Die Online-Fan-Umfrage des KSV

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Moderator: Eckart Lukarsch

Uncle Sam
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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von Uncle Sam » 9. Aug 2016, 11:16

Ich würde nicht Bayern, RB Leipzig, Wolfsburg usw.. als Vorbild nehmen. Wir haben wenig Geld, das ist fakt und so schnell werden wir auch nicht mehr bekommen. Es wird hier Einige geben, die die Namensrechte des Stadions verkaufen würden um etwas Geld dazu zu verdienen. Ist aber sinnlos, da das Stadion der Stadt gehört und die Stadt das Geld einkassiert. KSV kauft das Stadion? Können wir vergessen.

Also wenn es um Vorbilder geht würde ich spontan auf SC Freiburg und SV Dummstadt tippen. Beide kamen vergleichsweise mit wenig Geld in die Bundesliga. Der SC Freiburg macht für mich eine sehr gute Arbeit, die trotz ihrer häufigen Abgängen die Mannschaft wieder mit jungen Spielern zusammenbekommt. Aber ich denke wenn wir in der Bundesliga spielen würden sind wir eher wie Schalke aufgestellt. Die haben Gazprom, wir dann wahrscheinlich Wintershall. Aber solche Großsponsoren klopfen erst an der Tür, wenn man sich hoch spielt. Schalke ist aber auch erfolgreich, weil ihre Knappenschmiede zu den besten Jugendabteilungen gehört. Wo liegt bei uns das Problem? Unsere Jugendarbeit. Unsere Jugend ist kaum besser als die von Baunatal und Vellmar. Das kann nicht gut heißen. Das Ziel ist mit den südhessischen Vereinen gleich zu kommen. Die beweisen jedes Jahr eine bessere Jugend auf als ganz Nordhessen. Klar, das Einzugsgebiet ist größer, aber wenn der KSV Hessen endlich mal als Ausbilderverein behaupten könnte, dann wären wir in der Jugendarbeit auch da wo die südhessischen Vereine sind. Aufgabe des Vereins ist, den Spielern eine Perspektive zu geben damit die Spieler hier bleiben und nicht schnell nach Hannover/Paderborn abziehen. Ich habe den Eindruck, hier gibt es viele Personen, die die Wichtigkeit der Jugendarbeit nicht richtig schätzen. Es ist aber richtig, dass zurzeit mehr auf Regionales gesetzt wird.
>>>KaaEssVau<<<

bergerjoerg
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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von bergerjoerg » 9. Aug 2016, 11:55

@MRSAP
Ich darf auch anerkennend feststellen, dass sich kaum jemand hier im Forum derart umfangreich und detailliert Gedanken um Konzepte für die Zukunft und Ursachen für die gegenwärtige Situation gemacht hat. Ich bin auch nicht pingelig, fände es aber gut, wenn Du in Deinem Eifer verbal nicht ganz so angriffslustig gegen andere User hier im Forum argumentieren würdest. Uns eint doch alle, dass wir in Sorge um den Verein sind. Unterschiedliche Meinungen sind erlaubt, aber es wäre schön, wenn Du im Tonfall so sachlich agieren würdest, wie es Deine Vorschläge sind.
Ich teile Fiesels Einwand bezüglich des kommerziellen Ansatzes nicht. Es geht eben nur übers Geld, mehr denn je in den letzten Jahren. Entweder man hat es und kann klotzen (Leipzig, Hoffenheim) oder hat unglaubliches Glück (Darmstadt), was man leider nicht kaufen oder pachten kann. Der KSV hat beides nicht.
Wenn man nun andere Beispiele anführt, muss man doch die Vergleichbarkeit hinterfragen: Freiburg hatte sich durch jahrelange Zugehörigkeit in den ersten beiden Ligen eine Basis geschaffen, die sich zu einem guten Teil selbst finanziert. In den letzten Jahren sind dort unglaublich viele Talente abgewandert, größtenteils für gutes Geld: Ginter, Toprak, Caligiuri, Kruse, Baumann und viele mehr. Und natürlich hatte man Leute wie Streich, die das eingenommene Geld wieder in vielversprechende Neue investiert haben. Das Know-How ist da, aber die Verantwortlichen mussten den Club nie aus der 4. Liga hochstemmen, sondern bewegten sich immer auf einem Niveau, wo man durch gutes Agieren zumindest den Absturz vermeiden konnte. Der KSV war zu weit unten, um sich mit einem solchen Verein vergleichen konnte.
Und Würzburg? Das dümpelte auch Jahrzehnte in den tiefsten Niederungen und nutzte dann eine eigene gute Phase und das schwache Niveau der Bayern-Liga und im letzten Jahr das Schwächeln der vermeintlichen Drittliga-Topclubs, um in die 2. Liga vorzustoßen. Wie dauerhaft und fundiert das alles ist, muss sich noch zeigen.
Es hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun, wen man feststellen muss, dass für den KSV die RL das mittelfristig maximal Mögliche ist. Entweder ist die Stadt zu klamm oder hat nicht die Fußball-Enthusiasten, um dem Verein stärker beizustehen. Konzepte sind gut und schön, aber ich habe den Eindruck, dass vielleicht auch einfach nicht die Leute mit der Begeisterung da sind, die man erreichen könnte. Ist die Region, mit ihren Unternehmern, Fans, Kommunen, einfach nicht nachhaltig für einen erfolgreicheren KSV zu begeistern? Aus der Distanz wirkt es so... Es gibt viele, für die Fußball nicht den Stellenwert hat wie für uns.
Das Phänomen ist ja weiß Gott nicht nur in Nordhessen zu Hause: Hier im Westen dümpeln so viele namhafte Vereine aus teilweise großen Städten in der Bedeutungslosigkeit herum: Aachen, Essen, Bonn, Krefeld-Uerdingen, Wuppertal, Remscheid, die träumen alle von der Vergangenheit und einer fernen Zukunft mindestens in der 3. Liga. Das soll kein Trost sein oder Grund, sich mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Aber ich weiß nicht, ob ein qualifizierter Sportdirektor, eine engagierte Sponsoren-Ansprache, ein überzeugendes Konzept und eine stärkere Mitwirkung der Stadt weiterhelfen, wenn das grundsätzliche Interesse in weiten Teilen der Region fehlt. Wahrscheinlich könne wir uns hier noch so sehr den Kopf zerbrechen, aber in weiten Teilen Kassels und Umgebung ist es den Menschen vielleicht völlig wurscht, was aus dem KSV wird. In unserer Action- und Event-geprägten Zeit wirkt Fußball, Ins-Stadion-Gehen, wie das Briefmarkensammeln unserer Großväter, und dank Sky müssen wir ja auch gar nicht mehr raus...
Um den KSV nach oben zu bringen, ist es möglicherweise de denkbar schlechteste Zeitpunkt.
Was niemanden davon abhalten sollte, es nicht trotzdem zu versuchen...

