Saarbrücken
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Ein älterer Bericht zur Schickeria München. Höneß sucht sich sein Publikum selber aus.
Nach Randalen von Bayern-Fans
Hoeneß will neue Kurve
Der FC Bayern plant offenbar, die seit Jahren unliebsame Fan-Gruppierung "Schickeria" mit rund 700 Mitgliedern endgültig loszuwerden.
Von Markus Schäflein
Zehn Tage nach dem gewalttätigen Angriff von Randalierern aus dem Umfeld des FC Bayern auf Nürnberger Anhänger schweigen die acht Personen in Untersuchungshaft offenbar weiterhin. "So muss man sich das vorstellen", umschrieb der Würzburger Polizeisprecher Willmut Hornung am Montag die Situation. Zahlreiche andere Personen hätten hingegen bereits ausgesagt. "Ihre Aussagen und die Ergebnisse der Spurensicherung werden derzeit abgeglichen", sagte Hornung.
25 Beamte der Kriminalpolizei ermitteln in der Sonderkommission "Soko-Fan". Überführt werden soll neben den anderen Angreifern der Täter, der auf einer Autobahnraststätte bei Würzburg eine Frau mit einer gefüllten Colaflasche schwer verletzte. Die Frau ist auf dem linken Auge erblindet. Die Randalierer sowie die anderen Mitreisenden der Busse gehören der Fan-Gruppierung Schickeria und ihrem Umfeld an.
Ende der Schickeria?
Der FC Bayern plant offenbar, die seit Jahren unliebsame Gruppierung Schickeria mit rund 700 Mitgliedern endgültig loszuwerden. Manager Uli Hoeneß kündigte an, es werde in der kommenden Saison "eine ganz neue Südkurve" geben. Der Fall um die bekannte Gruppe sorgt in der Fanszene bundesweit für Aufsehen, in Internetforen diskutieren Anhänger aller Vereine unter Überschriften wie "Das Ende der Schickeria".
Thomas Emmes, Leiter des Fanprojekts der Stadt München, glaubt aber nicht daran, dass sich die Ultra-Gruppierung jetzt auflöst. "Der Verein sagt vielleicht: Für uns ist diese Gruppe nicht mehr existent. Aber so einfach ist das nicht. Sie ist nach wie vor noch da und wird sich nicht in alle Richtungen verstreuen", sagt Emmes. "Ob sie sich umbenennen, spalten oder weitermachen, wissen sie wohl selbst noch nicht."
Er sehe seine Aufgabe weiterhin darin, zwischen Verein und Ultras zu vermitteln. "Wir werden die Gruppe auf keinen Fall fallen lassen. Von ihren rund 700 Mitgliedern würde ich nicht einmal 35 als gewaltbereit einschätzen", meint der Sozialarbeiter, der im Auftrag der Stadt die Münchner Fanszene begleitet. Er weiß aber auch, dass es die Führung der Schickeria versäumt hat, ihre gewalttätigen Mitglieder auszuschließen. Und dass offenbar einige Zeugen aus den Reihen der Gruppe sogar versuchen, die Täter zu schützen. "Es wird jetzt sehr heikel, Schnittstelle zwischen Ultras und Verein zu sein", sagt Emmes, "wir hatten uns etwas aufgebaut, aber dieser schlimme Vorfall bringt das Kartenhäuschen zum Einsturz."
(SZ vom 15.5.2007)