Lederkugel noch aus dem Winkel holte (15.). Wenig später riskierte der kühne Freiburger mit der Nr. 22 Kopf und Kragen gegen den allein vor ihm anstürmenden René Ochs (24.), dessen neunten Saisontor noch warten ließ.

Gelungenes Regionalliga-Debüt von Torhüter Tobias Wolf

Inzwischen spielte auch der gastgebende Tabellenzwölfte, immerhin fünftbeste Rückrunden-Elf (28 Punkte, in Hinrunde = 10), munter mit und zwei Mal parierte der 20jährige Tobias Wolf prächtig und bestand überhaupt seine Regionalliga-Feuertaufe. Ein Mal rettete außerdem Marcel Stadel, im Hinspiel noch 2:1-Siegtorschütze, in höchster Not. Und dann war da noch sein Innenverteidiger-Partner Thorsten Schönewolf, der bei seinem letzten Einsatz eben solchen zu - gewohnt - 100 Prozent leistete. In der 29. Spielminute hatte Kassels Nr. 6 den Kopf hingehalten und dadurch einen gefährlichen Flankenball von links entschärft. In der 42. Minute wirkte Kassels Kapitän gar als „Feuerwehr" als Alarmstufe Eins im KSV-Strafraum herrschte. Freiburgs Stürmer Rahman Soyudogru hatte freistehend den Ball bereits an Torhüter Tobias Wolf vorbei geschossen, als Thorsten Schönewolf das Spielgerät noch vor Überschreiten der Torlinie wegholte (42.). In der nächsten Aktion erwies sich Sebastian Gundelach als Retter und schnappte den Ball einem Freiburger weg (43.)

Thorsten Schönewolf, Nr. 6, hielt in seinem letzten Spiel die Abwehr zusammen und war gewohnt einsatzfreudig
zoomThorsten Schönewolf, Nr. 6, hielt in seinem letzten Spiel die Abwehr zusammen und war gewohnt einsatzfreudig
Foto: Harry Soremski

Mittlerweile hatte wolkenbruchartiger Regen eingesetzte und die Platzbedingungen wurden widrig. Trotz der zwischenzeitlichen „Wasserspiele im Breisgau" zeigten die Löwen gerade in dieser feuchten Phase noch eine jenen Kombinationen, die sie in dieser Saison so für erfrischenden, elanvollen Offensivfußball auszeichnete. Von links hatte René Ochs prima Enrico Gaede im Strafraum bedient, der 27jährige Routinier legte klug quer und auf für den aufgerückten Linksverteidiger Christoph Keim, der jedoch aus günstiger Position das Gehäuse und sein fünftes Saisontor verpasste (38.). Somit blieb es bis zum Halbzeitpfiff des - wie schon in Karlsruhe beim KSV-Spiel am 26. April diesen Jahres - hervorragend pfeifenden Zweitliga- Schiedsrichter Robert Kempter aus Sauldorf am Bodensee.

Mit Wiederbeginn folgte der zweite Teil der KSV-Story „Der Capitano tritt ab" und „Danke, Schöne". Und den ersten Auftritt hatte Thorsten Schönewolf höchst persönlich und im wahrsten Sinne des Wortes. Will heißen: in der Luft, wo Kassels Nr. 6 per Kopf eine gefahrenvolle Hereingabe von Gabriel Gallus ins Toraus klärte. Nach der Angriffsaktion von Freiburgs Nr. 8, hatte dann Kassel Nr. 8 eine fulminante Torschuss-Szene. Von links kurvte Enrico Gaede unaufhaltsam nach innen, und zog aus dem Halbfeld und 18 Metern Torentfernung mit rechts ab. Der stramme Schuss des in dieser Saison sechsfachen Torschützen ging nur knapp am Freiburger Gehäuse, in dem ab dem 2. Spielabschnitt Michael Müller stand, vorbei (57.).

Löwen antworten auf Ausgleichstor per Doppelschlag

Nur eine Zeiger-Umdrehung später hatte 1:0-Torschütze Harez Habib die Großchance zu seinem ersten Doppelpack in dieser Saison. Nach Kopfballvorlage von Mentor Latifi, der ab der 46. Minute für den überzeugenden Marcel Stadel in Spiel kam, hatte der 27jährige, afghanische Nationalspieler frei Schussbahn. Doch Kassels Nr. 17 vergab aus zwölf Metern und schoss mit rechts über das Tor. Zu allem Überfluss gelang Gabriel Gallus im Gegenzug der Ausgleich (60.). Der kleine 20jährige, agile und auffälligste Freiburger, hatte sich gegen die KSV-Abwehr durchgesetzt und ließ, frei aus zwölf Metern zum Schuss kommend, dem machtlosen KSV-Keeper Tobias Wolf bei seinem zweiten Saisontor keine Abwehrchance (60.). Doch wie so oft in dieser Saison hatten die Löwen die prompte Antwort parat.

Einmal mehr personifiziert durch Thorsten Bauer. Der erneute Torschützenkönig der Regionalliga Süd (im Vorjahr mit 19 Treffern) köpfte sein Team in dieser abwechslungsreichen, ansehnlichen Partie wieder in Front. Das 32. Saisontor im 34. Saisonspiel (einziger KSVer, der alle Partien in 2008/2009 absolvierte) für den 31jährigen. Bemerkenswert: per Kopfball-Doublette. Harez Habib hatte per Kopf vor dem Strafraum vor- und aufgelegt, und Kassels Nr. 10 per Kopf gekonnt ins lange Toreck den Ball ins Netz gelegt (64.).