baule peinlich
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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von baule peinlich » 9. Aug 2016, 12:12

So ist es Bergerjoerg!

MRSAP
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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von MRSAP » 9. Aug 2016, 12:41

@bergerjoerg, ich wohne ja nun auch im Westen und kenne teilweise die Problematik. Bei einigen Klubs hier ist ja das Thema "wie lange kann ich auf großem Fuss leben". Es sind ja einige Vereine dieselbst in Liga 4 beachtliche Etats ausgewiesen haben. Ich hab so das Gefühl, die Ausgabenseite wurde da weniger beachtet. Man hat sich immer auf seine Fan-Basis verlassen (RW Essen, Alemania Aachen etc.) und munter die Kohle verprasst. Dasselbe Phänomen wie beim OFC. Die Lernkurve ist da auch nicht wirklich steil.

Zum anderen Punkt: nur wir sind hier vom Fussball her relativ allein. Bis Süden und Paderborn kommt gar nix. Das ist ja ein Punkt den ich immer wieder bemängelt habe, dass hier zu wenig beackert worden ist. Zusätzlich hattest Du ein Produktproblem und hast Dich scheinbar die letzten Jahre auf Volkswagen ausgeruht. Aber das nachhaken bringt ja nun auch keinen weiter. Die Situation ist wie Sie ist.

Und dann kommen wir erneut und wiederholt zu dem entscheidendenn Punkt: man findet sich damit ab oder probiert was Neues. Der Klub ist finanziell platt. Was für Optionen habe ich denn noch? Das "regionale Konzept" war doch nicht ausgedacht sondern ist aus der Not gebohren. Ich wette, wenn VW nicht gesagt hätte Feierabend würden einige immer noch vom Aufstieg reden. Und mal unter uns: eine MT Melsungen hat einen Etat von 4,5 Millionen Euro. Das alleine ist für mich schon der Beweis, dass es an der Region nicht liegen kann. Wo kamen denn Plötzlich die 17000 her gegen Kiel? Wo die 10000 gegen die Stuttgarter Kickers und, und, und... das Argument kann ich einfach nicht gelten lassen.

Aber auch ich habe ja gesagt: wenn die Region nicht will, dann ist das eine Sache aber man kann es doch noch einmal mit frischen Ideen versuchen. Es wird doch händeringend nach Auswegen gesucht. Und Sky ist ein vorgeschobenes Argument. Die Stadien sind in Liga 1 und 2 voll. Selbst in Liga 3 haben einige beachtliche Zuschauerzahlen und die haben diesselben Eventmöglichkeiten wie alle anderen auch in diesem Land. Fussball ist ein Produkt und muss verkauft werden. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Und dann muss ich fragen: wieso funktioniert in einem so Eventüberlagerten Land so etwas in Heidenheim, in Großaspach, in Darmstadt und was weiß ich noch wer. Alles Zufall?

