Effektives "Eckball-Special-Team" ebnet Derby-Sieg

KSV Baunatal - KSV Hessen 0:2 (0:1)
Nach dem "Patzer" vor einer Woche im Auestadion ist der KSV Hessen wieder in seine seit 5. November 2005 andauernde Erfolgs-Spur zurückgekehrt und revanchierte sich vor 2.000 Zuschauern mit einem ungefährdeten 2:0-Auswärtssieg über den KSV Baunatal für die 0:1-Hinspielniederlage. Beim dritten Löwen-Sieg in Folge im Parkstadion (Vorjahr 2:1, davor 4:0) ebnete das "Eckball-Special-Team", wie KSV-Coach Matthias Hamann, der unter der Woche gezielt diese Standards trainieren ließ, es später benannte, den 13. Saisonsieg. Marc Arnold legte zwei Mal auf und Julio Cesar da Rosa (Foto, siehe auch aktualisierte Rubrik "DIE LÖWENWOCHE"), im Hinspiel noch gesperrt, traf vier Tage vor seinem 27. Geburtstag doppelt per Kopf (was für ihn eher selten ist) und Baunatals Trainer Ali Arzban fand die Art der Tore hernach wohl am 1. April eher als Scherz (siehe Trainerstimmen).
Die anderen, regelmäßigen Medienvertreter (Radio FFH, HNA, ExtraTip, paperoni, xcentric, Fritz das Magazin) mögen es dem Autoren dieser Zeilen nachsehen, doch wenn der Hessische Rundfunk im TV über den KSV Hessen berichtet, gibt es Löwen-Siege. Und wo wir grad beim - in Sportlerkreisen ja Usus - Aberglauben sind: die Löwen spielten nach dem 0:0 vor einer Woche diesmal nicht in den sieggewohnten "Chala-Trikots", sondern komplett "in Rot". Nebenbei bemerkt: die ausgedienten "Chala-Trikots" werden im übrigen demzufolge zeitnah und in Absprache ihrem individuellen Internet-Ersteigerer ausgehändigt (nähere Infos erfolgen in der nächsten Woche an die Empfänger!).

Zum Auftakt der "englischen Woche" (am nächsten Mittwoch folgt das Nachholspiel in Bruchköbel, am Samstag darauf kommt der SV Erzhausen ins Auestadion) hatte Trainer Matthias Hamann an diesem 1. April-Tag in personeller Hinsicht gut lachen, da der 38jährige "alle Mann an Bord" vermelden konnte. So rückten die zuletzt verletzten Akteure Dominik Suslik, Christoph Keim und Thorsten Bauer wieder in die Start-Formation, die nominell offensiv ausgerichtet war. Demzufolge machten auch die innerhalb der Vierer-Abwehrkette außen positionierten Turgay Gölbasi und Christoph Keim regen Gebrauch von ihren Vorgaben, sich in den Angriff einzuschalten.
Geschehen bereits in der 6. Spielminute, als Christoph Keim aus 18 Metern jedoch "verzog", nachdem Thorsten Bauer den Ball bereits zum Derby-Auftakt (2.) nach einer Linksflanke seines brasilianischen Sturmpartners per Kopf verpasst hatte. Demgegenüber kam der KSV Baunatal zu einer seiner wenigen Torchancen im gesamten Spielverlauf durch Rene Ochs, dessen Direktschuß aus der Drehung aus zehn Metern vom soliden Dominik Suslik bereits derart entschärft wurde, dass Oliver Adler keine Mühe hatte. Der 38jährige konnte hernach im übrigen seine Bilanz aus den letzten acht Spielen auf sechs Mal "zu Null" ausbauen und kassierte insgesamt überhaupt gerade Mal zwei Gegentore. Alle (Be-) Achtung, Adler Olli!

Anerkennung hätte sich in der 14. Spielminute auch einer verdienen können, der beim KSV Baunatal seine "Oberliga-Taufe" erlebte und jetzt wichtiger Bestandteil im Löwen-Kader ist: Daniel Beyer. Der 23jährige nahm im gegnerischen Strafraum völlig freistehend einen klugen Querpaß von Julio Cesar auf, um dann jedoch zu zauderlich zu agieren und diese Großchance ungenutzt verstreichen zu lassen (Schuß wurde übrigens abgeblockt). Turgay Gölbasi wirkte zwar wenig später enschlossener, doch der Volleyschuß des Türken, im Anschluß an einen von den Baunatalern zu kurz abgewehrten Arnold-Eckball, wurde von Zoran Zeljko, wenn auch per Nachfassen, pariert (20.). Der ehemalige Löwen-Leistungsträger war auch auf dem Posten und nah am Pfosten, als der 36jährige Kroate einen raffinierten 18-Meter-Schuß von Michael Mason zum Eckball klärte.

