Finanzkrise und Fußbal

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Christian.Lengemann
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Finanzkrise und Fußbal

Beitrag von Christian.Lengemann » 9. Okt 2008, 10:23

Hi,

jezt hat es den englischen Fußball endlich erwischt:
von: http://www.faz.net/s/RubFB1F9CD53135470 ... ntent.html

Englischer Fußball in der Finanzkrise
Irgendeiner zahlt immer noch mehr

Von Christian Eichler, Brüssel

08. Oktober 2008 Die Premier League ist ein teurer Spaß. Doch bei West Ham United wird man derzeit sein Geld nicht so leicht los. Vom „Home Kit“, der Kleidung für die Heimspiele, sind nur Socken zu kaufen. Der Grund: Auf den bei Saisonbeginn bedruckten Trikots steht der Name einer Firma, die es nicht mehr gibt.

Der Trikotsponsor XL Holidays meldete im September Konkurs an und hinterließ beim Fußballklub ein Loch von fünf Millionen Pfund. West Ham hatte, weil es mit einem Reise- und nicht mit einem Finanzunternehmen warb, weniger Glück als Newcastle und Manchester United. Deren Partner Northern Rock und AIG wurden durch Verstaatlichung vor dem Exitus bewahrt.
Angst im East End wegen isländischer Pleite

Inzwischen ist man im Londoner East End endgültig von den Socken. Erst wurde West Ham für den irregulären Transfer des Stürmers Carlos Tevez zu einer Entschädigung von 30 Millionen Pfund verurteilt. Und nun herrscht Existenzangst, denn Klub-Eigentümer Bjorgolfur Gudmundsson, der bisher zweitreichste Isländer, hat böse Verluste in der Heimat.
Dort gehörten ihm und seinem Sohn 42 Prozent der Landsbanki – ehe die zweitgrößte Bank des Landes am Dienstag notverstaatlicht wurde. Der Klub teilte mit, nun kein Geld mehr für neue Spieler zu haben.

FA-Boss warnt vor „schrecklicher Gefahr“

Passend zum Weltthema, das nun auch den Fußball erschreckt, hielt Lord Triesman, der Vorsitzende der englischen Football Association (FA), am selben Tag eine Brandrede – die beim Kongress „Leaders in Football“ in London erst nach Verzögerung durch zwei Feueralarme begann. Viele der Zuhörer dürften sich gewünscht haben, dass auch Triesmans Worte falscher Alarm wären.
Die globale Finanzkrise nannte er eine „schreckliche Gefahr“ für die 92 englischen Profiklubs und bezifferte deren Schulden auf drei Milliarden Pfund. Man habe „sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand“, weil Gläubiger „nun oft selber in ernsten Schwierigkeiten sind“. Niemand sei immun, auch ein großer Klub könne „unter Druck geraten wie noch nie“. (siehe auch: Sport und Finanzkrise: Sponsoren knipsen das Licht aus“
Auch der Verband hat Schulden

So ging Triesman auf Konfliktkurs zur fremdfinanzierten Geldmaschine der Premier League. Deren Chef Richard Scudamore widersprach eilig und nannte die Schulden „beherrschbar“ – sie betrügen „nur“ rund 2,5 Milliarden Pfund und damit so viel wie der kumulierte Jahresumsatz. Er giftete zurück, dass die FA als „eine der höchstverschuldeten Organisationen der Welt“ durch ihr Wembley-Projekt mit 340 Millionen in der Kreide stehe - was einer größeren Summe entspricht als ihrem jährlichen Umsatz.
Es ist ein Machtkampf zwischen Verband und Liga. Und es ist mehr: der Versuch, die Lehre aus dem Debakel des Finanzsystems – der entfesselte Markt führt in den Abgrund – auf den Fußball zu übertragen. Triesman, ein Labour-Mann, weiß die Regierung auf seiner Seite. So forderte Kulturminister Andy Burnham „eine starke und reformierte FA“. Sportminister Gerry Sutcliffe verlangte eine Untersuchung des Profifußballs.

Blatter: „Investment im Fußball außer Kontrolle“

Auch Sepp Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, meldete sich und mahnte, die Europäische Fußball-Union (Uefa) müsse „etwas mit dem Lizenzierungssystem tun“, denn das Investment im Fußball sei „außer Kontrolle geraten“. Und Uefa-Generalsekretär David Taylor kündigte am Mittwoch wegen der „prekären Lage“ an, „die finanziellen Richtlinien zu verschärfen“.
Die Kreditkrise als Bühne für Sportpolitiker: Sie wollen die Macht über den Ligafußball zurück. Die FA fühlt sich unterstützt von der Uefa, die seit Jahren in Brüssel darauf hinarbeitet, dass die Europäische Union mehr in die Ordnung des Fußballmarktes eingreift. Zur Klärung der Verantwortlichkeiten fordert Triesman nun ein Sportgesetz. Und droht mit einer „Salary Cap“, einer Gehaltsobergrenze für Profis.
Manchester, Chelsea und Liverpool unter Druck

All das sind rote Tücher für die großen Klubs, und die hätten auch Mittel, sich gegen die FA zu wehren – etwa die Drohung, die Kooperation für die WM-Bewerbung 2018 einzustellen. Doch beschäftigen sie gerade andere Sorgen. Meister Manchester United hat seit der feindlichen Übernahme durch den Amerikaner Malcolm Glazer 666 Millionen Pfund Schulden.

