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Die im Moment zu sehenden Aufstellung sind noch nicht final, sie dienen nur der schnelleren Eingabe kurz vor Spielbeginn.

Dem Franz und Sepp arg zugesetzt

STORY
Das Auestadion war in den fünfziger und sechziger Jahren Schauplatz vieler hartumkämpfter Fußball-Punkteschlachten. Es gab aber auch Begegnungen im DFB-Pokal, die sicherlich unvergesslich bleiben. Stets trat der KSV Hessen als underdog auf, als krasser Außenseiter. Und doch wuchs er einige Male über sich hinaus und sorgte für so manche Schlagzeile im deutschen Blätterwald.
Der erste ganz große Pokal-Gegner der Löwen hieß 1965 Hamburger SV. Die Hanseaten zogen die Massen in die Südstadt. Schließlich hatte die Mannschaft das Fußball-Idol jener Jahre in ihren Reihen: Uwe Seeler. Uns Uwe, Charly Dörfel, der Finne Peltonen und Co. lockten 30000 ins Stadion, das zum Bersten gefüllt war. Die begeisterten Fans brachen sogar ein Stadion-Tor auf und strömten bis ans Rasenviereck. Doch die erhoffte Überraschung blieb aus. Uwe Seeler und Charly Dörfel stellten mit ihren Treffern den 2:0-Sieg des von Trainer Georg Gawliczek betreuten Favoriten sicher.

Viel besser machten es die Hessen zwei Jahre später gegen Eintracht Frankfurt. Silvester 1966 zog der KSV dem renommierten Gast gehörig das Fell über die Ohren. Zwar kamen am letzten Tag des Jahres nur 12000 Besucher ins Auestadion, doch diese erlebten denkwürdige 90 Minuten. Die Adlerträger, gerade von einem Ostasien-Trip zurückgekehrt, nahmen die Partie wahrscheinlich auf die leichte Schulter. Zumal sie durch Huberts und Solz früh 2:0 in Führung gingen. Doch Hans Alt weckte mit seinem Tor kurz vor Halbzeit neue Lebensgeister beim KSV. Und nach der Pause fegte die von Toni Hellwig trainierte Kasseler Elf wie ein Tornado über die Eintracht, die noch fünf Treffer kassierte (Alt, Bernd Schmidt/2 und Kuddel Schaub/2) und wie ein begossener Pudel vom Platz schlich.

In der nächsten Runde, der ersten Pokal-Hauptrunde 66/67, knüpfte der KSV an die starke Frankfurter Leistung an. Diesmal gastierte kein Geringerer als der deutsche Meister von 1965, Werder Bremen, im Auestadion. 25000 erlebten eine an Dramatik kaum zu überbietende Begegnung, die trotz Verlängerung keinen Sieger sahen. Zweimal ging der KSV durch Schaub und Bernd Michel in Front, doch glichen die Norddeutschen durch Ferner und Schimeczek aus. 2:2 (1:1, 1:0) hieß es nach 120 Minuten, so dass das Rückspiel entscheiden musste. Werder gewann - erneut nach Verlängerung - durch zwei Tore von Nationalspieler Horst Höttges (Gegentreffer Rolf Fritzsche) mit 2:1.

In den folgenden drei Jahren riss der KSV im Pokal keine Bäume aus, ehe sich der Kassierer mal wieder die Hände reiben durfte. Nie zuvor in einem KSV-Pokalspiel strömten so viele Fans ins Auestadion wie an jenem Dezember-Tag 1970, als die großen Bayern ihre Visitenkarte abgaben. Obwohl der Münchner Bundesligist vor 34000 Zuschauern mit seinen Weltstars Maier, Beckenbauer und Müller antrat, knöpften die Löwen der renommierten Elf von Trainer Udo Lattek ein 2:2 nach Verlängerung ab. Adler und Maciossek schossen den KSV zweimal in Führung, die jeweils der Bomber der Nation, Gerd Müller, ausglich. Folgende Mannschaften stellten sich Schiedsrichter Schulenburg (Hannover): KSV Hessen: Birkhölzer - Kastl, Resenberg - Brück, Dittel, Habedank - Gerstner, Weiland, Maciossek, Adler, Grau FC Bayern: Maier - Hansen, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Koppenhöfer - Roth, Zobel - Schneider, Müller, Hoeneß, Brenninger. Das Rückspiel verlor der KSV mit 0:3.

Eine ähnlich große Kasse machte der KSV zehn Jahre später, als er zunächst Schalke 04 vor 15000 Besuchern mit 4:1 aus dem Rennen warf und in der zweiten Runde Fortuna Köln vor 10100 Fans durch ein Tor von Grau mit 1:0 auf die Heimreise schickte. Dann jedoch war Bundesligist VfL Bochum, der vor 13000 Besuchern im Auestadion mit 2:1 gewann, Endstation.

<img src="cms/bilddb/03-07-27pokal_ksv-werder_1991.jpg" border="0" align="left" hspace="5" vspace="1">Erneut zehn Jahre später blickte ganz Fußball-Deutschland ins Auestadion und auf den KSV Hessen. Noch nie in ihrer Vereinsgeschichte drangen die Löwen im Pokal so weit vor wie 1990/91. Sie befanden sich nach Siegen über Homburg, Kickers Stuttgart und Remscheid im erlauchten Kreis der besten Acht - und das als Amateurmannschaft! Das Los bescherte im Viertelfinale den Bundesligisten Werder Bremen ins Auestadion. Unzählige Reporter von Funk und Fernsehen gaben sich ein Stelldichein in der Kasseler Sportstätte, wo am 30.März 1991 der Gast mit dem 2:0-Sieg zeigte, dass er und nicht der KSV Herr im Hause war. Schwacher Trost für die Löwen: Die Elf um Trainer Otto Rehhagel holte sich im Finale mit einem 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen gegen den 1.FC Köln den Pokal.

<i>Von Günter Grabs / HNA-Sportredaktion, 26. 07. 03</i>

Bild1: KSV Hessen Kassel - Bayern München im Pokalspiel 1970. 2:2 im Auestadion Da schaust dumm drein: Die Bayern Koppenhöfer, Maier, Beckenbauer und Roth (von links) können dem Kopfball Maciosseks (nicht im Bild) zur KSV-Führung nur hilflos hinterherblicken (NH)

Bild2: KSV Hessen Kassel - Werder Bremen im Auestadion 1991 Foto: Friedrich Haun Grätsche: Mario Deppe versucht mit großem Einsatz Bremens Wynton Rufer zu stoppen (HAUN/NH)

Veröffentlicht: 27.07.2003

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Datum des Ausdrucks: 16.10.2019