Dieser wiederum hatte es dann in sich! Oft bei seinen Eckball-Hereingaben in dieser Saison gescholten, entwickelt sich auch ein Ex-Profi wie Marc Arnold noch weiter, hatte unter der Woche (siehe auch Trainer-Stimmen) fleißig und speziell geübt, um den Ball nach der ersten Löwen-Ecke von links (vorher gab´s schon drei zum Probieren von rechts) präzise auf den "kurzen Pfosten" zu zirkeln. Dort fanden sich gleich drei Löwen ohne Gegner ein, doch nicht die großgewachsenen und empor steigenden Thorsten Schönewolf und dessen Fulltime-Job-Arbeitskollege Thorsten Bauer trafen die Lederkugel, sondern der eher kleingewachsene und am Boden(!) verbliebene Julio Cesar da Rosa nickte ein! Die Nr. 9 der Löwen beteuerte im übrigen später, dass ihm der Ball nicht bloss so auf den Kopf gefallen sei und er ihn durchaus gesehen habe.

Sei´s wie es war...die längst überfällige Gäste-Führung war durch diese "Sandwich-Aktion" im Fünfmeter-Raum da. Und: sie lag in der Luft, wo sie ja denn auch besiegelt wurde. Die "Löwen-Luft-Hoheit" im gegnerischen Strafraum wurde im übrigen in diesem Derby klar belegt und Marc Arnold "belegte" weiterhin munter die Köpfe seiner Mitspieler mit Bällen aus "Standards". Diesmal fand der "Impulsgeber vom Dienst" (siehe auch Sonderlob von Baunatals Coach Ali Marzban) den aufgerückten Abwehrchef Thorsten Schönewolf, der jedoch an seinem Kapitäns-Pendant Zeljko scheiterte, der reaktionschnell per Reflex rettete (32.).
Dann versuchte sich Marc Arnold mal selbst als Torschütze, dribbelte sich, nach feiner Kombination zuvor, durch des Gegners Reihen, um per Linksschuß aus kurzer Distanz und kurz vor dem Pausenpfiff über das Tor zu zielen.

Nach der Halbzeitdauer war dann auch wieder der Ball zurück, nur Mirko Dickhaut fehlte und wurde - auch aus Vorsichtmaßnahme heraus - wegen einer Muskelverhärtung durch Goce Malinov ersetzt. Auf der Gegenseite brachte Coach Ali Marzban seinen von einer Sprunggelenkverletzung wiedergenesenen, amtierenden Baunataler Torschützenkönig Nejmeddin Daghfous (8 Treffer bisher) für den zuvor "hinter den Spitzen" agierenden "Sturmtank" Patrick Tronborg.
Die Löwen wirkten zwar zunächst in diesem auffällig fairen und von Schiedsrichter Patrick Dallmann problemlos geleiteten Derby nicht mehr so aktiv und angriffsfreudig wie vor der Pause, ohne dass die zwar nunmehr besser ins Spiel kommenden Gastgeber jedoch daraus Kapital schlugen. Es kam die Phase ohne nennenswerte Torchancen und erst nach einer Spielstunde bekam zumindest Oliver Adler einen "Arbeits-Auftrag", als der Löwen-Publikumsliebling einen 18-Meter-Flachschuß von Sergej Neubauer im Toreck gewohnt sicher klärte.

Während Ali Marzban mit der Hereinnahme von Nima Latifiahvas einen weiteren Stürmer brachte und somit die Defensive etwas lockerte, boten sich nunmehr auf der "Derby-Zielgerade" Konterchancen für die Löwen. Die produzierten auch eine wahre Welle an Kontern, doch mit teils (fahr-) läßigem Absch(l)uß! Beispiel: in der 75. Minute marschierten fünf Löwen auf drei "Drachen" - doch Daniel Beyer - in diesem Spielbericht triffts leider ihn - verpaßte die Großchance, indem er quer paßte statt selbst zu schießen.

