LÖWENCLASSICS: Das erste große Spiel im "Auestadion" - sieben Jahre bevor es gebaut wurde

VOR 67 JAHREN - 18. August 1946
LÖWENCLASSICS: Das erste große Spiel im "Auestadion" - sieben Jahre bevor es gebaut wurde

Sommer 1946, der 18. August. Der zweite Weltkrieg ist gerade einmal ein Jahr her, Kassel eine einzige Trümmerlandschaft. Millionen Männer sind noch in Kriegsgefangenschaft, die Frauen sind es, die den Schutt beiseite räumen. Die alten Sportvereine gibt es nicht mehr, sie wurden von den Amerikanern, die Kassel besetzt haben, verboten. Damit ist auch der SV Kurhessen Kassel Geschichte. Aus den Wurzeln des alten SV Kurhessen wurde im November 1945 der VfL Hessen Kassel gegründet, der zwei Jahre später mit dem Kasseler SV zum KSV Hessen Kassel fusionieren sollte. Doch das ist an diesem warmen Sommertag noch Zukunftsmusik. 

Viel spannender für die Sportverrückten, dass mit der SpVgg Fürth (damals noch ohne den heute von vielen ungeliebten Zusatz "Greuther") ein richtig renommierte Gast in Kassel auftauchte und den VfL Hessen herausforderte. Während Ex-Meister Fürth schon in der damaligen Oberliga Süd kickte und damit erstklassig war, spielten die Löwen in der Landesliga Hessen-Nord. Formal war der VfL Hessen damit zweitklassig, aber Landesligen gab es alleine in Hessen fünf. Das Leistungsgefälle im Jahr 1946 war noch ein anderes als heute... Nach harten Kampf gab es am Ende eine unglückliche 2:3-Niederlage für die Kasseler. Es war übrigens das erste richtig große Fußball-Spiel auf dem Gelände des heutigen Auestadions. "Aufmarschgelände" hieß der Platz, der Rasen befand sich exakt an der Stelle, wo heute das Grün im Auestadion wächst. Nur - es standen noch keine Tribünen. Einige Zuschauer haben sich Steine mitgebracht um eine bessere Sicht zu haben. Immerhin 5000 waren da - eine tolle Zahl, denn eigentlich hatten die hungernden Menschen andere Sorgen, als zum Fußball zu gehen. Da Fürth damals in Weiß-Schwarz spielte, so wie traditionell auch die Löwen - überließ man dem Gast bei der Trikotwahl den Vortritt. So trat der VfL Hessen in blauen Trikots und weißen Hosen an, den Farben der Stadt Kassel. Heute wohl undenkbar, da diese Farben in Nordhessen inzwischen eher einer anderen Sportart zugeordnet werden. Das Foto stammt übrigens von "Hello" Spohr, der bei diesem denkwürdigen Spiel für den VfL Hessen spielte. Spohr verstarb im Jahr 2012 und gehörte bis dahin dem Ältestenrat des KSV Hessen an. Auf dem Rasen des Aufmarschgeländes wurde damals übrigens nur selten gespielt. Nachdem die Bombentrichter zugeschüttet waren, kickten die Löwen auf dem sogenannten A-Platz, dem früheren Platz des SV Kurhessen Kassel. Heute steht dort die Auesporthalle. Sieben Jahre später, im Sommer 1953, wurde dort, wo das Aufmarschgelände war, das Auestadion gebaut. Die Spielfläche blieb da wo sie war, auch die vorhandene Laufbahn wurde verwendet, dazu kamen aber Unmengen an Schutt aus der zerstörten Innenstadt, die zum Aufbau der Stehränge verwendet wurden. Ein Untergrund, der bei der Erneuerung des Stadions in den Jahren 2005 bis 2008 Baufirmen und Architekten viel Kopfzerbrechen bereitet hat.

Oliver Zehe

 

Mehr zur "guten alten Zeit" und natürlich auch zur Saison 1946/47 im umfangreichen Archiv von Tim Siebrecht

http://www.ksvhessenkassel.de/Saison/Saison1946/Archiv.htm

Veröffentlicht: 23.08.2013

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Datum des Ausdrucks: 26.06.2019