Quelle: HNA-OnlineNach dem Schock viel Arbeit
Fußball-Regionalligist Hessen Kassel demonstriert nach dem Rückzug Mehmet Gökers Handlungsfähigkeit
Zuversicht sieht anders aus: Mehmet Göker (linkes Bild) nach seiner Absage an den KSV am Montagabend. Ganz rechts der alte und wohl auch neue Vorstandsvorsitzende Jens Rose. Links neben ihm der Versammlungsleiter Jochem Weikert. Fotos: Socher
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Kassel. Am Morgen danach ist Jens Rose noch sichtlich mitgenommen. Der Mann, der sich beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel eigentlich aus der vordersten Linie zurückziehen wollte und der nun wohl doch weiter der Vorstandsvorsitzende sein wird, kann die Geschehnisse des Vortages, an dem plötzlich alles ganz anders wurde, noch immer nicht ganz fassen.
Der plötzliche Stimmungsumschwung des Sponsors und potenziellen neuen Vorsitzenden Mehmet Göker nach Beleidigungen und Hakenkreuzschmierereien gegen seine Familie hat Rose und den KSV absolut unerwartet getroffen: "Ich habe am Montag noch meinen Schreibtisch auf der Geschäftsstelle ausgeräumt und war um 16 Uhr mit Göker zur Übergabe verabredet", schildert Rose den Tag. Göker aber kam nicht. Eine halbe Stunde vor der Jahreshauptversammlung erfuhr Rose von dem Versicherungs-Unternehmer dann, warum.
Immerhin: Der KSV handelte schnell. In kürzester Zeit wurde ein neuer Aufsichtsrat zusammengestellt. Rose entschied sich, weiter im Amt zu bleiben. Die Löwen sind also nicht handlungsunfähig. Vor ihnen aber liegt ein unglaublicher Berg an Arbeit. Die wichtigsten Punkte:
FINANZEN UND SPONSOREN
Eine Million Euro wollte Göker im Fall seiner Ernennung als Vereinschef dem KSV zur Verfügung stellen. Daraus wird nun nichts. Der KSV muss also weiter eher kleine Brötchen backen. Erste Planungen sehen vor, dass die Löwen mit einem 1,4-Millionen-Euro-Etat in die neue Saison gehen (07/08: 2,1 Mio. Euro). Dabei erhofft sich der Klub Sponsoreneinnahmen von knapp 700 000 Euro. Etwa 60 Prozent der aus diesem Topf stammenden Gelder seien sicher, so Rose. Göker wird künftig mit 100 000 Euro dabei sein. Dies war schon vorher vertraglich fixiert worden.
Der KSV kalkuliert mit einem Zuschauerschnitt von 2300. Vor einem Jahr waren 4500 erreicht worden. Der scheidende Schatzmeister Hermann Schmidt betont ausdrücklich, dass der KSV schuldenfrei sei. Andere Meldungen seien falsch. Man habe allerdings auch nichts auf der hohen Kante.
TEAM UND TRAINER
Ganze vier Spieler sind bisher für die erste Mannschaft verpflichtet: Thorsten Bauer, Thorsten Schönewolf, René Ochs und Torhüter Tobias Wolf. "Sieben, acht Spieler des alten Kaders haben Angebote vorliegen", sagt Jens Rose, der gestern mit dem nun doch als Trainer feststehenden Mirko Dickhaut intensive Gespräche führte. Zu den angesprochenen Kickern gehören übrigens auch Daniel Beyer, Sebastian Busch, Dominik Suslik und Arne Schmidt. Etwa 20 Mann seien nötig. Dabei hofft Dickhaut auch auf gute Spieler von außerhalb der Region. Das erste Training soll Anfang Juli stattfinden.
Wer Trainer der nunmehr in der Hessenliga kickenden Reserve und damit Nachfolger Dickhauts dort wird, steht noch nicht fest.
VORSTAND UND MANAGER
Noch in dieser Woche wird der neue Aufsichtsrat zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Das Gremium wird dann den Vereinsvorsitzenden bestellen. Das wird nach dem Stand der Dinge wieder Jens Rose sein. Ein Vize soll der Kasseler Anwalt Albrecht Striegel werden. Der zweite Vize steht noch nicht fest. Hauptamtlicher Manager könnte Joe Gibbs werden.
Von Uli Brehme und Frank Ziemke
Nach diesem Artikel zahlt die MEG AG nicht 300.000€, sondern nur noch 100.000. Das ist schon eine andere Hausnummer, von der Million gar nicht zu reden. Der Etat von 1,4 Mio. ist etwas Augenwischerei, da es der Ansatz für den Gesamtverein ist. Die Mittel für die erste Mannschst dürften um einiges darunter liegen, womit wir wohl wieder im unteren Drittel im Vergleich zu den anderen Teams liegen werden.