Perspektive Saison 2017/18

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Moderator: Eckart Lukarsch

Viervierzwei
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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von Viervierzwei » 26. Nov 2017, 15:12

Wenn der KSV am Ende der Saison absteigt, dann nicht, weil er gegen den souveränen Tabellenführer aus Saarbrücken trotz großen Kampfes in der letzten Minute der Nachspielzeit unglücklich verloren hat, sondern weil es seit 13 Spielen keinen Sieg mehr gab, egal wer der Gegner war.

Das nächste Auswärtsspiel in Stuttgart ist so etwas wie der letzte Strohhalm. Ein Sieg in Stuttgart und ein Punkt gegen Offenbach lassen zumindest für die Zeit nach der Winterpause noch hoffen. Es muss jetzt einfach mal gelingen, in den wichtigen Spielen gegen machbare Gegner Topleistungen zu zeigen. Das war bisher nicht der Fall. Stuttgart wird sich sicherlich nicht nur hinten rein stellen, vielleicht hilft das der Mannschaft etwas.

Schnurz
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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von Schnurz » 26. Nov 2017, 16:13

Wenn der KSV absteigt, dann liegt es daran, dass sich der KSV in den zurückliegenden Jahren oder sagen wir in dem zurückliegenden Jahrzehnt zu keiner Zeit so professionell aufstellte, wie es für die Schwere der Aufgabe nötig gewesen wäre.

Ein derartiges Herangehen, dass allen Vorsitzenden fremd war und ist(!), hat(te) wohl seine Gründe.

Waren es Aspekte fehlender visionärer Strahlkraft oder die Ängste davor, Gestaltungskompetenzen zu delegieren oder einfach nur die persönlichen Beschränktheit(en) zu glauben, quasi in der Freizeit reibungsfrei und effizient einen mittelständischen Betrieb mit im Maximum knapp 3Mio.€ Umsatz und über 40 Angestellten zusätzlich zu führen und - was noch viel wichtiger ist - gestalten und entwickeln zu können?

Die einzige "etwas andere" Epoche - Stichwort Lepore - wurde mutmaßlich dem Diktat des Minimalprinzips untergeordnet. Von der höchst-dilettantischen Abramczikphase und dem Irrsinn, die eigenen Jagdgründe auf dem Tablett zu servieren ("Gibbs"), rede ich gar nicht. Unter dem Strich bleibt damit die Erkenntnis, dass die strukturellen Rahmenbedingungen nie zweit- oder drittklassig waren, im Gegensatz zum Potential des Marktumfelds.

Menschlich kann ich diese falschen Weichenstellungen durchaus nachvollziehen, da die Führung stets eigene Mittel in erheblichem Umfang zuschoss und deshalb immer darauf aus war, die Zügel in der Hand zu behalten. Nun denn.

Daneben existierten KSV-Kader, deren Potentiale häufig sehr ordentlich waren, es aber eben nicht reichte. Warum auch immer. Pech oder Unvermögen gehörten stets mit dazu.

Gegenwärtig reicht es offensichtlich nicht. Vermutlich wurden unsere aktuellen Diskussionen - Stichworte unglückliche Niederlage, das Potential ist da, das war knapp etc. - in der gleichen Form auch in Trier und Pirmasens geführt.

Wenn dem nicht so wäre, dann wären die zu teuren Kaderzusammenstellungen der Vergangenheit ja komplett überflüssig gewesen. Ein schwacher Trost wenigsten.

Merke: Historisch waren wir nicht in der Lage, konkurrenzfähige Mannschaft zu finanzieren. Heute finanzieren wir eine nicht-konkurrenzfähige Mannschaft, wobei selbst die aktuelle Finanzierung nicht steht. Was soll man da noch sagen?

Frohes neues Jahr!

esteban
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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von esteban » 27. Nov 2017, 01:40

Soweit alles richtig.
Die äußeren Rahmenbedingungen dieser Liga haben sich allerdings in dieser Zeit ebenfalls dramatisch verschlechtert.
Das sollte man nicht unerwähnt lassen.

Die Liga wurde bis zur Unfinanzierbarkeit totreformiert und on top hat der eigene Haus- und Hofsponsor zwar hohe Zielvorgaben gesetzt, diese aber leider nicht entsprechend finanziell unterfüttert.
Hätte er ja 'mal machen können - die Kopplung von zusätzlichen Geldmitteln an zwei Vollzeitstellen für je einen hauptamtlichen Geschaftsführer und Sportdirektor zur strukturellen Weiterentwicklung des Vereins.
Hat er aber nicht, sondern sich lieber selbst seine eigene Krise gebastelt ...

Das ist in der Retrospektive auch nicht so das Gelbe vom Ei gewesen.

Schnurz
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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von Schnurz » 27. Nov 2017, 12:07

Dem Hauptsponsor der Vergangenheit jedoch die Verantwortung dafür in die Schuhe zu schieben, dass die eigenen Strukturen so amateurhaft waren und sind, ist allerdings schon eine sehr exklusive Weltsicht.

Oder anders, sie ist das, was wir sind bzw. wie wir auf Dritte wirken: provinziell, amateurhaft und "ganz nett". Ein vernichtenderes Urteil werden Global Player wohl kaum formulieren (können).

