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von Nordhesse_KSV » 8. Jun 2026, 21:13
Vor 100 Tagen hat Karsten Crede sein Amt als Vorstand des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel angetreten. Kurz nach seinem Start hatte der 57-Jährige gesagt, dass er einiges verändern möchte, langfristig die 3. Liga das Ziel sei. Dafür müssten vor allem nachhaltige Strukturen aufgebaut werden, ist Crede sicher. Wir ziehen mit ihm eine Bilanz: Was wurde schon angestoßen? Was steht auf dem Plan? Und was sagt er zur lauten Trennung von Lukas Rupp und Yannick Stark, die vor allem ihm viel Kritik eingebracht hat?
Karsten Crede über ...
... das, was er bislang beim KSV gemacht hat: „Ich habe mir erst mal systematisch alles angeschaut – aufgesetzt auf die vergangenen zwei Jahre. Ich habe Meinungen eingeholt und sortiert. Was ich sagen kann: Der Vorstand mit Florian Beisheim, Daniel Bettermann und mir arbeitet zusammen mit dem Aufsichtsrat sehr gründlich und intensiv an Lösungen zur Weiterentwicklung des Vereins. Was mir insgesamt positiv aufgefallen ist: Der KSV hat eine ganze Reihe an Menschen, die ehrenamtlich sehr hart arbeiten. Aber es gibt im Ehrenamt auch Grenzen des Möglichen. Und klar ist: Auf der finanziellen Seite gibt es bei uns den größten Handlungsbedarf.“
... das sportliche Abschneiden: „Wir hatten im Winter die klare Zielsetzung, Platz sechs bis sieben zu erreichen. Das ist uns auch gelungen. Der Aufstieg der zweiten Mannschaft ist strategisch sehr wichtig. Nach dem Aufstieg von Paderborn in die Bundesliga ist es für uns umso notwendiger, für junge Spieler attraktiv zu sein. Insgesamt gibt es in der sportlichen Entwicklung Licht – aber auch Schatten. Die Spielkultur, die Struktur, die Ruhe auf dem Platz, da sind wir besser geworden – müssen aber auch weiter daran arbeiten. Ich finde aber, dass der Übergang von Sören Gonther auf Tobias Damm, René Klingbeil und Mirko Dickhaut in der sportlichen Führung gut geklappt hat. Meine Meinung ist: Wir waren zu häufig in entscheidenden Situationen nicht da. Da haben wir Punkte liegengelassen, sind aus dem Hessenpokal ausgeschieden. Da wollen und müssen wir ansetzen. Der Kader hat Potenzial. Aber er kommt, so wie er war, an seine Grenzen. Uns fehlen die letzten zehn bis 15 Prozent, um Siege auch mal zu erzwingen. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und sagen: Es ist alles super gelaufen.“
... die Altersstruktur der ersten Mannschaft: „Wir hatten in der vergangenen Saison eine Reihe von Spielern zwischen 33 und 36 Jahren. Unser Ziel ist es, eine gute Mischung aus hungrigen, jungen Spielern und erfahrenen Ex-Profis zu finden. Ich bin der Meinung: Nicht nur einer oder zwei Spieler machen den Unterschied – die Mischung ist insgesamt viel wichtiger. Mit dem Grundgerüst haben wir die Verträge bereits verlängert. Die Kunst von Trainer René Klingbeil und Sportdirektor Tobias Damm wird nun sein, die letzten Prozente herauszukitzeln.“
... die Aufregung nach der Trennung von Lukas Rupp und Yannick Stark: „Wir haben in den vergangenen Jahren alle Chips auf eine Karte gesetzt. Diese Karte war die erste Mannschaft. Dabei haben wir zu viel ausgegeben. Der Durchbruch nach oben ist aber nicht gelungen. Wir müssen mehr in den Strukturaufbau investieren und dafür unsere Partner begeistern. Wir hatten auch teilweise einen zu hohen Willkürfaktor bei Sponsoren. Uns hat eine Menge Geld gefehlt. Jetzt haben wir daran gearbeitet, nachhaltiger zu finanzieren, und mussten in der Kürze der Zeit eine Lücke schließen. Dadurch hatten wir nicht die Möglichkeiten, das System der vergangenen Jahre weiterzuführen. Das ist der Hintergrund. Wir stellen keine ungedeckten Schecks aus. Die Struktur, die wir jetzt aufbauen, ist deutlich stabiler. Wir wollen der Mannschaft ein Gesicht geben, aber wenn es notwendig ist, werden wir auch harte Entscheidungen treffen. Ich habe da die Rolle desjenigen, der die unangenehmen Sachen verkünden muss. Die Interessen des Vereins stehen für mich aber immer an erster Stelle. Zu Lukas Rupp kann ich nur so viel sagen: Finanziell ist nach der Bekanntgabe der Trennung eine positive Entwicklung eingetreten. Daher eröffnen sich für unsere Kaderplanung auch noch mal weitere Spielräume.“
... das Thema Finanzen des KSV: „Wir optimieren gerade jeden Quadratzentimeter des Vereins – auch wenn Fußball manchmal unkalkulierbar ist. Auf Kante genähte Finanzen nerven mich. Wir brauchen einen Puffer. Die guten Vereine haben einen Puffer. Wir brauchen strategische Investoren als Sponsoren. Wir müssen die lokale Wirtschaft noch mehr mobilisieren. Das jetzt reicht noch nicht für einen Aufstieg in die 3. Liga.“
... die Geschäftsstelle: „Derzeit führen Florian Beisheim und ich die Geschäftsstelle gemeinsam. Das hat auch den Hintergrund, dass wir so Kosten reduzieren. Es hilft uns natürlich, dass mit Julia Steinfatt eine ganz erfahrene Mitarbeiterin zu uns zurückgekehrt ist. Ich muss sagen, ich habe Spaß daran. Und wir haben schöne Projekte, das Schalke-Spiel zum Beispiel. Das ist mittlerweile so gut wie ausverkauft.“
... weitere Veränderungen: „Es gibt eine ganz konkrete Idee: Wir wollen die Lounge-Kapazitäten im Auestadion Richtung Norden erweitern. Damit wollen wir Geld verdienen. Wir schaffen Platz, der Service wird besser. Das ist vom Genehmigungsverfahren der Stadt abhängig, ob und wie schnell wir da anfangen können. Wir wollen kluge Investitionen tätigen – nicht nur in Beine, sondern auch in Infrastruktur, um nachhaltig zu wachsen. Und wir werden auch in den Gremien, konkreter im Aufsichtsrat, etwas verändern, wir werden weitere erfahrene Personen aus der Wirtschaft dazugewinnen. Insgesamt muss ich sagen: Der Versuch, den wir gerade unternehmen, um den Verein endlich weiter nach oben zu bringen, ist sehr strukturiert und sicher der ernsthafteste, der je unternommen wurde.“