Großartig! Ein toller, hart erkämpfter Sieg für eine Spitzenmannschaft gegen eine Spitzenmannschaft ...
"Wie schlecht muß man eigentlich spielen um nicht in der Startformation berücksichtigt zu werden?" ... das war die zugegebenermaßen dämagogische Frage, die mir sofort auf der Zunge lag, als der Charly Wimmer Möller als rechten Außenverteidiger in der Mannschaftsaufstellung ankündigte. Nun, abgesehen davon, daß zu Spielbeginn alles was gefährlich war über die Möller-Seite in den Kasseler Strafraum kam, reichte es später immerhin zu unauffällig, unbedeutend ... unwirksam. Eine klare Steigerung also ...
Beide Mannschaften begannen nervös, sicherlich auch gekennzeichnet durch gegenseitigen Respekt. Nach etwa einer viertelstunde kam unsere Mannschaft zunehmend besser ins Spiel. Der Ball begann besser zu laufen und die Abspiele wurden präziser. In Minute zwanzig schließlich setzte sich Wölk sehr schön im gegnerischen Strafraum durch und hätte seinen halbhohen Schuss Richtung langes Eck knapp am Tor vorbeigeschoben. Dort allerdings lauerte schon unser unwiderstehlicher "Torminator" und gab dem Ball die notwendige, von den 3000 Zuschauern förmlich herbeigesehnte Richtungsänderung mitten in die Wehen-Wiesbadener Maschen hinein. War das ein Jubel und ein Trubel auf der Haupttribüne!
Die Freude war kaum verklungen, da rappelte es schon wieder. Dieses Mal leider im falschen Netz ... nämlich dem Unsrigen. Nur 3 Minuten nach unserer Führung glichen die spielstarken und immer gefährlichen Wehen-Wiesbadener aus. Ein Freistoß, maßgerecht auf den Kopf des hünenhaften Strohengel gezirkelt, landete als Aufsetzer knapp am schnell reagierenden Lamcyk vorbei in unserem Tor.
Beide Innenverteidiger Stadel und Schönewolf, ließen den erfolgreichen Torjäger in dieser Situation völlig ungestört zum Kopfball kommen - was sich der natürlich nicht zweimal sagen ließ. Und da wir gerade bei der Innenverteidigung sind wage ich auch gleich einmal eine "Majestätsbeleidigung": Schönewolf macht mir allmählich ein wenig Sorgen. In der Anfangsphase leistete sich unser "Capitano" manch fahrigen Pass, der beim Gegner landete. Auch seine lange Spieleröffnung - meistens beim Gegner. Und über seine Defizite in Sachen Antrittsschnelligkeit brauchen wir uns wohl nicht mehr zu unterhalten. Meines Erachtens rettet ihm momentan nur seine Autorität und seine Erfahrung seinen Stammplatz, leider nicht unbedingt seine Leistung.
Glücklicherweise schockte der schnelle Ausgleich unser Team keineswegs. Im Gegenteil: Zielstrebig wurden feine Angriffskombinationen an den gegnerischen Strafraum herangetragen. Dort scheiterte man meist nur an der eigenen, mangelhaften Schusstechnik. Eindrucksvolle Kostproben in der Disziplin "über das Tor dreschen" gaben uns zum Beispiel Busch und Tornieporth ...
Busch wieder neben Gaede. Sicherlich in Anbetracht der immer augenfälligen Offensivstärke unseres heutigen Gegners die "Sicherheitsvariante", die defensive 6er-Kombination. Allerdings bedingt die Zunahme an Kampfkraft durch Buschs Einsatz leider auch eine Abnahme der Spielkultur. Heute wurde insgesamt nicht ganz so brilliant über die Außen gespielt, wie wir es von unserer Mannschaft bisher im Auestadion gewohnt waren. Trotzdem war Busch sehr auffällig und bemüht, leider nicht in jeder Situation positiv. Seinen "Amok-Bodycheck" hätte ich mindestens mit gelb bestraft.
Die letzten 30 Minuten mußte Wehen-Wiesbaden mit 10 Mann auskommen. Nach einer Tätlichkeit (Nachtreten) wurde einer ihrer Spieler des Feldes verwiesen. Insgesamt muß ich sagen, daß unser heutiger Gegner neben Spielstärke und technischen Fertigkeiten leider auch sehr unschöne Tricks im Repertoire hatte. Da wurde aufgestützt, geschoben und manch Arm landete "zufällig" im Gesicht unserer Spieler. Auch die bünenreife Theatralik nach leichten Fouls um gelbe Karten zu provozieren gehört zu den Dingen, die ich am liebsten gar nicht im Stadion sehen möchte.
Völlig überfordert zeigte sich über weite Strecken das "Schiedsrichterbübchen", zarte 21 Jahre alt, und oft nicht ganz im Bilde.
Nach diesem Platzverweis gab es 35 Minuten Zitterfußball. Den Spielerverlust merkte man den Wehen-Wiesbadenern kaum an. Bis auf wenige Konter spielte sich die zweite Halbzeit meist in unserer Hälfte ab. In dieser Phase hätte ich mir mehr Coolness gewünscht, mehr Abgeklärtheit, den Ball einmal langsam machen, oder ihn über 6,7 sichere Stationen spielen, um Luft zum Verschnaufen zu erhalten.
Mit etwas Glück und noch etwas mehr Geschick überstanden aber unsere Löwen auch dieses massive Anrennen des Gegners. Die "Eselsmütze" setze ich heute unserem wiederum sehr fleißigen Rene Ochs auf. Der stürmte nämlich allein auf weiter Flur etwa 8 Minuten vor dem Ende auf den Torwart zu .... und .... und ... schoß ihm den Ball völlig unbedrängt in die Arme.
Auch wenn sich die zweite Halbzeit immer auf dem schmalen Grat zwischen Ausgleich und "Todesstoß" (3:1 für uns) abspielte: Der Sieg ist verdient! Die Mannschaft hat ihn sich erspielt und erkämpft zugleich. Auch wenn ich Mirkos Aufstellung nicht auf jeder Position gut heiße. Eines hat er auf jeden Fall erreicht: Unsere Mannschaft zeigt zum Teil Spitzenleistungen und hat auch in der Leistungsbreite mächtig zugelegt. Im Moment passt einfach alles in der Ersten - bis auf die Liga, in der sie spielt ...

. Ein sehr schönes Gefühl, besonders nach der letzten Saison!
Nach den heutigen Ergebnissen nimmt die Spannung in der Liga langsam konkrete Formen an. Auch die von mir erwarte "wesentliche Rolle" unseres Teams in der Liga wird immer konkreter.
Sehr zufriedene Grüße von Ecki
Nachtrag: Wenn es heute wirklich etwas zu meckern gab, dann wieder einmal unsere Standards. So genial manch Wölk-Pass zugegebenermaßen auch ist - seine Standards sind durchweg grottig. Da muß dringend nachgebessert werden ...