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von KSV-Jens » 13. Dez 2006, 17:55
Zu Ahlen - Düsseldorf noch ein Zeitungsartikel:
Fortuna Düsseldorf: Randale hat einNachspiel
Wenn Fortuna weiter hohe Strafen für das Benehmen ihrer Fans bezahlen muss, könnte das Geld für einen neuen Stürmer fehlen.
Düsseldorf. Wenn Paul Jäger an die Fans der Fortuna denkt, ist er hin- und hergerissen. Zum einen freut sich der Geschäftsführer über klingelnde Kassen bei Spielen wie gegen St. Pauli. Unter dem Motto "Fortuna-Fans kaufen Stürmer" waren fast 25 000 Zuschauer in der Arena.
"In der Vielzahl sind es gute Fans", so Jäger. Zum anderen muss er befürchten, dass der zusätzliche Gewinn auch in dieser Saison wieder für Geldstrafen verpufft und der Stürmer, der in der Winterpause geholt werden soll, anders finanziert werden muss. In der vergangenen Saison waren über 35 000 Euro fällig, unter anderem wegen des Abbrennens von Rauchpulver und bengalischen Feuern.
Das übliche Bild in Ahlen: Fast 3000 Anhänger der Düsseldorfer unterstützten die Mannschaft im Wersestadion. "Das war wie bei einem Heimspiel", sagte Abwehrspieler Jens Langeneke, "umso bitterer, dass wir 1:4 verloren haben." Das alleine wäre nicht so schlimm, sportlich lässt sich das ausbügeln. Doch die Fans aus der Landeshauptstadt benahmen sich wieder einmal daneben.
Während der Partie rissen einige "Fans" den Zaun ein, zweimal hüllte Rauchpulver den Block ein. Zunächst sollten die Ordner die Dinge regeln vergeblich. Mit Kameras und Fernglas hatte die Einsatzleitung die Übeltäter erkannt. Daraufhin marschierte ein gutes Dutzend Polizisten unten in den Block. "Wir wollten Flagge zeigen und die Täter da rausholen", sagte Einsatzleiter Frank Schulz. Eine fatale Entscheidung, findet auch Geschäftsführer Jäger: "Es gab keinen Grund, da reinzugehen."
Aus den oberen Reihen flogen volle Bierbecher, und die Fans in den unteren Reihen wurden auf die Polizisten geschubst. Aus dem Gerangel entstand eine massive Schlägerei, in deren Folge auch Minderjährige und Frauen Reizgas und Tritte abbekommen haben sollen. "Der Einsatzleiter hat nicht auf unseren Rat gehört, sondern einfach nur die harte Schiene durchgezogen", sagt Jörg Emgenbroich, einer von zwei Fan-Beauftragten der Fortuna.
Während des Spiels habe er einen der vermeintlichen Zaun-Zerstörer bewogen, sich selbst zu stellen. Und auch die bei Auswärtsspielen mitfahrenden Düsseldorfer Beamten hätten empfohlen, es so zu regeln. Doch der Einsatzleiter sei Emgenbroichs Rat nicht gefolgt und ließ die Einsatzkräfte aufmarschieren.
Dagmar Starke, Vorsitzende des Supporters Club Düsseldorf, in dem wie im Arbeitskreis Fan-Arbeit rund 400 Fans organisiert sind, gibt in einer offiziellen Erklärung der Polizei die Schuld an der Auseinandersetzung. "Es geht um die Art und Weise: In voller Montur reinzugehen signalisiert, dass man Gewalt erwartet und zu Gegengewalt bereit ist."
Fünf Strafanzeigen gegen Fortuna-Fans
Gerne sähen sich die Fortuna-Fans als Unschuldslämmer. Fakt ist aber: Das Bild vom Wildschwein-Rudel passt besser. Ist es satt durch einen Sieg und nach einigen Stunden Anfahrt in Zug oder Bus betrunken, wird friedlich gegrast. Ist es hungrig und enttäuscht, werden schon mal Tankstellen geplündert oder Busse beschädigt (zuletzt in Mönchengladbach), Vorgärten verwüstet und Schlägereien angezettelt.
Reserve-Teams verlegen ihre Heimspiele gegen die Fortuna auch deshalb in die großen Stadien, weil sie sich um die Sicherheit sorgen. Die Mehreinnahmen, die die Fortuna-Fans bringen, fressen ohnehin die Betriebskosten der Stadien auf. Leidtragende sind auch die Anwohner in Städten wie Ahlen, die zwischen Stadion und Bahnhof wohnen.
Auf dem Rückweg am Samstag sei noch ein Anhänger umgekippt worden, so Einsatzleiter Schulz. Die fünf Strafanzeigen gegen Fortuna-Fans lauten auf Beleidigung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch. Dass Sachbeschädigung und Gewalt nicht toleriert werden können, darin sind sich alle einig.
Jäger: "In Ahlen sind sicher auf beiden Seiten Fehler gemacht worden. Aber es wäre schön, wenn die Idioten, die den Schaden anrichten, auch zur Rechenschaft gezogen werden." Denn Familien und Kinder locken solche Aussichten sicher nicht in die Arena, und dann werden die Kassen in Zukunft viel leiser klingeln.
(Quelle: Westdeutsche Zeitung vom 12.12.06 Von Matthias Goergens)