Thomale bleibt doch

TRAINERAMT
Eigene Beweggründe zurückstellen.
Sie haben ihn überredet. Noch am Samstag war Hans-Ulrich Thomale felsenfest überzeugt, dass er sein Amt als Trainer des KSV Hessen Kassel zur Verfügung stellen würde. Gestern Morgen hat er sich dann doch anders entschieden. Die ungeheure Unterstützung aus der Mannschaft und dem Vorstand haben den 59-Jährigen zum Umdenken bewegt. "Ich habe so viel Zuspruch erhalten vor allem von den Leuten, mit denen ich eng zusammenarbeite, dass ich meine Beweggründe zurückstelle." Beweggründe, die - so betont Thomale noch einmal - nicht sportlicher, sondern persönlicher Natur waren: "Ich hatte den Entschluss schon vor der Niederlage gegen Frankfurt gefasst und hätte ihn auch nach einem 4:0-Sieg verkündet." Natürlich ist Thomale bewusst, dass er und die Mannschaft nach der überraschenden Wende vor schweren Wochen stehen können. "Ich werde weiter Kritiker haben", weiß der Trainer, sagt aber auch: "Diese Entscheidung war im Grunde nicht schwerer als die zu Jahresbeginn. Da habe ich eigentlich auch gedacht, dass ich es nicht machen kann, und es dann trotzdem gemacht."
Jens Rose vernahm die Nachricht vom Sinneswandel Thomales mit Freude. "Es ist ein anderer, steinigerer Weg. Leicht wäre es gewesen, den Rücktritt anzunehmen. Aber ich bin froh, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen", erklärt der KSV-Vorsitzende, der seine eigene Zukunft nun eng mit der des Trainers verbindet: "Wenn diese Sache schief geht, muss man auch über den Vorsitzenden reden." Im Klartext: Sollte Thomale in den nächsten Wochen scheitern, würde wohl auch Rose seinen Hut nehmen. Es war vor allem die Reaktion der Spieler, die Rose bewegt hat: "Als ich erlebt habe, wie engagiert sie um den Trainer kämpfen, musste ich das mittragen. Nun müssen wir gemeinsam die Kastanien aus dem Feuer holen." Von den ursprünglichen Zielen sind sie beim KSV allerdings längst abgerückt. "Wir reden nicht mehr über Meisterschaften", sagt Thomale, "wir müssen erst einmal wieder Boden unter die Füße kriegen.2 Und Rose ergänzt: "Das Thema Aufstieg ist für mich erledigt. Wir stehen jetzt am Scheideweg."


<i>Von Frank Ziemke

14.09.04</i>

Veröffentlicht: 14.09.2004

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Datum des Ausdrucks: 06.12.2019