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Biertrinker
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Beitrag von Biertrinker » 31. Mär 2003, 20:39

Freudenstein neuer KSV-Coach



KASSEL. Der KSV Hessen Kassel wird die letzten neun Punktspiele in der Fußball-Oberliga Hessen mit einem neuen Trainer bestreiten. Gestern Mittag gab der Tabellenzweite die sofortige Trennung von Oliver Roggensack bekannt. Dessen Aufgabe als Trainer übernahm bereits gestern der ehemalige KSV-Ligaspieler Thomas Freudenstein. Als Berater wird ihm der ehemalige Vereinsvorsitzende Holger Brück zur Seite stehen.


„Die Entscheidung zur Trennung von Roggensack ist uns wirklich sehr schwer gefallen, denn eigentlich hat die Mannschaft den Trainer auf dem Gewissen“, erklärte KSV-Klubchef Jens Rose den gemeinsam von Vorstand und Aufsichtsrat gefassten Entschluss. Den Ausschlag für die Entlassung des 38-jährigen Westfalen gab, so Rose: „Dass wir den Eindruck haben, er konnte die Mannschaft zuletzt nicht mehr richtig motivieren.“

Die Entscheidung, die Führungsaufgabe der zuletzt desolat auftretenden Löwen-Truppe bis zum Saisonende dem Ex-Spieler Thomas Freudenstein zu übertragen, ist eine echte Überraschung. „Thomas Freudenstein war ein Publikumsliebling, und er ist eine echte Integrationsfigur für den Verein. Daher trauen wir ihm auch diese Aufgabe im Zusammenspiel mit Holger Brück zu“, begründete Rose die Neubesetzung des Trainerstuhls.

Eine heikle Aufgabe für den 41-jährigen Freudenstein, der mit seinem Engagement absolutes Neuland betritt. „Ich habe zwar unter etlichen Trainern gespielt, habe aber keinerlei Erfahrung als Trainer“, gab der aus Maden stammende Ex-Profi in einem Gesprach gegenüber unserer Zeitung zu. Befürchtungen, unter dem Druck der Verantwortung zu versagen, hat er nicht. „Ich traue mir durchaus zu, eine Mannschaft zu führen. Und dass mir dabei Holger Brück zur Seite steht, macht die ganze Sache natürlich um vieles leichter“, erklärte der ehemalige Mannschaftskapitän, der bis zum Mai 2001 selbst noch das Löwen-Trikot in der Bezirksoberliga getragen hatte.

Erst in der vergangenen Woche kam Thomas Freudenstein von einem 17-monatigen Asien-Trip zurück nach Nordhessen. „Daher bin ich gut erholt. Wenn ich mich nicht stark genug fühlen würde, dann hätte ich auch Nein gesagt“, sagte der neue Löwen-Coach nach Annahme der KSV-Offerte.

Eine Lösung für das sportliche Dilemma der KSV-Elf hatte er gestern verständlicherweise noch nicht parat. Freudenstein: „Ich besitze aber noch den nötigen Background im Verein. Deshalb habe ich in den vergangenen Tagen so viel gehört, dass mir die Ohren klingeln“. Aber auf eine Sache legt sich der neue sportliche Leiter bereits fest: „Für das kommende Spiel in Erzhausen wird es auf den Positionen sicherlich personelle Umstellungen geben.“

Das könnte dann auch Andreas Mayer betreffen, der gestern vom Trainerwechsel überrascht wurde. „Es ist ein Schock, das zu hören. Ich hätte mit Trainer Roggensack gerne die Serie zu Ende gespielt“, meinte der KSV-Kapitän. Dabei betonte Mayer nochmals, „dass wir als Mannschaft den Trainer abgesägt haben. Es war und ist unsere Schuld, die wir eigentlich wieder ausbügeln wollten.“ Zum Nachfolger selbst wollte sich Mayer gestern nicht äußern, „weil ich Thomas Freudenstein überhaupt nicht kenne“. Dass sich mit dem Führungswechsel der Druck auf die Mannschaft erhöhen wird, glaubt der Mannschaftsführer nicht. „In der Pflicht standen wir schon seit langem. Wir müssen jetzt sehen, dass wir uns rasch an einen Tisch setzen, um die Vielzahl kleiner Probleme auszuräumen, um wieder zu einer echten Mannschaft zusammenzuwachsen.“

„Stimmtmichbedenklich“



KASSEL. Seit Dezember 2001 war Oliver Roggensack Cheftrainer des KSV Hessen. Gestern wurde der 38-jährige Westfale entlassen. Wir sprachen mit dem Ex-Coach des Oberliga-Zweiten.









Herr Roggensack, fühlen Sie sich jetzt verraten und verkauft?

Roggensack: Das Ganze ist schon eine Riesenenttäuschung für mich. Ich habe in Kassel eine ordentliche Arbeit abgeliefert. Bin mit der Mannschaft aufgestiegen und habe sie in die Oberliga-Spitze gebracht.



Haben Sie die Brisanz des sportlichen Niedergangs unterschätzt? Vielleicht sogar selbst Fehler gemacht?

Roggensack: Ursachen und Gründe gibt es sicherlich viele. Über die haben sich zuletzt so viele andere Leute die Köpfe zerbrochen, dazu will ich jetzt nichts mehr sagen.



Scheiden Sie jetzt im Zorn aus Kassel und von Ihren Spielern?

Roggensack: Ich muss das Ganze erst einmal sacken lassen. Ich hatte in Kassel so schöne Stunden, aber wenn man nach zwei Niederlagen seinen Hut nehmen muss, dann stimmt mich das bedenklich. (WIE)

Fast alleverlieren



Bei diesem Trainerrausschmiss verlieren fast alle. Der geschasste Oliver Roggensack, weil er gescheitert ist. Die Löwen-Spieler, weil sie unter Druck versagt haben. Und auch die Kasseler Vereinsführung, die mit ihrem vollmundig erklärten Aufstiegsziel Schiffbruch erlitten hat.


Der Schock, die greifbar nahe Meisterschaft in zwei Spielen verschenkt zu haben, sitzt tief. Mit der Hauptgrund für die schnelle Trennung vom Trainer. Was bleibt, ist ein großer Scherbenhaufen an zerbrochenen Ideen, Idealen und Visionen. Gut, dass er jetzt schnell zusammengekehrt wurde.

Der KSV Hessen ist damit aber nicht am Ende. Er steht vor einem Neubeginn - mit unbestimmtem Ausgang. Genauso wie der Roggensack-Nachfolger Thomas Freudenstein. Lobenswert sein Mut, das heiße Eisen anzupacken, denn das Risiko, sich daran zu verbrennen, ist riesengroß.

Freudenstein bleiben zwei Monate Zeit zu zeigen, dass er nicht nur ein zufälliger (und sicherlich auch preiswerter) Notnagel ist, sondern ein echter Stabilisationsfaktor. Eine heikle Aufgabe, um die er nicht zu beneiden

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