Doch da war ja dann zumindest noch der anschließende Eckball, der vom Erfolg gekrönt wurde. Marc Arnold gab von rechts herein und für Julio Cesar da Rosa - diesmal sprang er auch - fühlte sich offensichtlich beim Gegner niemand verantwortlich und so traf der dienstälteste Löwe erstmals in einem seiner mittlerweile 96 Oberliga-Einsätze im KSV Hessen-Dress zum Kopfball-Doppelpack.

Kleine Randnotiz für Chronisten: Julios 43. Oberliga-Treffer, sein 10. Tor in dieser Saison (bei 15 Einsätzen) und...er misst übrigens 1,71 Meter und ist nicht der kleinste Löwe (Martin Wagner = 1,68m / Marc Arnold 1,69m / Pascal Groß 1,71m). Der junge Baunataler Keeper Antonio Rega, der in der 66. Minute für Zoran Zeljko (laut eigenem Bekunden Verdacht auf Muskelfaserriß) gekommen war, besaß bei diesem Kopfstoß von der Fünfmeter-Raum-Markierung im übrigen keine Abwehrchance.
Torchancen en masse hatte in der Schlußphase noch der KSV Hessen, doch sowohl der eingewechselte Martin Wagner als auch Marc Arnold (beide zuvor in anderem Zusammenhang genannt) scheiterten, wobei Arnolds Direktschuß mit links ebenso sehenswert war wie die Glanztat von Rega.
<u>
Fazit:</u> ein leistungsgerechter Erfolg und wenn die Schönewolf und Co. diese Leistung - ohne sie überzubewerten (es gab ja auch ein paar Kritik-Punkte)-im "Akkord-Monat April" (acht Spiele in vier Wochen!) stabilisieren, weiterhin konzentriert zu Werke gehen und nicht überheblich werden (wozu auch kein Grund besteht), werden die Löwen-Fans (in dieser Saison) noch viel Freude an ihnen haben.

<a href='videos/06-0401ksvb_ksvh.divx' target='_blank'>>>> HR-Spielbericht</a>


<b>TRAINERSTIMMEN:</b>

<u>Matthias Hamann (KSV Hessen):</u> "Wir waren heute die überlegene Mannschaft und sind von Anfang an engagiert und offensiv ins Spiel gegangen. Baunatal hatte uns die erste Halbzeit nicht in den Griff bekommen und wir hätten zur Pause bereits 3:0/4:0 führen können, ja müssen. Wir haben eine Woche lang gezielt Eckbälle trainiert und unser Special-Team hat dabei Erfolg gehabt. Was mir nicht gefiel waren die letzten zehn Spielminuten, in denen wir uns auf den offenen Schlagabtausch eingelassen haben. Bei einer 2:0-Führung müssen wir da cleverer sein und unsere Konter besser nutzen."

<u>Ali Marzban (KSV Baunatal):</u> "Matthias, Du hast Eckbälle mit Deiner Mannschaft trainiert und der kleinste Spieler auf dem Feld trifft per Kopf ohne zu springen. Wir haben so monatelang keine Gegentreffer bekommen. Insgesamt haben wir das Spiel und vor allem Marc Arnold nie in den Griff bekommen. Heute war Hessen Kassel eine Nummer zu groß für uns."

<b>AUFSTELLUNGEN:</b>

<u>KSV Baunatal:</u> Zeljko (66. Rega) - Steffen (69. Latifiahvas), Lichte, Oezbakir, Rudolph - Gertenbach, Tronborg (46. Daghfous), Neubauer, Ochs - Usta, Nebe. Trainer: Marzban.

<u>KSV Hessen:</u> Adler - Gölbasi, Schönewolf, Suslik, Keim - Beyer (88. Groß), Dickhaut (46. Malinov), Arnold, Mason (71. Wagner) - Bauer, Cesar da Rosa - Trainer: Hamann.

<u>Schiedsrichter:</u> Patrick Dallmann (SV Nieder-Weisel) - <u>Zuschauer:</u> 2.000

<b>Tore:</b> 0:1 Cesar da Rosa (28.), 0:2 Cesar da Rosa (76.)

<i>Herbert Pumann
KSV-Pressereferent</i>


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Aufstellung

Veröffentlicht: 01.04.2006

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 18.01.2021