Chelsea lebt nur vom Wohlwollen von Roman Abramowitsch und davon, dass der Russe seine alljährlich neunstelligen Zahlungen zwecks Begleichung des gewaltigen operativen Defizits (also der unfassbaren Gehälter) nicht irgendwann zurückverlangt. Und Liverpool hat den überfälligen Stadionneubau wegen der Kreditkrise verschoben.

Fast täglich werden angebliche Kauf-Interessenten gemeldet

Neun der zwanzig Premier-League-Klubs sind in ausländischer Hand, eine Zahl, die bald steigen dürfte. Käufer sind gesucht in Newcastle, Everton und Tottenham (dessen Eigentümer Joe Lewis beim Kollaps der Bank Bear Stearns 400 Millionen Pfund verlor). Fast täglich werden angebliche Interessenten aus Ländern wie Singapur, Nigeria oder Indien gemeldet.

Triesman forderte, dass bei dem in England üblichen „fit and proper persons test“, bei dem ein Investor vor allem auf Finanzkraft und Vorstrafen abgeklopft wird, auch Menschenrechtsverletzungen eine Rolle spielen sollen – Reflex darauf, dass die neuen Reichen nicht aus westlichen Musterdemokratien kommen, sondern aus Ländern wie Russland, China, dem arabischen Raum.

Bisher hat sich immer ein Käufer gefunden

Andererseits sind es gerade diese Aufsteiger der Globalisierung und vermutlichen Gewinner der Kreditkrise, die das Schneeballsystem des englischen Fußballs in Bewegung halten. Bisher hat sich für so gut wie jeden, der ausstieg, einer gefunden, der noch mehr zahlte. So hat Thaksin Shinawatra laut Berichten seinen Einsatz in einem Jahr verdoppelt. Der Verkauf von Manchester City an Scheich Mansour aus Abu Dhabi brachte dem wegen Korruption angeklagten früheren thailändischen Ministerpräsidenten zwanzig Millionen Pfund Gewinn.

„Man bekommt Leute mit Bankgarantien und ohne Fußballinteresse, und irgendwann verlieren sie die Lust und gehen“, klagte Blatter. „Was passiert dann mit den Klubs?“ Die Antwort: Sie suchen sich frisches Geld. Noch fließt es, denn es geht um Marktanteile an der Zukunft.

Die Premier League bietet für die Zeit nach dem Finanz-Gau einige der Premium-Marken der vielleicht letzten Schlüsselbranche, in der dem Westen die Führungsrolle bleiben wird: dem Unterhaltungsgeschäft. Das überlebt jede Krise, getreu dem Motto: Wenn das Geld schon weg ist, wollen die Leute sich wenigstens amüsieren.
Evtl. ist es doch besser, wie es in Deutschland meistens läuft. Die Verteilung auf verschiedene Schultern, sprich verschiedene Sponsoren.

Christian.Lengemann
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Re: Finanzkrise und Fußbal

Beitrag von Christian.Lengemann » 9. Okt 2008, 10:49

So. Und hier ist der Artikel, den ich eben erst nicht gefunden habe. Das war der erste, den ich dazu gefunden habe:
von: http://www.welt.de/sport/fussball/artic ... llaps.html

Finanzkrise
Der englischen Premier League droht der Kollaps
(15)
Von Jens Bierschwale 8. Oktober 2008, 16:24 Uhr

Trotz gigantischer Fernsehverträge und milliardenschwerer Geldgeber ist der englische Fußball nicht immun gegen das weltweite Finanzchaos. Die 20 Vereine der Premier League stehen mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro in der Kreide. Die Abhängigkeit von einzelnen Eignern könnte einige Klubs in den Ruin treiben.
Die wegweisende Erkenntnis umfasste lediglich acht Worte. Ein Satz nur, der das ganze Dilemma des englischen Fußballs offenbarte. David Triesman, Vorsitzender des nationalen Verbandes FA, hatte gerade über den beträchtlichen Schuldenstand der Premier-League-Vereine referiert und die Auswirkungen des globalen finanziellen Kollapses auf die Welt der Kicker skizziert. Und nun sprach er mit bebender Stimme ins Mikrofon: „Euer Schicksal liegt nicht mehr in Eurer Hand.“
Das klang nach bekanntem Pathos und passte sogar irgendwie ins Selbstverständnis. Denn lange hatten sie sich in der Premier League ja auf einer Insel der Glückseligen gewähnt. Sie hatten sich geöffnet für meist ausländische Investoren, teure Stars mit fremdem Geld verpflichtet und immer schönere Stadien mit immer teureren Sitzplätzen für die zahlende Kundschaft auf den Markt geworfen. Doch nun droht das rasch gewachsene Gebilde zu kollabieren, und noch ist längst nicht klar, mit welchen Folgen „der englische Patient“ nach der Entlassung aus dem Spital zu rechnen hat.

