Schlagge macht Fotos für die Fans
KSV-Anhänger dokumentiert exakt den Ausbau des Auestadions - Im Internet sind seine Bilder heiß begehrt
Von Göran Gehlen
Kassel. Im Internet für KSV-Fans ein Star, im realen Leben fast unbekannt - das sind die zwei Gesichter des Michael Schneck. Der 41-Jährige aus Fuldabrück versorgt unter dem Spitznamen Kasseler Schlagge die Fußballfans im Internet seit Monaten regelmäßig mit Fotos vom Umbau des Auestadions.
Weder Wind noch Wetter können den frechen Typen, denn das bedeutet der Kasseler Begriff Schlagge, dabei aufhalten. Seit Juli 2007 ist Schneck fast jeden Freitag im Stadion. Immer wieder schießt er Fotos von zentralen Punkten aus wie den VIP-Plätzen oder dokumentiert Details des Umbaus.
1500 Bilder sind bisher entstanden, viele Aufnahmen im Internet auf Schnecks Homepage und im KSV-Forum gelandet. Dort werden sie oft ungeduldig erwartet und heiß diskutiert.
Wer sich dagegen hinter Schlagge verbirgt, ist vielen Fans nicht bekannt: Denn in den Fankurven ist Schneck nicht zu finden. "Ich bin eher ein unauffälliger Zuschauer", erklärt der Hobbyfotograf, der in der Druckerei Dierichs arbeitet.
Beziehung zu Arbeitern
Dass die Öffentlichkeit erfährt, wer Schlagge ist, dazu muss man den ruhigen und ein bisschen scheuen Fuldabrücker schon überreden. Umso interessanter sind vor diesem Hintergrund seine Fotos: Die Bilder dokumentieren auch die Beziehung zwischen Fotograf und fotografierten Arbeitern.
Anfangs machte Schneck seine Bilder aus dem Hintergrund und anonymisierte die abgebildeten Personen. Später lächeln die Arbeiter in die Kamera oder posieren sogar. "Wir haben uns kennen gelernt, die haben die Fotos ihren Familien gezeigt."
Eine Freude möchte Schneck aber vor allem den KSV-Fans machen: "Die unterhalten mich im Stadion so gut, da möchte ich etwas zurückgeben."
In dieser Mission kämpft der Hobbyfotograf manchmal auch gegen Widerstände: Nicht immer ist der Zugang zum Stadion ganz ohne Hindernisse. Und das Betreten der Baustelle ist ohnehin verboten.
Immerhin hat Schneck mittlerweile prominente Unterstützung dafür, zumindest von der Laufbahn aus seine Fotos zu schießen. "Es gibt eine Absprache mit dem Oberbürgermeister", sagt KSV-Fanbeauftragter Markus Lämmer.
Persönliche Vorteile hat Schneck nach eigener Aussage durch seine Arbeit übrigens nicht: Selbst Werbebanner auf seiner Internetseite lehnt der KSV-Fan ab.
Ausstellung im Mai
Wer keinen Zugang zum Internet hat, kommt vielleicht bald ebenfalls in den Genuss von Schnecks Bildern: Zur Einweihung der Flutlichtanlage am 2. Mai planen Schneck und Fanbeauftragter Lämmer eine Ausstellung.
Bis das Auestadion fertig ist, will Schlagge trotz Wind und Wetter weiter seine Fotos schießen. Ob danach weitere Projekte folgen, sei unklar. Wichtigstes Kriterium dafür: "Es muss was mit dem KSV zu tun haben - das würde meine Motivation erhöhen."
http://www.kasseler-schlagge.de