Drei Punkte mit dem Linienbus mitgenommen

KSV Hessen - Germania Ober-Roden 0:2 (0:1)
Erneuter Rückschlag für den KSV Hessen Kassel. Gegen Germania Ober-Roden verloren die Löwen vor 1.020 Zuschauern im Auestadion mit 0:2. Die Tore für die Gäste erzielten Frommknecht (22., Foulelfmeter) und Di Rosa (90.).
Schmunzeln und Gelächter über die Gäste gab es nur vor dem Spiel. Die Mannschaft aus Südhessen hatte eine Panne und kam schließlich mit einem Linienbus angereist. So begann die Partie eine Viertelstunde später und es gab einige kecke Kasseler Sprüche zum Malheur der Gäste . "Dieser Motivationsschub hat uns noch mal richtig gut getan", grinste Ober-Rodens Trainer Peter Lack nach dem Spiel. Da lagen dann die Löwen-Spieler je nach Mentalität frustriert auf dem Rasen des Auestadions, oder suchten mit einem raschen Abgang in Richtung Kabine das Weite. Das zarte Pflänzchen Hoffnung und Zuversicht, das nach dem Sieg in Marburg sieben Tage keimte, wurde an diesem Samstagnachmittag von den Gästen brutal zertrampelt.

Woran lag es? Wieder einmal das alte Lied beim KSV. Nach einem durchaus ansehnlichen Beginn verlor die Mannschaft nach dem Gegentor völlig den Faden. Man rannte sich immer wieder in der massiven Gästeabwehr fest, versuchte es wiederholt mit hohen, weiten Bällen, die in der komprimierten Deckung dankbare Abnehmer fanden und zeigte im Mittelfeld zu viele Schwächen beim Spiel ohne Ball. Dieser wenig schmackhafte Cocktail wurde dann garniert durch eine Portion Pech im Abschluß, angereichert mit einigen unglücklichen Pfiffen des Schiedsrichters. Das wenig erquickende Resultat: im 5. Heimspiel die 3. Heimniederlage.

Beschwingt vom Sieg in Marburg legten die Löwen los wie die Feuerwehr. Bereits nach wenigen Sekunden kamen Cesar und Bauer nur einen Schritt gegen Torwart Arif Arifi zu spät. In der 14. Minute dann fast das 1:0, doch Arifi konnte den eher schwachen Schuß des freistehenden Chalaskiewicz abwehren.

Der Bruch beim KSV dann in Minute 22. Nach einem überflüssigen, ungeschickten Rempler von Sebastian Busch gegen Frommknecht entschied der junge Schiedsrichter Steffen Rabe aus Asphe auf Elfmeter. Der gefoulte machte sich nichts aus Fußballer-Aberglauben und verwandelte sicher zum 1:0. Danach paßte dann bei den Löwen nichts mehr zusammen. "Wenn das Spiel gegen uns läuft, fehlen uns im Moment die Mittel", analysierte Trainer Thomale nach dem Spiel. Zweimal mußte Zoran Zeljko gegen die flinken, technisch starken Gäste klären, bevor Sekunden vor der Pause doch noch um ein Haar der Ausgleich fiel. Julio Cesar tauchte plötzlich frei vor Arifi auf, konnte aber die Großchance nicht nutzen.

"Möglichkeiten hatten wir heute genug", sagte Thomale nach dem Spiel. Stimmt - die dickste nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff. Nach einem schnellen Zusammenspiel stand der ansonsten blasse Daniel Beyer plötzlich völlig frei vor dem Ober-Rodener Torwart, bolzte den Ball aber überhastet mit dem Vollspann am linken Torpfosten vorbei. Der KSV mühte und quälte sich, aber es kam nichts dabei raus. Zum wiederholten Male in dieser Saison, wie auch Thomale fand: "Aufwand und Ertrag stehen bei uns in keinem Verhältnis". Weitere Möglichkeiten hatten noch Bauer mit Flugkopfball (57.) und der eingewechselte Nebe mit einem Weitschuß (78.). Das Publikum mühte sich in der Schlußphase redlich, den verunsicherten Löwen Selbstvertrauen und Zuversicht zu geben. Doch das rhythmische Klatschen half nicht mehr. Mit einem Konter in der Schlußminute besiegelte Domenico di Rosa die KSV-Niederlage.

Die Gäste aus Ober-Roden konnten beschwingt in ihren Linienbus einsteigen. Beim KSV dagegen ist der Zug an die Tabellenspitze endgültig abgefahren.

Oliver Zehe




KSV Hessen: Zeljko - Tews, Schönewolf, Teichmann - Busch, Chalaskiewicz, Schönefeld, Beyer, Rudolph - Cesar, Bauer. - Trainer: Thomale.

Germania Ober-Roden: Arifi - Krist, Czapla, King, Demirtas - Incescu, Ekiz, Heinz, di Rosa - Frommknecht, Akinvale. Trainer: Lack.

Ausgewechselt: 60. Nebe und Latifiahvas für Schönefeld und Cesar; 71. Odensaß für Busch - 60. Mahn für Frommknecht, 86. Stosiek für Akinvale, 90 + 1. Wolf für di Rosa.

Zuschauer: 1.020 Schiedsrichter: Rabe (Asphe)

Tore: 0:1 Frommknecht (22., Foulelfmeter), 0:2 Di Rosa (90.).


Stimmen zum Spiel:

Hans-Ulrich Thomale (Trainer KSV Hessen): "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben die Woche über sehr gut trainiert und ich habe nicht damit gerechnet, daß das ganze heute so ausgeht. Meine Aufgabe ist es nun, die Spieler wieder aufzurichten."

Thorsten Bauer (Stürmer KSV Hessen): "Der Einsatz bei uns war da. Wir spielen zwar im Moment sicher nicht besonders, aber es ist auch viel Pech dabei. Der Schiedsrichter pfeift konsequent gegen uns und wir nutzen unsere Chancen nicht."

Peter Lack (Trainer Ober-Roden): "Nach 10 Minuten haben wir im Mittelfeld unsere Form gefunden und waren sehr aggressiv und zweikampfstark. In der zweiten Hälfte standen wir zu tief hinten, hatten aber das Glück, das der KSV da nicht sein Tor gemacht hat."


<i>25.09.2004</i>

Aufstellung

Veröffentlicht: 25.09.2004

© KSV Hessen Kassel e.V.
Datum des Ausdrucks: 14.12.2019