Seine Vormachtstellung in Europa könnte er ebenso verlieren wie seinen Anreiz für Investoren. Denn das Geschäft mit dem englischen Vereinsfußball ist nur selten rentabel. Mehr noch: Die Abhängigkeit von einzelnen Eignern könnte einige Klubs sehenden Auges in den Ruin treiben. West Ham United etwa sucht dringend nach einem neuen Geldgeber, nachdem der alte Sponsor Bjorgolfur Gudmundsson in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten ist.

Die Landsbanki, Islands zweitgrößtes Kreditinstitut, an dem der smarte Geschäftsmann die Mehrheit gehalten hatte und dessen Präsident er bis Dienstag war, ist ein Opfer der Finanzkrise geworden und beschäftigt inzwischen die Konkursverwalter. Kaum anzunehmen, dass sich Gudmundsson sein bislang auf 130 Millionen Euro geschätztes Investment beim Londoner Klub künftig weiter leisten wird.

West Ham steht symbolisch für die Krise

„Gudmundsson wird sein Geld nicht aus dem Verein ziehen, aber diese Ereignisse hemmen unsere Möglichkeiten für weitere Investitionen in diesem Jahr“, sagte der Vizepräsident der „Hammers“, Asgeir Fridgeirsson, der Londoner Tageszeitung „The Times“.

West Ham steht symbolisch für die Krise des englischen Klubfußballs, der trotz gigantischer Fernsehverträge und milliardenschwerer Geldgeber nicht immun ist gegen das weltweite Finanzchaos. Den anderen Vereinen geht es allerdings kaum besser. Allein die vier Spitzenvereine Manchester United, FC Chelsea, FC Liverpool und FC Arsenal verzeichnen zusammen 2,3 Milliarden Euro Schulden. Insgesamt stehen die 20 Vereine der Premier League mit 3,5 Milliarden Euro in der Kreide.

Dabei ist die gigantische Zahl noch nicht einmal das größte Übel. „Das Hauptproblem liegt darin, dass die Personen hinter den Schulden in ernsthaften Problemen stecken“, sagte Triesman. „Die Schulden der Vereine verteilen sich durch die internationalen Investoren über die ganze Welt.“

Ausschluss von europäischen Wettbewerben?

Die Angst vor dem drohenden Zusammenbruch einiger Vereine auf der Insel hat inzwischen auch den kontinentalen Verband Uefa erreicht. Hochverschuldete Klubs müssten mit dem Ausschluss von europäischen Wettbewerben rechnen, sagte Generalsekretär David Taylor am Mittwoch. Derartige Sanktionen seien möglich, wenn sich die Vereine nicht ernsthaft mit ihren „beträchtlichen Schulden“ beschäftigten. Die Klubs würden ihr Überleben riskieren und sich in finanziell prekäre Situationen bringen. „Wir sind dabei, die finanziellen Richtlinien für alle zu verschärfen.“

Derlei Vorgehen, etwa durch ein einheitliches Lizenzierungsverfahren für alle Profiklubs in Europa, fordern Vertreter der Bundesliga seit langem. Nur dann könne ein seriös geführter Fußballklub ohne Fremdinvestor konkurrenzfähig bleiben, sagt etwa Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Dabei geht es zumindest schon im britischen Fußball um weit mehr: „Wir müssen zu größerer finanzieller Stabilität zurückfinden, besonders dann, wenn viele Banken in Schwierigkeiten geraten“, mahnte Taylor. „Regierungen werden vielleicht Banken stützen, aber sie werden nicht Fußballklubs unter die Arme greifen.“
Dem obersten Chef missfällt das Geschäftsgebaren einiger Vereine ohnehin seit langem. „Es muss etwas getan werden gegen diese Milliardäre“, sagte Joseph Blatter, Präsident des Weltverbandes Fifa. „Es scheint, als könne man sich heutzutage einen Verein genauso leicht kaufen wie ein Trikot.“

stürmer1
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Re: Finanzkrise und Fußbal

Beitrag von stürmer1 » 9. Okt 2008, 17:11

3,5 Millarden Euro Schulden bei 20 Klubs in England,einfach unglaublich.Ich hoffe das es nun mal richtig knallt und wieder fairer Wettbewerb im Europapokal hergestellt wird.Wenn man die Erfolge der Deutschen Mannschaft bei den letzten Veranstaltungen im Vergleich zu England sieht und dann das Abschneiden unserer Clubs in Europapokalspielen, wieder im Vergleich zu den Englischen Vereinsmannschaften mit ansehen muss.Das ist einfach zum kotzen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Das ist einfach unfair.Die haben ihre Erfolge einfach nur teuer erkauft.Da habe ich keinen Bock mehr drauf!!!!!!!!!!!!!!!!
Scheiß Milliardäre!!!!!!!!!!!!!!
Thorsten Bauer Fußballgott

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