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http://www.zeit.de/2006/12/M-Prince?page=1
Sexy Motherfunker
Nach Jahren der Selbstdemontage besinnt sich Prince auf alte Tugenden – und macht seine beste Platte seit langem Von Ralph Geisenhanslüke
Nicht wieder auferstanden, aber resozialisiert: Prince Rogers Nelson
Minneapolis im US-Bundestaat Minnesota. Ein Einfamilienhaus in der Vorstadt. Es ist ein ruhiger Sonntagnachmittag im Dezember 2003. Im Fernsehen läuft Football, die Minnesota Vikings gegen die Atlanta Falcons, als es klingelt. Obwohl die Vikings gerade den Ball haben, geht der Mann zur Tür. Er erkennt sofort, mit wem er es zu tun hat. Diese beiden draußen vor der Tür haben Musikgeschichte geschrieben. Aber der Mann bleibt cool. Er sagt jetzt nicht: »Hey, sind Sie nicht dieser sexy motherfucker? Und Sie, haben Sie nicht früher Bass gespielt bei Sly And The Family Stone?« Er ruft zu seiner Frau in Haus: »Liebling, Prince steht vor der Tür.«
<== Sowas hatten wir hier doch schon mal. Oder???
Prince und Larry Graham wollen keine spontane Jam-Session spielen, es läuft auch keine versteckte Kamera. Sie sind als Zeugen Jehovas unterwegs. Das Ehepaar ist jüdischen Glaubens. Es ist Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, die Vikings spielen. Aber gut. Das Ehepaar bittet sie herein. Prince und Graham missionieren 25 Minuten höflich und vorschriftsmäßig. Dann verabschieden sie sich unter Hinterlassung einiger Broschüren. Draußen wartet ein Wagen. Prince und Graham gehen nicht von Tür zu Tür. Sie fahren. Natürlich steht die Geschichte später in der Lokalzeitung. Das Medienecho ist berechenbar: Jetzt muss Prince komplett durchgeknallt sein.
Seit langem schon sorgt Prince Rogers Nelson, der Künstler, den alle nur als Prince kennen, weniger mit seiner Musik für Schlagzeilen als mit Anekdoten aus seinem bizarren Alltag, und dass sein neues Album 3121 als barocke Lifestyle-Inszenierung für eine Handvoll entsprechender Journalisten in Los Angeles vorab aufgeführt wurde, passt ins Bild: Prince – ein Fall für die Yellow Press. Fast hat man darüber vergessen, dass er einmal als genialster Komponist seit den Beatles galt, so genüsslich wird sein Privatleben öffentlich ausgeweidet. Im Streit zwischen ihm und seiner Plattenfirma hatte er zumindest die Sympathien zunächst noch auf seiner Seite. Da war er noch ein Musiker, der sich gegen einen übermächtigen Konzern wehrte. Auch wenn man von einem Album nur 250000 Stück verkaufe, sagte er, könne man gut daran verdienen. »Am Ende bleibt alles für mich.« Seine wirtschaftliche Intelligenz war seiner musikalischen offenbar nicht ebenbürtig.
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