@Fiesel: Danke! Ich kann jedes Wort von dir unterschreiben.
Wenn ich auch mal lospoltern (und natürlich ungehörig verallgemeinern) darf nach dem dritten Spieltag: Wenn jemand den Aufstieg in die dritte Liga absehbar nicht verdient hat, dann wohl doch jetzt schon große Teile des Kasseler Publikums. Die Region ist ja ach so fußballhungrig und hätte mindestens die dritte Liga verdient, heißt es immer? Wozu denn? Es würde doch eh weitergemeckert, was das Zeug hält.
Da gibt's für eine neu zusammengestellte Mannschaft von den eigenen Anhängern keine Geduld, keinen Rückhalt, keinen Vertrauensvorschuss, keine Aufmunterung und keine Anerkennung auch für das, was immerhin gut war (viel Willen und 7 Punkte zum Beispiel). Kein Realitätssinn - und Verständnis sowieso nicht.
Nein, das Glas in Nordhessen ist immer halbleer, nie halbvoll. Wahrscheinlich ist es auch halbleer, wenn es eigentlich längst überläuft.
Ja, ja, die Mannschaft MUSS besser und schöner spielen, MUSS aufsteigen, A MUSS ausgewechselt und B MUSS eingewechselt werden. Und C hat einen Fehlpass gespielt, da MUSS der Trainer weg. Sieht doch ein Blinder.
Außerdem hab ich ja 12 Euro Eintritt bezahlt. Dafür kann ich schon mal jegliche zivilisatorische Errungenschaft von 10000 Jahren Sozialisierung vor den Stadiontoren lassen und jeden fertig machen, der zu blöd ist, eine Ecke nicht genau auf den Kopf des eigenen Stürmers zu treten. Der kriegt doch MEIN Geld, dass ich sauer verdient hab. Mit dem Erwerb einer Eintrittskarte erhalte ich das Recht auf ein geiles Fußballspiel. Und stattdessen - was seh ich? Einen unmöglichen Trainer, der es wagt, Entscheidungen zu treffen, die nicht meiner Meinung entsprechen. Wie kommt er dazu?
Es geht nicht darum etwas schönzureden, was nicht gut war. Es geht darum, dass von Publikum und Fans und manchem Forumsteinehmer hier eine so unglaubliche pessimistische und destruktive Haltung an den Tag gelegt wird, dass man nach dem dritten Spieltag auf Tabellenplatz 2 (in Worten: zwei) den Eindruck hat, die Saison ist gelaufen und alles geht im Elend unter.
Sind die, die ich hier anspreche, im richtigen Leben eigentlich auch aus Überzeugung so unglaublich "konstruktiv" - in der Familie, im Beruf, in der Freizeit, womöglich gar im Sportverein: Niemandem helfen, niemanden unterstützen, verbal immer feste druff, immer das Schlechte sehen!? Ja ganz sicher, das ist der ultimative Erfolgsweg.
Zusammengehörigkeitsgefühl gerne - aber nur in guten Zeiten, klar.
Ich versteh das einfach nicht, was hier unter den Fans (?) des KSV seit zwei Wochen abläuft. Ich weiß mir da nur einen Rat: den Löwen allzeit die Daumen drücken und wenn's geht, besser die Auswärtsspiele der Löwen angucken. Ich MAG diesen Verein einfach - und damit die jeweilige Mannschaft die für ihn aufläuft. Warum auch immer. Und wenn das Löwenrudel mal tatsächlich schlecht spielt, kann ich mich im Stillen vielleicht ärgern ... und hoffen werde ich dennoch immer bis zur letzten Minute ... aber das eigene Team auspfeifen??? Nie!!! (Was soll denn davon besser werden??)
Was nützt denn ein Schmuckkästchen in Kassel mit bald neuer Haupttribüne, wenn es sich zur Hälfte mit Nordhessen füllt, die sich lieber Auskotzen wollen als "ihren" KSV zu unterstützen, mitzuleiden und mitzufeiern? Und täuscht der Eindruck, dass die Generation der Über-65-Jährigen im Stadion am allerbesten Bescheid weiß, was alles falsch gemacht wird? Naja, wenn man so lebenserfahren ist...
Es geht um Sport im Fußball (ich glaube, das darf man immer noch sagen - zumindest ein paar Ligen unterhalb der Champions League). Das ist so ähnlich wie im richtigen Leben: Da klappt nicht alles, da kann man auch nicht alles planen und vorhersehen - und der Gegner spielt auch mit - und der will sogar auch gewinnen. Es gibt Glück und Pech. Und gute und schlechte Schiedsrichter. Und nach 34 Spieltagen weiß ich dann, wer den Aufstieg geschafft hat...