Drehen wir die Argumentation einfach mal um, deine steht nämlich auf dem Kopf, Esteban. Ein Investor erwartet in einer unsicheren Situation Rahmenbedingungen, die einen erfolgreichen ROI versprechen. Ohne professionalisierte Strukturen bekommen sie den aber nicht und folglich sind sie auch nicht bereit, weiter zu gehen. Dass damit auch die Flut weiterer Mittelständler ausbleibt und sie stattdessen die Sportart wechseln, da die Alternative nun einmal da ist, also zum Handball abwandern oder eben den Verlockungen eines Gibbs folgen, auch wenn die Halle von vorgestern ist, spricht Bände.

Gäbe es eine Multihalle in Kassel für beide Vereine, wäre der KSV schon längst tot, solang er so auftritt wie er es tat oder noch tut. Aber die Stadt ist gottlob natürlich auch das Spiegelbild der Provinzialität. So kann man in all dem Schlechten auch etwas Gutes sehen.

Natürlich sind in der Zwischenzeit die reformierten Rahmenbedingungen noch zusätzlich schlechter geworden: Fernsehgelder fließen nicht mehr, die Berufsgenossenschaften langen enorm zu und die Fünfzügigkeit der RL war und ist der Wahnsinn schlechthin. Die Botschaft der "Meister muss aufsteigen" jedoch mit dem Verlust der Relegationsmöglichkeit des Staffelzweiten zu verbinden, ist allerdings der nächste Sargnagel für eine unabsehbare Anzahl von Vereinen im Kampf um die Spitze, da sie sich finanziell übernehmen (müssen).

Nur solang die Aussicht auf den Aufstieg da ist, lassen sich Zuschauer in nennenswertem Umfang überhaupt noch fesseln. Allerdings ertappe ich mich gerade dabei, dass ich natürlich auch nicht zur Kenntnis nehmen will, dass wir im 21. Jahrhundert leben und Zuschauereinnahmen für einen Verein bestenfalls noch tertiäre Bedeutung haben. Egal, zumindest hier könnte man von den italienenischen Verbandsfunktionären lernen. Vielleicht gibt es dort die vielen Playoffmöglichkeiten allerdings auch nur, um die Vertreter der Wettmafia zu bedienen - ich weiß es nicht.

Ich weiß, dass die Professionalisierung zugleich dazu dient, den Tanz mit dem ökonomischen Teufel zu eröffnen, aber was will man machen? Es geht nur so oder gar nicht. Leider.

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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von esteban » 27. Nov 2017, 16:10

Ach, so weit auseinander sind wir gar nicht.
Danke, daß Du mir eine exklusive Weltsicht attestierst.
Du selbst kokettierst ja auch damit (im Spieltagsthread) :wink: .

VW hat nicht nur vergleichsweise wenig gezahlt, sondern auch über Jahre irgendwelche intransparenten Masterpläne vorgegeben und immer musste man um die Weiterführung des Sponsorings bangen - bisweilen sogar bis in die Sommervorbereitung hinein.
Das hat, denke ich, viele genervt und nicht gerade eben zu einer ruhigen kontinuierlichen Vereinsentwicklung beigetragen.

Da wir hier eigentlich über Perspektiven für die laufende Saison sprechen wollen, würdest Du denn d'accord gehen, wenn man sich aus wirtschaftlicher Sicht mit aller Kraft auf das Erreichen des DFB-Pokals konzentriert?
Das ist nur einen hauchdünnen Schritt entfernt - wenn uns Mink nicht einen Strich durch die Rechnung macht und im Halbfinale Wehen rausschmeisst.

Die Liga zu halten oder nicht, ist aus meiner Sicht inzwischen eine sportpsychologische Frage. Wenn man die letzten beiden Spiele betrachtet,
gab es doch einiges, was wieder Hoffnung aufkommen lässt.
Zumindest scheinen diese absoluten Leistungstäler wie gegen den FSV oder Worms durchschritten.

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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von Schnurz » 27. Nov 2017, 16:23

Da bin ich absolut bei dir, sofern es noch einen KSV in der Spielzeit 18/19 gibt. Diesen depressiven Kick bin ich mir ja schon selbst schuldig, schließlich habe ich ja einen Kassandraruf zu verteidigen...

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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von Gonzo » 28. Nov 2017, 12:02

Davon, dass es auch 18/19 einen KSV geben wird, gehe ich mal aus. Die Frage ist aber: In welchem Umfang kann und wird sich die Region "besseren" Fußball leisten wollen. Und damit meine ich nicht nur Zuschauer und Sponsoren, sondern auch eine personelle Verstärkung in den Gremien.

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, würde ich es persönlich als sinnvoll erachten, Sicherheit in der Trainerfrage zu erhalten. Das ist man Mannschaft, Sponsoren und Fans schuldig. Und die Antwort kann eigentlich nur heißen: Cramer, bitte plane zweigleisig, wir gehen mit Dir in die Hessenliga, falls wir das Ruder in dieser Runde nicht mehr 'rumreißen können. Einfach mal auf beide Szenarien vorbereitet zu sein, einen fertigen, vernünftigen und unaufgeregten Plan B in der Tasche zu haben, wäre irgendwie eine ganz neue Perspektive innerhalb des Vereins.
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Re: Perspektive Saison 2017/18

Beitrag von westlöwe » 28. Nov 2017, 13:21

Sehe ich ganz genauso !!!!!

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