Schwerer Schlag für die Löwen im Duell der Aufsteiger

KSV Hessen - FC Ingolstadt 04 0:5 (0:3) Das hatten sie sich sicherlich alle anders vorgestellt. Rehabilitieren wollten sich die Löwen für das 0:2 in Stuttgart, nach Möglichkeit wieder dreifach punkten. Es blieb eine Wunschvorstellung. Denn eingesteckt hat der KSV Hessen keine Punkte, dafür aber mächtig Haue vom Gegner: Mit 0:5 (0:3) unterlag die Hamann-Elf im Duell der Aufsteiger dem FC Ingolstadt 04 und musste die erste Heimniederlage seit einem Jahr hinnehmen.
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Als hätten sie den Spielverlauf schon vorher geahnt. Fünf Minuten vor Spielbeginn ging die geschlossene Löwen-Mannschaft auf die Nordtribüne zu und bedankte sich bei den treuen Fans für die gute Unterstützung der letzten Wochen. Als Zugabe schmiss jeder Akteur ein von allen Spielern unterschriebenes Aufwärmshirt in die Menge. Ein Beitrag zur guten Kommunikation zwischen Mannschaft und Fans, die nach dem Spiel umso wichtiger war.

Als hätten sie schon vorher geahnt, was sie in den folgenden 90 Minuten erwarten würde. Ein unfassbares 0:5 (0:3) gegen den bayerischen Mitaufsteiger FC Ingolstadt 04. Ein beispielloses Debakel - überhaupt das höchste der jüngeren Vereinsgeschichte. Dazu eine spielerische Offenbarung einer über weite Strecken leblosen Mannschaft. Doch wirklich überraschend schien das alles nicht gekommen zu sein. „Wir waren schon die ganze Woche über zu pomadig im Training“, meinte Matthias Hamann später. Er habe eine gewisse Zufriedenheit bei seinen Spielern ausgemacht, „deshalb habe ich die Mannschaft heute Morgen noch mal ins Gebet genommen.“ Gebracht hat es freilich nichts.

Susliks Fehlen konnte nicht kompensiert werden

Von Anfang an präsentierten sich die Löwen schwach - viel zu schwach, um die auswärtsstarken Ingolstädter gefährden zu können. Sie kamen nicht in die Zweikämpfe, vertändelten im Mittelfeld leichtfertig die Bälle. Und im Defensivverbund klaffte immer wieder eine riesige Lücke. Möglicherweise ein Abstimmungsproblem? Das Fehlen des sonst so zuverlässigen Abwehrmannes Dominik Suslik konnte jedenfalls nicht aufgefangen werden. „Es hat aber nicht alleine daran gelegen“, relativierte Hamann später, schließlich habe Ersatzmann Mario Klinger auch schon seine Klasse bewiesen. Und dennoch waren weder der Ex-Schalker noch der zuletzt so oft gelobte Schönewolf oder die beiden „Sechser“ Fießer und Busch auf der Höhe des Geschehens. Insbesondere letzterer kam zu keinem Zeitpunkt richtig ins Spiel. Vielmehr sorgte ein überflüssiger Ballverlust von Busch im Mittelfeld schon nach sechzehn Minuten für die Vorentscheidung durch Steffen Wohlfarths zweiten Treffer. Kurz zuvor hatte der bereits das 0:1 erzielt (4.). Nach einer halben Stunde setzte Markus Rosenwirth dann noch einen drauf - das 0:3 per Kopf gegen einen alleingelassenen Oliver Adler.

Praktisch zu jedem Zeitpunkt kontrollierten die Ingolstädter das Geschehen problemlos, ließen den Ball immer und immer wieder durch die eigenen Reihen zirkulieren. Ohne in größere Gefahr zu kommen, das Leder einmal zu verlieren. Und wenn die Löwen dann doch mal in Ballbesitz kamen, machten die Gäste geschickt die Räume eng, gestatteten den Löwen keine Luft mehr zum Atmen. Ganz im Gegensatz zum KSV, der den Bayern viel zu viel Platz ließ, damit diese ihre technischen Vorteile auch ja ausspielen konnten. „Wir haben heute keinen Druck auf den Ball gebracht und auch schlecht verteidigt. Es war einfach überhaupt nicht unser Tag“, gestand Hamann später ein. Selbst in der Offensive brachten die Hausherren nichts zu Wege. Nur eine einzige gute Möglichkeit im ganzen Spiel durch Beyer (45.) - das war’s auch schon.

