Eine ganz bittere Pille

KSV Hessen - FSV LU Oggersheim 1:1 (1:0) Drei Punkte waren gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten aus Oggersheim fest eingeplant. Am Ende stand für den KSV Hessen aber nur ein 1:1 (1:0)-Unentschieden zu Buche. Ein doppelter Punktverlust, der den Druck im Hinblick auf die nächsten Wochen erheblich erhöht.

Es gibt Spiele, aus denen man lächelnd und voller Zufriedenheit hervorgeht. Es gibt Spiele, nach denen man aufbrausend seine Wut entlädt. Und es gibt Spiele, die einem die pure Fassungslosigkeit ins Gesicht schreiben. Perplex und fast schon resigniert über jenes Schauspiel, das sich zuvor 90 Minuten lang abgespielt hat. In etwa so präsentierte sich Matthias Hamann während der Pressekonferenz nach dem Remis seiner Mannschaften gegen Oggersheim. Nur ein Remis! In einem Spiel, in dem die Punkteverteilung schon vor Anstoß klar gewesen zu sein schien. Weil der Gast so dermaßen abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz steht. Weil sonst schon praktisch jeder gegen ihn gewinnt. Weil die Löwen zu Hause in den letzten Spielen nichts anbrennen ließen. Weil allein Löwen-Torjäger Bauer mehr Tore geschossen hat als der Aufsteiger insgesamt. Kassel drei Zähler, Oggersheim null - wie in Stein gemeißelt. Am Ende alles Pustekuchen. Der „Aufbaugegner“ Oggersheim wurde für den KSV Hessen Kassel zum unüberbrückbaren Hindernis.

Eine mittlere Katastrophe angesichts der engen Tabellenkonstellation, wie auch Hamann wusste: „Jetzt müssen wir die verloren gegangen Punkte woanders holen, jetzt steht die Mannschaft in der Pflicht.“ Eine Marschroute hätte das Team gehabt, drei Siege aus den letzten drei Heimspielen (Karlsruhe, Oggersheim, Reutlingen) vor der Winterpause sollten her. Ein Masterplan, der schon nach der zweiten Partie entsorgt werden kann. Obwohl dessen Umsetzung gerade deshalb als so wichtig erschien, weil die Löwen auswärts zuletzt fünfmal mit exakt null Punkten, dafür oftmals mit einer Tracht Prügel heimkehrten. Eine Serie, die nun schnellstens beendet werden muss, will der KSV den anvisierten zehnten Platz auch in den nächsten Wochen verteidigen. Aus den letzten drei Spielen (Burghausen, Aalen, Reutlingen) vor der Pause „sollten“, so Hamann, „jetzt schon zwei Siege her“.

Dass es dazu gegen Oggersheim nicht langte, musste schon früh befürchtet werden. Anstatt gegen die verunsicherten Gäste konsequent auf den Führungstreffer zu drängen, begann der KSV schläfrig und schien im Gegensatz zu den einsatzfreudigen Gästen mit den Gedanken noch in der Kabine zu sein, als Schlabach nach Marinovic’ Flügellauf den Ball an den Innenpfosten setzte (17.). Wie aus dem Nichts dann die Führung für die Gastgeber: Eine Freistoßflanke von Arne Schmidt erwischte Oggersheims Stürmer Gregory Strohmann so unglücklich mit dem Hinterkopf, dass der sich ins eigene Tor senkte (20.). Thorsten Bauer hätte elf Minuten später sogar auf 2:0 erhöhen können, doch seinen platzierten Kopfball wehrte der gut aufgelegte Torwart Assen Alexov ab.

Die zweite Halbzeit begann mit zwei Hallo-Wach-Aktionen. Erst auf Seiten der Löwen, als im Strafraumgetümmel sowohl Strobel als auch Schönewolf scheiterten (47.); eine Minute später auf der Gästeseite. Diesmal allerdings fiel ein Tor: Nach einem Eckball machte jener Spieler, der zuvor bereits ins eigene Netz getroffen hatte, seinen Fehler wieder gut: Unbedrängt von jeglichen Abwehrspielern traf Gregory Strohmann zum 1:1. Vorausgegangen war „ein Missverständnis zwischen Kümmerle und Adler“, wie Matthias Hamann später erklärte.

Das, was danach passierte, war zwar durchaus „ordentlich und strukturiert“, wie der Trainer befand, brachte aber eben kein Tor mehr. Jan Fießer (50.) und Martin Scholze (86.) trafen mit Fernschüssen jeweils nur den Pfosten und waren auch beide in der 67. Minute beteiligt, als Scholze aus halblinker Position erst an Alexov scheiterte und Fießer beim Nachschuss dann den Kopf eines Oggersheimers traf. Auch Thorsten Bauer, der von Zweitligaklubs umworben sein soll, hatte nach 70 Minuten noch das erlösende zweite Tor auf dem Fuß, verfehlte aber ebenso. Überdies hatten die Löwen Pech, dass Denis Berger (Pferdekuss) früh und Erich Strobel (Schwindelgefühle) etwas später ausgewechselt werden mussten.

Pure Enttäuschung hier, große Freude dort. Wie die Schneekönige feierten die Ludwigshafener den einen Punkt mit einem Tänzchen am Anstoßkreis. Trainer Sascha Koch, der hinterher befand, Kassel hätte versucht Fußball zu spielen, „während wir heute nur reagieren wollten“, war hoch zufrieden. Verständlicherweise: Nach einer „indiskutablen Woche“ (Koch) mit Niederlagen gegen Bayern München II (0:4) und beim Tabellenletzten der Oberliga Südwest aus Idar-Oberstein (1:2/Verbandspokal) zeigten sich die Löwen als gute Gastgeber.

Von Michael Brehme

KSV Hessen: Adler - Suslik, Schönewolf, Zinke, Kümmerle - Bayrak (75. Beyer), Fießer, Schmidt, Berger (25. Scholze) - Strobel (55. Wojcik), Bauer

Oggersheim: Alexov - Malz - Berrafato, Hildebrandt - Reiß, Lapidakis (69. Camara), Rehm - Schlabach, Marinovic (61. Ay) - Strohmann, Christ (90. Merritt)

Tore: 1:0 Strohmann (20./Eigentor), 1:1 Strohmann (48.)

SR: Roland Greth (Menning) - Zuschauer: 3.000 im Auestadion

Gelb: Strobel, Fießer, Zinke - Hildebrandt, Reiß, Rehm, Strohmann

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Veröffentlicht: 17.11.2007

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 20.09.2019