Brichst Du auf gen Ithaka wünsch Dir eine lange Fahrt ...
jaja, ganz Recht ... und die hatte ich auch. Frohgelaunt gestartet gegen 8 in Baunatal, wollte ich mich flugs per Motorrad dem "Event-Point" am Katzensprung nähern. Das gelang zunächst auch ganz gut, ... jedenfalls bis zur Ecke Frankfurterstraße-Fünffensterstraße am CineStar-Kino-Palast.
... den Lästrygonen und Zyklopen, dem wütenten Poseidon wirst Du nicht begegnen ...
Stimmt! Den zornigen Wüterich mit dem Dreizack hab ich nicht gesehen, dafür aber hektisch winkende, in schmucke Warnwesten gewandete Hiwis, Umleitungs- und Sackgassenschilder, Absperbänder und Hütchen, jene subtilen Verkehrlenkungshilfmittel, die das optische Highlite mancher Kellerbar darstellen.
Steinweg runter? ... Keinesfalls! Querallee hoch? Nö ... gesperrt! Aber dann wenigstens Heßbergstraße/Teichstraße Richtung Wolfhager? Hahaha ... der Totlacher schlechthin. Kassels mächtige Hauptverkehrsadern werden zu diesem Zeitpunkt von einer Handvoll Skatern bevölkert ... da ist kein Platz mehr für ein Motorrad. Ich lockerte den Kinnriemen. Der geschwollenen Zornesader Tribut zollen, ihr einfach mehr Platz verschaffen.
Mittlerweile hatte ich den hinterhältigen, verkehrtechnischen Masterplan des heutigen Sonntags durchblickt. Eine Zonengrenze ... mitten durch Kassel. Einmal Komplettsperrung von Osten nach Westen.
... doch beeile nur nicht Deine Reise, besser ist sie dauere viele Jahre ...
Das war exakt meine Befürchtung zu diesem Zeitpunkt.Aber noch gab ich mich nicht geschlagen. Ich betrat Neuland. Als Columbus aus Baunatal befuhr ich Wege, die ich nie vorher sah. Wald mitten in der Stadt, verlassene Ecken, vorbei an einem Bunker in Penisform (...Sachen gibt's im "Frasenweg" ...

) bis hin zum "Nordend", was für mich gleichbedeutend mit dem Ende der Welt war.
Und dann: Laaaaand in Sicht! Plötzlich war ich auf der Holländischen Straße. Neue Hoffnung keimte auf. Ich fuhr stadteinwärts. Etliche Straßensperren später dann das gelobte Land: Der "Event-Point", die Esso-Tankstelle am Katzensprung!. Ich sah alles vor mir, eine fleißig geschwenkte rot-weiße Fahne, eine Band auf einem Anhänger, die immer noch Soundcheck machte, viele Schaulustige - ich war so nah und doch so fern. Auf meiner Straßenseite konnte ich nicht parken, zur Tankstelle zu gelangen schier unmöglich ... Das war's!
... und alt geworden lege auf der Insel an ...
Das war mir also nicht gegönnt. Ich fahre die Kurt-Woltersstraße weiter entlang und plötzlich kommen sie mir entgegen, die dünnbeinigen Helden des Ausdauersports. Ganze Heerscharen an bunten Läufern passieren mich im verschärften Galopp. Wirklich beeindruckend, was da alles auf der Straße war. Am Straßenrand Volsfestatmosphäre pur. Trommler, Versorgungsstationen, Schaulustige und Anfeuerungsrufe aus allen Winkeln und Ecken.
Mein Ziel hatte ich nicht erreicht, aber gesehen habe ich doch vieles. Und ich muß zugeben, daß ich beeindruckt bin.
Rastlose Grüße von Ecki