Julio Cesar aus dem Kader gestrichen

Im zweiten Abschnitt kamen die Löwen dann gar nicht mehr in die Nähe des Gästetores - trotz der Einwechslung eines zweiten Mittelstürmers zum blassen Bauer. Vesselin Gerov kam zu seinem ersten Regionalligaeinsatz für den KSV - freilich ohne sich für einen weiteren zu empfehlen. Publikumsliebling Julio Cesar war dagegen gar nicht erst in den 18er-Kader berufen worden. „Julio ist ein Sonderfall. Er muss seine Spielweise ändern“, erklärte der Trainer. Den „rechten Biss“ habe er bei seiner Nummer neun in der vergangenen Woche vermisst, so Hamann. Insofern sei Cesar noch aus der Mannschaft gestrichen worden und musste sich das Spiel von der Tribüne aus ansehen.

Den endgültigen Genickschlag gab es schließlich nach 43 Minuten, als mit Mark Römer Ingolstadts Bester einmal mehr durchgebrochen war und von Thorsten Schönewolf kurz vor dem Sechzehner am Trikot gehalten wurde. Der Löwen-Kapitän als letzter Mann, insofern eine klare Sache - Rot! Mit zehn Mann war im zweiten Abschnitt gar nichts mehr zu machen. Dass es nach weiteren Toren von Römer in der 49. (nach katastrophalem Fehlpass im eigenen Strafraum von Fießer) und 89. Minute „nur“ 0:5 hieß, konnten die Löwen da schon als kleinen Teilerfolg verbuchen. Bedanken konnten sie sich allerdings einzig und allein bei den Ingolstädtern, die gegen Ende einige Gänge zurückschalteten und nicht mehr mit der nötigen Aggressivität zur Sache gingen, um den KSV noch viel deutlicher zu schlagen.

„Schwärzester Tag“ in Hamanns Trainerkarriere

„Wir müssen das Spiel jetzt schnellstens abhaken“, resümierte Matthias Hamann später. „Das beste heute waren unsere Fans“, so der Coach, der dennoch optimistisch nach vorne schaut. Eine ähnliche Unterstützung wie an diesem Tag brauche seine Mannschaft auch in der kommenden Woche, erklärte er. Dann nämlich steht das Hessen-Derby bei Darmstadt 98 an. Ein richtungweisendes Match. Für die Löwen, für die wohl erst an diesem Samstag der Abstiegskampf so richtig begonnen hat. Aber vor allem auch für die Darmstädter Lilien. Seit einigen Wochen befinden die sich jetzt schon in einer kleinen Dauerkrise, stehen inzwischen gar auf dem drittletzten Platz.

Es sei der schwärzeste Tag seiner noch jungen Trainerkarriere gewesen, so Matthias Hamann nach dem 0:5 gegen Ingolstadt. Sicherlich nicht nur eine schwere Niederlage für ihn, sondern auch für viele der 4.000 Zuschauer. Dennoch keine Untergangsstimmung im Auestadion, vielmehr aufmunternder Applaus von den Rängen - während und nach dem Spiel. Möglicherweise ein neues Selbstverständnis bei den Löwen? In jedem Fall ein gutes Zeichen. Eines, das auch wichtig für die Aufarbeitung ist - damit dieser „schwarze Samstag“ für lange Zeit eine Ausnahme bleibt.

Von Michael Brehme
16.09.2006


Statistik

KSV Hessen: Adler - Gölbasi, Schönewolf, Klinger, Keim - Busch, Fießer - Beyer (71. Groß), Noutsos (46. Gerov), Wagner (60. Oliev) - Bauer

Ingolstadt: Lutz - Rosenwirth, Schmidt (46. Obele), Wenczel - Sbordone - Keidel (69. Hintersberger), Horz, Schmidberger, Fink - Römer, Wohlfarth (64. Schlauderer)

Tore: 0:1 Wohlfarth (4.), 0:2 Wohlfarth (16.), 0:3 Rosenwirth (30.), 0:4 Römer (49.), 0:5 Römer (89.)

Gelbe Karten: Keim - Schmidt, Wohlfarth, Schmidberger, Sbordone

Rote Karte: Schönewolf (KSV Hessen/43.) wegen Notbremse

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart) - Zuschauer: 4.000

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Veröffentlicht: 16.09.2006

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 19.06.2019