Kalte Duschen mitten in die Euphorie

Kalte Duschen mitten in die Euphorie

KSV Hessen - 1860 München II 3:4 (1:2)
In einem turbulenten Spiel unterlag der KSV Hessen am Samstagnachmittag der U-23 des TSV 1860 München mit 3:4. Vor 6.000 Zuschauern im Auestadion erzielten Bauer, Gaede und Wölk die Tore für den KSV Hessen.

"Es war für uns ein ganz bitterer Nachmittag", resumierte KSV-Trainer Mirko Dickhaut nach dem Spiel. "Ein Eigentor, Tornieporths Verletzung und die nicht belohnte Aufholjagd". Mindestens ein nicht gegebener Elfmeter kam noch dazu - mag man noch ergänzen.

Doch das alles trifft nicht ganz den Kern, warum der KSV dieses Spiel verloren hat. Unter dem Strich war der Sieg der Münchener zwar glücklich, aber ganz sicher nicht unverdient. Technisch und taktisch bestens geschult, immer wieder intelligent und clever angreifend. Es war ein ganz starker Gegner, der sich an diesem Nachmittag im Auestadion vorstellte. Ein Gegner, der schon in Mannheim (4:1) und Nürnberg (4:0) auswärts ein Ausrufezeichen setzten konnte.

Sebastian Busch und Thorsten Bauer
zoomSebastian Busch und Thorsten Bauer
Foto: Harry Soremski

Beim KSV kam auf der defensiven Aussenbahn Florian Heussner zum Einsatz. Der frischgebackene Vater Christoph Keim musste zunächst auf der Bank bleiben. Auf der "Doppelsechs" spielte neben Enrico Gaede diesmal Sebastian Busch.

Der Start für die Löwen konnte dann nicht schlimmer kommen. Bereits nach acht Minuten gingen die Gäste in Führung - durch ein Eigentor von Mentor Latifi. Und knappe zehn Minuten später klingelte es ein zweites Mal im Kasten von Dennis Lamczyk. Nach einer Rechtsflanke von Hosiner kam Fetsch zum Kopfball und der Kasseler Schlußmann einen Schritt zu spät - 0:2.

Keine Frage. Der KSV mühte sich und zeigte Engagement - aber es passte nicht viel zusammen. Im Gegenteil. Die flinken Sechziger hätten die Führung weiter ausbauen können. Nach einem Freistoß von Manga Lembe kam Tausendpfund zum Kopfball (26.) - Glück für die Löwen, ebenso wie zwei Minuten später. Da spazierte David Schittenhelm durch die gesamte Löwenverteidigung - Lamczyk entschärfte den nicht gerade festen Schuss des Müncheners. "Unsere Abläufe waren alles andere als strukturiert", monierte Mirko Dickhaut nach dem Spiel.

Rene Ochs
zoomRene Ochs
Foto: Harry Soremski

Kurz vor der Pause dann doch das von den 6.000 so sehr ersehnte Löwen-Tor. Nach einer Linksflanke von Rene Ochs hält Thorsten Bauer die Stiefelspitze hin - 1:2. Die restlichen Minuten der ersten Halbzeit sind turbulent. Zunächst springt bei Dennis Tornieporth nach einem Zweikampf die Kniescheibe raus - damit war das Spiel für den Flügelflitzer beendet. Und dann rettete Lamczyk nach einem harten Schuss von Stahl seinem Team das 1:2. 

In der Halbzeit kamen mit Christoph Keim und Harez Habib zwei frische Kräfte. Dafür musste neben Tornieporth Sebastian Busch in der Kabine bleiben. Trainer Mirko Dickhaut stellte auf eine Dreikette um. Es half alles nichts. Bereits drei Minuten nach Wiederbeginn gab es die nächste kalte Dusche. Nach einer Ecke kam Schittenhelm unbedrängt zum Kopfball - 1:3. Doch der KSV wehrte sich weiter.

54. Minute, Freistoß durch Kevin Wölk. Der Ball kommt zu Enrico Gaede, der immer mehr Spaß am Toreschießen findet. Ein harter Schuß - nur noch 2:3. Wieder Hoffnung im Auestadion. Und es kommt noch besser. In der 69. Minute wieder Freistoß für den KSV Hessen. Kevin Wölk hämmert den Ball aus halblinker Position direkt in die Maschen, unhaltbar abgefälscht von zwei Münchenern. Nun geht im Auestadion die Partie richtig los. Die Fans stehen, eine unglaubliche Stimmung.

Doch mitten in die Euphorie folgte wieder die kalte Dusche. Manga Lembe wuselt sich an Keim und Schönewolf vorbei - Schuss aus spitzen Winkel - 3:4. Bitter für den KSV - das Tor hätte eigentlich gar nicht zählen dürfen. In der Entstehung wurde Kevin Wölk gefoult - doch Hammer ließ weiter spielen.

Thorsten Bauer
zoomThorsten Bauer
Foto: Harry Soremski

Das Spiel wird immer verrückter. Doch noch war das ganze nicht vorbei. Drei Minuten später reklamieren Fans und Spieler das erste Handspiel im Münchener Strafraum. Schiedsrichter Hammer aus Ranis in Thüringen lässt weiter spielen. Eine weitere Minute später haben die 6.000 den Torschrei auf den Lippen. Im Sitzen baggert Habib den Ball in Richtung Tor, doch dieser wird noch von der Linie gekratzt. Kurz danach kommt dann Thorsten Bauer aus spitzen Winkel zum Schuss - Torwart Krauss kann abwehren. Kein Spiel für schwache Nerven. Dann der nächste Aufreger in der 84. Minute. Einen Schuss von Enno Gaede kann Florian Tausendpfund nur mit der Hand abwehren. Ein klarer Elfmeter. Doch Schiedsrichter Hammer lässt weiter spielen. Am Ende war die Abwehrschlacht der Sechziger von Erfolg gekrönt. 3:4 - eine bittere Niederlage für den KSV Hessen.

Viel Zeit um Wunden zu lecken bleibt nicht. Bereits am Dienstagabend geht die Reise zum SV Waldhof Mannheim. "Wir werden weiter kämpfen, um jedes Spiel zu gewinnen", sagte Kapitän Thorsten Schönewolf trotzig. "Mal sehen, was dann am Ende dabei herauskommt".

Oliver Zehe

KSV Hessen: Lamczyk - Gundelach, Latifi, Schönewolf, Heussner - Busch, Gaede - Tornieporth, Wölk, Ochs - Bauer.

1860 II: Krauss - Ratei, Tausendpfund, Wittek, Bückle - Schittenhelm, Stahl, Manga Lembe, Sternisko - Hosiner, Fetsch

Ausgewechselt: 46. Habib für Tornieporth und Keim für Busch; 83. Lenz für Latifi - 72. Hammann für Hosiner, 87. Strobl für Sternisko, 90. Imbongo Boele für Fetsch

Zuschauer: 6.000. Schiedsrichter: Hammer (Ranis / Thüringen)

Tore: 0:1 Latifi (8., Eigentor), 0:2 Fetsch (18.), 1:2 Bauer (42.), 1:3 Schittenhelm (49.), 2:3 Gaede (54.), 3:3 Wölk (69.), 3:4 Manga Lembe (75.)

Gelbe Karten: Tornieporth, Busch, Gundelach - Schittenhelm, Manga Lembe, Ratei

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Veröffentlicht: 23.05.2009

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Datum des Ausdrucks: 18.01.2021