Aufstiegstraum geplatzt

KSV Hessen - SC Waldgirmes 1:3 (0:1) Aus der Traum! Die Saison ist zwar erst acht Spieltage alt, doch das angepeilte Ziel Meisterschaft kann bei Fußball-Oberligist KSV Hessen schon abgehakt werden. Nicht allein wegen der nunmehr zehn Punkte Rückstand auf den souveränen Spitzenreiter FSV Frankfurt ist der Aufstiegstraum geplatzt. Vielmehr der spielerische Offenbarungseid beim blamablen 1:3 (0:1) gegen den SC Waldgirmes, der fatal an die vergangene Desaster-Saison erinnerte, lässt keine Hoffnungen mehr zu.

Die Waldgirmeser traten nach ihrem Trainerwechsel alles andere als wie ein Tabellenletzter im Auestadion auf. Zielstrebig, einsatzfreudig, lauf- und deckungsstark suchten die Gäste mit schnellem Konterspiel den Erfolg. Und sie wurden für ihren Mut belohnt.

Dass Schiedsrichter Finke den Gästen beim schnellen Freistoß-Führungstreffer durch Parson mit einer krassen Fehlentscheidung half, ändert nichts an deren spielerischer Überlegenheit, die sich in zwei blitzsauberen Kontertoren auch zahlenmäßig niederschlug. "Ein verdienter Sieg", bestätigte KSV-Trainer Matthias Hamann, der unterstrich: "Es lag ganz allein an uns, dass wir das Spiel vergeigt haben."

Und das Vergeigen hatte eine erschreckend hohe Anzahl von Gründen:

1. Das Fehlen der technisch versierten Spieler wie Bugri (verletzt), Cesar (gesperrt) und Dickhaut (noch Trainingsrückstand) kann nicht kompensiert werden. Das von Hamann gewünschte schnelle Kurzpassspiel wird von den Stamm- und Ergänzungsspielern nicht umgesetzt.

2. Trotz eifrigen Bemühens ist der körperlich unterlegene Latifiahvas kein Ersatz für Cesar im Angriffszentrum.

3. Erwischt der Flügelmann Beyer ("Wenn die ersten Aktionen nicht klappen, verkrampft man") einen solch rabenschwarzen Tag wie am Samstag, dann herrscht auf der rechten Seite "tote Hose".

4. Inzwischen haben alle Gegner kapiert, dass man nur Mittelfeldmotor Arnold auszuschalten braucht, um die gesamte Kreativabteilung der Löwen lahm zu legen. Das erledigte der Girmeser Frenz nicht nur aufopferungsvoll. Er fand sogar Zeit und Luft für seinen Konterspurt zum 2:0. (Wo war Arnold?)

5. Das Sorgenkind Nummer eins war und bleibt aber die Löwen-Abwehr. Sie hätte sich am Samstag mit aller Berechtigung zur Halbzeit-Präsentation der Baunataler Schwimmer dazugesellen können. So hilflos und überfordert, wie die Vierer-Kette den Konterattacken der Oberhessen gegenüberstand, das war für die Löwen-Fans unter den 1450 Zuschauern schon frustrierend. Fehlerhaftes Stellungsspiel und Antrittsschwächen (Schönewolf) eröffneten den von Parson klug gelenkten Gästestürmern Chancen auf Chancen.

Wenn sich Trainer Hamann nicht zu einer personellen Umgruppierung (Krause rein, Schönewolf oder Cihan raus) entschließt, dann sollte er die Vierer-Kette auflösen und mit Kapitän Schönewolf als echtem Libero hinter der Abwehr antreten.

"Wir haben zu pomadig und ängstlich gespielt. Dafür sind wir bestraft worden", zog Matthias Hamann seine persönliche Bilanz. Und er zeigt auch einen Weg aus der Misere auf: "Du musst immer offensiv und mit Selbstvertrauen an die Aufgabe rangehen."

Gut und schön, aber wie, um Himmels willen, soll und kann das Löwen-Team aus einer Schlappe wie dem 1:3 gegen Waldgirmes Selbstvertrauen ziehen?


<i>Rolf Wiesemann/HNA-Sportredaktion, 12.09.05</i>

Veröffentlicht: 12.09.2005

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Datum des Ausdrucks: 17.09.2019