Beitrag
von esteban » 23. Mai 2006, 17:10
Die Frankfurter Polizei hat heute eine Übung zur WM abgehalten:
23.05.06
Frankfurter Polizei demonstriert WM-Einsatzkonzept
Frankfurt/Main (dpa) - Kurz vor dem entscheidenden Elfmeter bricht überraschend die Live-Übertragung zusammen. Aufgebracht steigen einige der Fußball-Fans auf die Absperrgitter, werfen mit Flaschen und bedrohen die Ordner. Blitzschnell stellen sich Bereitschaftspolizisten dazwischen, Verstärkung naht.
Nach zwei Festnahmen beruhigt sich die Situation schnell, die Polizisten in den grünen Kampfanzügen ziehen sich wieder zurück. An ihrer Stelle nehmen wieder die «Kommunikatoren» ihren Job auf und reden auf die Fans ein.
Einsatzleiter Robert Schäfer ist zufrieden beim Anblick dieser Übung mit 250 jungen Polizisten auf einem verlassenen Industriegelände in Frankfurt-Rödelheim: «Wir haben gezeigt, wie differenziert polizeiliche Arbeit abläuft.» Neu ist vor allem die permanente Ansprache der Fans durch die psychologisch geschulten Kommunikatoren, die sich selbst während der kurzen Prügelei innerhalb des Absperrgitters aufgehalten haben und nun erklären, warum ihre Kollegen so entschlossen gehandelt haben.
Was sich nach einem Hochrisiko-Job anhört, ist nach Ansicht des Polizeipsychologen Carsten Schenk für die redegewandten Beamten halb so wild. «Menschenmengen sind innen längst nicht so gefährlich, wie sie von außen aussehen», sagte der Mann, der das Konzept mitentworfen hat. Die fast zivil gekleideten Polizisten würden nicht als Feind angesehen und könnten in der Menschenmenge mögliche Störenfriede schnell erkennen. «Die sonst gerade bei Demonstrationen übliche Konfrontation ist einfach nicht da.» 160 Kommunikatoren hat die hessische Polizei ausgebildet. Einige von ihnen sind schon bei den Studenten-Demonstrationen gegen Studiengebühren zum Einsatz gekommen.
Stark betonen die Verantwortlichen zur WM ihre Service-Angebote an die Fußballfans, die zu Hunderttausenden am Austragungsort Frankfurt erwartet werden. Durchsagen gibt es grundsätzlich in mehreren Sprachen, Kinder lassen ihre Eltern per Polizeilautsprecher suchen, und selbst das Ergebnis des verpassten Elfmeters wird nachgereicht: Der Schütze hat nicht getroffen, Blauland und Rotland müssen sich mit einem torlosen Unentschieden zufrieden geben. Die Fans ziehen friedlich ab. «Ein 0:0 ist für die Polizei immer ein gutes Ergebnis», meint Schäfer und grinst. Zumindest bei dieser Übung kann er selbst den Ausgang des Spiels bestimmen.
Zum Abschluss der Übung lässt die Polizei noch ein bisschen die Muskeln spielen und führt den neuesten Bombenentschärfungs-Roboter «Teodor» vor. Das 200 000 Euro teure Gerät wird selbstverständlich im neuesten Hubschrauber eingeflogen und soll während der WM seinen festen Platz in Frankfurt haben.
Welche Bedeutung gleich die erste Frankfurter Partie am 10. Juni zwischen England und Paraguay für das gesamte Turnier hat, macht Landespolizeipräsident Norbert Nedela deutlich: «Wenn wir da alles richtig machen, könnte es eine sehr ruhige WM werden.» Richtig ist nach seiner Ansicht neben der Kommunikation die sehr niedrige Eingriffsschwelle bei Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Dennoch sollen die starken Kräfte für die Fans nahezu unsichtbar bleiben, schließlich wolle man der Welt keine «bewaffneten Spiele» präsentieren. Flexibilität sei angesagt: «Wir gehen schnell rein und auch schnell wieder raus.»
Erneut loben die Polizeichefs die internationale Zusammenarbeit, die ihnen Informationen über die ausländischen Fan-Gruppen bringe und die auch keine Einbahnstraße sei. In England beispielsweise gebe es derzeit Informationskampagnen über die Rechtslage in Deutschland in Sachen nationalsozialistischer Symbole. «Jeder englische Fan weiß, dass das Zeigen des Hitlergrußes in Deutschland eine Straftat ist», sagt Nedela. Die Strafverfolgung finde ihre Grenzen nur in der Verhältnismäßigkeit, die bei jedem Einsatz geprüft werden müsse. «Wegen zehn Leuten gehen wir nicht in einen Block mit 2000 Fans rein. Aber es kann gut sein, dass wir die Täter später anhand des Videobeweises festnehmen.»
„Kommt Jungs, lasst laufen. Da muss noch ein bisschen mehr Zackigkeit rein, das geht alles einen Tick schneller!" RK im HNA-Bericht vom 07.11.2024 zum ersten Mannschaftstraining.