Schwungvoll und mit feinem Dribbling zum letzen KSV-Saisontor 2008/2009: Rene Ochs
zoomSchwungvoll und wie ein Wirbelwind beim Solo zum letzen KSV-Saisontor 2008/2009: Rene Ochs.
Foto: Harry Soremski

Das vorletzte Saisontor der Löwen durch den Torschützen, der auch das zweite im August markiert hatte.

Der letzte Treffer blieb dann jenem KSV- Akteur vorbehalten, der auch das erste Tor in dieser Saison erzielte: René Ochs. Und was für eins!

Ein krönender Abschluss für den 25jährigen und für diese Mannschaft. Thorsten Bauer - diesmal als Tor-Einfädler aktiv - hatte den Ball von Kevin Wölk erhalten und dann in den Strafraum gepasst, wo René Ochs dann irgendwie den Ball eroberte. So viel zur Pflicht! Was folgte war die Kür: Unnachahmliche Körpertäuschung von Kassel Nr. 7, zwei Gegenspieler liefen ins Leere und auch der dritte Freiburger kurz vor der Torlinie wurde beim Torschuss gegen die Laufrichtung erwischt, sodass die Lederkugel zum 1:3 ins Netz rollte. Neunter Saisontreffer für René Ochs, der immerhin 33 Saisonspiele absolvierte und nur ein Mal wegen der fünften gelben Karte pausierte.

Fast hätte anschließend sogar ein Freiburger den Löwen das letzte Saisontor beschert. Nach einem genialen Außenristpass von Spielmacher Kevin Wölk aus dem Halbfeld, den Thorsten Bauer über halbrechts gegen den zaudernden Torhüter Michael Müller vorzeitig erlief, hatte ein Freiburger Bauers Flankenball fast ins eigen Tor geköpft.

Michael Gibhardt mit 51 Jahren und der Nr. 50 ältester KSV-Regionalligaakteur...aller Zeiten...?

Das war´s dann nach 75 Minuten auch mit dem Geschehen in punkto Torszenen. In der letzten Spielviertelstunde waren emotionale Momente beherrschend. Und: „besondere Vorkommnisse". Zunächst minutenlange Sprech-Chöre der Löwen-Fans für den abtretenden KSV- Kapitän Thorsten Schönewolf, der dann übrigens die Partie nicht als ältester Spieler im KSV-Team beenden sollte. Grund: in der 89. Minute wechselte Trainer Mirko Dickhaut - wie abgesprochen - seinen Co- und Torwart-Trainer Michael Gibhardt ein. Der 51jährige mit der Nr. 50 wurde unter der Woche im Eilverfahren noch auf der DFB-Spielberechtigungsliste legitimiert, brauchte jedoch bei seinem Minuten-Einsatz nicht mehr einzugreifen, da Schiedsrichter Robert Kempter, der sich vorher noch im fast schon kameradschaftlichen Plausch mit Harez Habib befand, zeitig abpfiff.

Kapitän Thorsten Schönewolf beim Abschied inmitten seiner Mannschaft
zoomThorsten Schönewolf beim Abschied inmitten seiner Mannschaft, die extra T-Shirts für den Kapitän organisierte. Foto: Adolf Bachmann

Was folgte war eine auf Thorsten Schönewolf stürmende Mannschaft, die sich schnell Trikots mit der Aufschrift „Der Capitano tritt ab" (Vorderseite) und „Danke - Nr. 6 - Schöne" (Rückseite) übergestreift hatte. Klar, dass der KSV- Kapitän dann am KSV- Fanblock die „Humba" anstimmte und rührende, würdige Momente erlebte. Ein Großer und verdienter KSVer tritt ab - DANKE, SCHÖNE alias CAPITANO!

Stimmungsvoll ging es dann im ICE von Freiburg zurück nach Kassel- Wilhelmshöhe, wo Thorsten Schönewolf und Co. am Samstagabend auf Gleis 3 bei prächtiger Stimmung frenetisch empfangen wurden, ehe es am Sonntagmorgen für das Dickhaut-Team zur Saisonabschlussfahrt nach Mallorca geht.

Die Entscheidung, in welcher der drei Regionalliga-Gruppen es für den KSV Hessen Kassel in der nächsten Saison weiter geht, wird in den nächsten Wochen fallen.

Herbert Pumann

SC Freiburg II: Rittenauer - Sirigu, Sereinig, Borrozzino, Bouziane - Williams, Roth, Matter - Caligiuri, Soyudogru, Gallus. Trainer: Sorg.

Eingewechselt: 46. Müller für Rittenauer (TW), 70. Hornig für Soyudogru, 80. Rinchiuso für Borrozzino.

Bank: Bettmer, Braun, Dell´Era, Waslikowski

KSV Hessen: Wolf - Gundelach, Schönewolf, Stadel, Keim - Gaede, Busch - Wölk, Habib, Ochs, Bauer. Trainer: Dickhaut.

Eingewechselt: 46. Latifi für Stadel, 64. Heussner für Gaede, 89. Gibhardt für Wolf (TW).

Bank: Herbold, Lenz, Hanske

Schiedsrichter: Robert Kempter (Sauldorf) - Zuschauer: 400.

Tore: 0:1 Habib (1., Vorarbeit Ochs), 1:1 Gallus (60.), 1:2 Bauer (64., Vorarbeit Habib), 1:3 Ochs (70., Vorarbeit Bauer).

Gelbe Karten: Williams, Gallus - Busch, Keim.

Aufstellung

Veröffentlicht: 06.06.2009

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 27.01.2021