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von Gonzo » 25. Jan 2010, 14:25
Wer mit aller Macht Erstligaeishockey durchsetzen will, obwohl inzwischen auch dem Letzten klar sein sollte, daß dieser hier kaum Perspektive und ehrlich gesagt auch wenig Akzeptanz besitzt, der sollte vielleicht anfangen umzudenken.
Die HNA bombardiert uns mit Aufrufen, zu den Spielen zu gehen, stilisiert es gar zu Fortbestandstandsfrage hoch. Die Fans verteilen Flyer. Die vergangenen Spiele sollten ein Votum der Region für das erstklassige Eishockey sein. Selbst der hartnäckigste Verfechter dieses Sports in Kassel sollte jedoch gemerkt haben: Das Votum ist gescheitert. Keine 3000 Zuschauer haben dafür gestimmt. Von mir aus waren es die 2.988 besten Fans der Liga, aber der Hype ist vorüber.
In jedem Sommer zittern die Fans um ihren Verein und lassen sich dann und wann sogar Blut abzapfen. DEL-Eishockey in Kassel ist schlicht nicht finanzierbar, ist nur mittelmäßig angenommen und bringt nicht mal die Reputation ein, die sich Manche davon versprechen. Das soll unser Aushängeschild sein? Ein Verein, der sich offenbar mit der ersten Liga völlig übernimmt? Ohne Bosheit wünsche ich den Fans der Huskies, daß der Verein diesem Blödsinn ein Ende macht und in einer Klasse spielt, die er sich leisten kann und somit wieder Erfolg hat. Die Ersten haben sich nach unzähligen Zitterpartien in spielfreien Zeiten ohnerhin schon von den Kötern abgewandt. Die jetzige Zitterpartie wird die Huskies eben noch ein paar Zuschauer kosten. Ich hieße jeden Einzelnen davon beim KSV willkommen!
Die MUFU wird übrigens nur solange für mehr Zuschauer sorgen, solange sie nicht fast jeder gesehen hat. Nachdem die Neugier befriedigt ist, haben wir dann wieder knapp 3.000 Zuschauer (von mir aus auch wieder die besten Fans der Liga) bei den Huskies. Die bauen sich ein Luftschloss, ein mächtiger Strohhalm auf dem Salzmann-Gelände. Die Salzmannhalle ist das Organspenderherz, von dem sich die Eishockeyfreunde neues Leben erhoffen, ohne zu wissen, ob es überhaupt so Leistungsfähig ist, wie man glaubt. Ohne zu wissen, ob der Körper es nicht abstößt.
Das DEL-Eishockey in Kassel stirbt langsam - aber es stirbt. Irgendwann gelingt so ein Fortbestandskraftakt, wie er hier in den vergangenen 5 Jahren stets passierte, nicht mehr. Irgendwann sind die Menschen abgestumpft und folgen weder einem Votum, noch einem Demonstrations- oder Blutspendeaufruf. Irgendwann muß man sich ein Scheitern eingestehen.
Natürlich würde es mir für die Fans Leid tun, die verzweifelt beinahe alles tun würden, um "ihren" ECK in der Erstklassigkeit zu retten. Ich bin mit einigen davon befreundet. Und jeder, der das zweifelhafte Vergnügen hatte, seinem Verein beim langsamen Sterben zu zu schauen, wie viele von uns beim alten KSV oder dem FC Hessen, sollte in seinem Herzen Platz haben für Leidensgenossen - denn es geht auch um die Existenz ihres Vereins. Dennoch: Wären die Huskies plötzlich nicht mehr da... Ich würde nichts vermissen. Es wäre ein Ende, das ich viel früher erwartet hätte.
When the going gets weird, the weird turn pro. It never got weird enough for me.
Hunter S. Thompson
VIVA MADIBA! VIVA MANDELA!