Die aufgebauten Fronten sind jedenfalls nicht dienlich im Blick auf die JHV, nicht nur trotz, sondern gerade wegen jüngster Ereignisse. Nach Stimmungslage der Mitglieder soll der Vorstand in dieser Form die Geschicke nicht mehr leiten, offenbar kann er es auch gar nicht - was sich eben immer wieder rund über die Personalie UW zeigt, der jetzt scheinbar irgendwie versucht, an allen Ecken und Enden was umzureißen, weil er das auch so sieht. Dass er damit dem Vorstand, der Vereinsführung damit zusätzlich den Boden untergräbt ist leicht zu interpretieren, allerdings wird man sich dort hüten gegen einen populären Trainer mit ansprechender sportlicher Bilanz, gerade im Wissen der eigenen Darstellung und entstehender Mehrkosten, vorzugehen.
Der Absatz nun für diejenigen, die sich nicht an einem akademischen Tonfall stören: Mich erinnert alles hier mehr als deutlich an meine Vorlesungsreihen zum Begriff
Anomie, als ich in Netzwerktheorie eingestiegen bin. Klingt banal, ist banal. Lernt man vielleicht auch mal wieder ein schlaues Wort. :roll: :wink: Hier entsteht auf einen Schlag ein Machtvakuum, was sich ohnehin schwer korrigieren lässt. Gleichzeitig sind diejenigen, die es zu füllen haben, nicht mit dem nötigen Vertrauen bestückt - gut möglich, dass sich dabei gleich ein größerer Umkreis aufmacht und das Konstrukt als Ganzes mehr oder weniger implodiert. Wie in der Chemie eine eigentliche Kettenreaktion eben beginnt, wie in Schadensmodellen bestimmte Bruchpunkte überschritten werden, an denen binnen kurzer Momente alles zusammensackt.
Panik ist ein schlechter Ratgeber, zugegeben. Es gibt Chancen für den Verein als Ganzes, aber bei all meinen Überlegungen passen sowohl Wolf, als auch die Vereinsführung da alle nicht hinein. Kontinuität zu fordern ist der richtige Begriff, aber ich muss keinen Bauplan machen, wenn ich keine Baugenehmigung bekomme. Kontinuität ist der richtige Begriff, aber diese darf nicht mit einer ellenlangen Liste beginnen, was alles noch zu verbessern ist. Es muss einen guten, einen geradlinigen Anfang haben. Dass VW das nicht unbedingt mitgehen will ist für mich verständlich, stört mich aber auch offen gesagt nicht großartig. Da sind beileibe Profis am Werk, aber auch die haben offenbar keinen ausreichenden Durchblick gewinnen können, ihre Position nicht ausreichend geltend machen können. Kein Vorwurf, kein Mitleid.
Ein mustergültiger Clusterfuck, sozusagen. Jeder Schritt in eine Richtung muss jetzt weiter gehen als der Umkreis des Kraters, der auf der JHV gerissen werden wird. Da muss man sich keine Illusion machen, das wird passieren. Die Reihen lichten sich, wer zu solchen Dingen auch nur theoretisch in der Lage sein könnte. Ich sehe tatsächlich, in einiger Naivität, nur eine Lösung mit Dickaut als sportlichem Leiter, guten Vorschlägen für die zwei (wohl eher drei) anderen ausfallenden Vorstandspositionen und der Ausgabe eines Konsolidierungsjahrs, bei dem ein Sponsorenkontingent zu allenfalls leicht verringerten Konditionen mitzieht - und bei alledem gerne noch UW überreden, den Spaß mitzumachen. Alle Punkte in absteigender Wahrscheinlichkeit angeordnet, und selbst Punkt eins wackelt in meinem Kopf gehörig, weil auch die Lösung nicht gerade probemfrei ist.
So, ab jetzt kann man mich nur noch positiv überraschen, schätze ich. Entgegen meiner Gewohnheiten nehme ich die HNA da gerne mal ein bisschen in Schutz - es ist schwer etwas zu so einem Thema etwas zu schreiben, wenn man keine klare Zuweisung damit machen kann oder sagen wir mal soll. Zumindest, wenn man das eigentliche journalistische Arbeiten nicht mehr so gewohnt ist und fairerweise gesagt auch nicht allzu oft gefordert wird. Ich mag bei Hagemanns Artikeln die ein bis zwei Halbsätze, die einen so schönen doppelten Boden haben, den er selbst wahrscheinlich nicht bemerkt. So auch hier.