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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von MRSAP » 9. Aug 2016, 12:56

Eines noch: aber vielleicht hast Du Recht. Und man hat hier einfach nicht die positive Neigung was zu reißen. Dafür hat man Sky oder seine Dauerkarte beim BVB oder der Eintracht. Gibt ja durchaus Aussagen wie:"Zum KSV? Was soll ich da? Ich will Action!", die fahren dann wirklich lieber 200/300 Kilometer für 90 Minuten Bundesliga.

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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von hessenkassel1987 » 9. Aug 2016, 13:53

Die Stadt ist bereits mit der Sportstädte Auestadion im Obligo und liefert einen gehörigen Standortvorteil gegenüber den anderen wichtigen Sportvereinen in der Stadt.Ich will nur zu Bedenken geben, dass Sport in Kassel nicht unbedingt ein wesentlicher Standortfaktor ist. Mit Welterbe und Brüder-Grimm dürfte national und international leichter zu punkten sein als mit Fußball.
Dennoch sollte natürlich ein Konzept vorgelegt werden, ohne den Schwarzen Peter gleich wieder abzugeben.
Zu RB kurz mal etwas Off-Topic: Ich halte die Empörung für geheuchelt. Andere Fußballclubs haben ebenso potente Geldgeber im Rücken und auch das Steigerlied kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schalke 04 kein Fußballverein von Bergarbeitern ist, sondern einen russischen Staatskonzern im Rücken hat.

Das Hauptproblem ist für mich ein anderes: Es darf nichts verändern werden. Erneuerungen sind aus der Sicht vieler immer gefährlich, werden mit Verlust verbunden und irgendwelche "Werte" und "Traditionen" sind vermeintlich wichtiger als ein Vorankommen.
Die Region "will nicht", "kann nicht" oder "hat nicht verdient" ist eine dieser Lebenslügen zum Wohlfühlen.
Woher kamen denn die Zuschauer der "Festspielwochen", DFB-Pokalspiele und zum Aufstiegsspiel gegen Kiel? Ein Teil des Problems ist für mich, dass es keine "Zukunftserzählung" gibt. Oder, um den Gedanken der HNA aufzugreifen, die Liga wird nicht akzeptiert und angenommen.
Wie will man jemanden zum Stadionbesuch animieren, wenn gefühlte zwei Drittel der Gegner total furchbar sind. Mal sind es böse Zweitvertretungen, dann ist der Verein zu klein, zu kommerziell oder hat zu wenig "Tradition". Bei dem anderen Drittel wird dann wahlweise die Vergangenheit bemüht oder die Morbidität der Regionalliga angemahnt.
Ein positives Bild des angebotenen Produkts sieht anders aus und Fußball ist eben für die meisten Zuschauer ein Teil der Freizeitgestalltung, das sich auch ersetzen lässt.

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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von MRSAP » 9. Aug 2016, 19:32

Na ja "Obligo"... das Auestadion wurde ja nicht für den KSV umgebaut sondern für so ziemlich alles. Auch das ist ein Argument was never, ever greift. Wenn es auch ein absoluter Standortvorteil ist für die Stadt. Für die Möglichkeiten sehr, sehr gut umgesetzt, wenn ich auch finde dass beim Bau der Hauptribüne paar kleine Fehler gemacht wurden. Aber für den Augenblick ist das für Liga 3 und 4 herausragend.

Liebe Mitstreiter, seihen wir nett zueinander und tauschen uns einfach aus. Eventuell, dass ist ja die Idee wenn ich den Federhandschuh hinwerfe, findet man doch den ein oder anderen konzeptionellen Schnittpunkt.

Wenn nicht: shit happens.

So long!

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Re: Die Online-Fan-Umfrage des KSV

Beitrag von kasselfreund » 9. Aug 2016, 21:57

Wir haben mit dem Auestadion und der zur Verfügung stehenden Infrastruktur beim KSV Rahmenbedingungen, die sogar für die zweite Liga reichen reichen würden. Um letztlich als Viertligist wieder für mehr Aufmerksamkeit und Interesse in der Region zu sorgen, muss zuallererst wieder eine positive Grundstimmung erzeugt werden. Das betrifft die Gremien des Vereins, die Mannschaft und auch die Fans.

Ich denke, ein Anfang ist hier gemacht. Aber nur, wenn die derzeitige Entwicklung nachhaltig ist, wird sie auch das notwendige Interesse wecken bei potentiellen neuen Fans und Sponsoren. Hier durchzudringen wird bei verändertem Freizeiverhalten und einem Überangebot an Events immer schwieriger. Wichtig ist es deshalb m. E., dass alle, denen der KSV am Herzen liegt, an einem Strang ziehen und ihre Kräfte bündeln. Sachliche Kritik ist dabei hilfreich, aber Grabenkämpfe sind da kontraproduktiv.

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