Verfasst: 24. Mai 2002, 20:08
Für alle die das Käseblatt Lokalausgabe Kassel nicht gelesen haben, gebe ich mal den folgenden Beitrag aus dem Lokalteil vom heutigen Freitag zum besten:
„Randale wäre nichts Neues“
FSC gegen Hessen Kassel: Anwohner fürchten, dass Fans Schäden anrichten
Lohfelden. Mit Fußballfans kennt Manfred Pakulat sich aus. Der 54-Jährige fühlt sich zwar als Lohfeldener, aber weil er aus Bochum stammt, ist der VfL Bochum sein Verein. Im Ruhrgebiet hatte er oft mit den Fans von Bor. Dortmund und Schalke 04 zu tun. „Da gab es nie Probleme“, sagt der Kfz-Mechaniker. Seit über 20 Jahren lebt er in Nordhessen. Sein Haus liegt direkt gegenüber vom Nordhessen-Stadion in Lohfelden. Dort kämpfen am Samstag der FSC Lohfelden und der KSV Hessen Kassel um den Aufstieg in die Oberliga – ein Fußball-Fest. Pakulat lächelt breit. „Wenn der KSV kommt, verstecke ich natürlich mein Auto“, sagt er. „Wenn der KSV auswärts spielt, gibt es immer Randale.“ Dann winkt er gelassen ab: „Ich selbst habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ Nicht alle Anwohner des Stadions schauen dem Landesligaschlager mit solcher Gemütsruhe entgegen. Ab 15 Uhr geht es auf dem Rasen rund – und vorher und nachher in den Zufahrtsstraßen, fürchten die Nachbarn. Mindestens 6000 Zuschauer werden erwartet. Die Straßen Am Stadion und Im Tal, die an der Spielstätte aufeinander treffen, sind gesäumt von schmucken Ein- und Mehrfamilienhäusern. Ruhig ist es dort, rosarote und schneeweiße Azaleen leuchten in den Vorgärten, die Fahrspuren zu den Garagen sind sauber gepflastert. „Randale nach einem Spiel wäre nichts Neues“, sagt ein Anwohner, der gerade in seinem Garten einen Buchsbaum stutzt. Seinen Namen möchte er wie andere Befragte nicht nennen: Sie fürchten, dass erzürnte Fans gezielt nach ihren Häusern suchen. Alkohol spiele eine große Rolle bei den Fans, hat der Hobbygärtner beobachtet. Demolierte Zaunlatten, leere Flaschen und Dosen in den Hecken, sogar hochgehebelte Gullydeckel hat er in seiner Straße nach Spielen im Stadion erlebt. „Und dann stehen die Fans hinter meiner Hecke und pinkeln“, ruft eine Nachbarin, die ebenfalls anonym bleiben möchte. „Diesmal schieße ich jedem mit einer Zwille in den Hintern!“ Die Nachbarin zur Linken des Hobbygärtners berichtet von Autochaos: Auf beiden Seiten seien die Straßen während der Spiele zugeparkt. „Die Straßen um das Stadion sind dem nicht gewachsen“, sagt der Hobbygärtner. „Wo sollen die Autos denn hin?“ Das Nordhessenstadion wurde 1958 gebaut. Eine offizielle Angabe zu den Besucherplätzen gibt es laut Rolf Schweitzer, Leiter des Lohfeldener Bauamtes, nicht. Damals sei die Tribüne wohl für maximal 3000 Zuschauer ausgelegt gewesen. Für diesen Samstag rechnen die Organisatoren mit 6000 Besuchern, nach dem 8000. Ticket soll die Ausgabe gestoppt werden. „Aus bautechnischer Sicht würden wir auch 10 000 reinlassen“, sagt Schweitzer. Beim Ordnungsamt hofft der stellv. Leiter Dieter Dixius, dass am Samstag die Sonne nicht zu sehr strahlt. Wenn weniger Badegäste in das benachbarte Freibad strömen, können die Fußballfans auch dessen Parkplätze nutzen. Aufwändig seien die Vorbereitungen schon, gibt Dixius zu. „Ohne Behinderungen wird es nicht abgehen. Aber so eine Veranstaltung findet nur alle Jubeljahre statt.“ Dieser Gedanke lässt zwei Nachbarinnen in der Straße Im Tal aufatmen. „Wenn die Fans unseren Garten vollschmeißen, werde ich rabiat“, kündigt die 57-Jährige an. Ihre Namen möchten beide Frauen nicht nennen. Sie fürchten, dass Hooligans die Straßen unsicher machen könnten. „Die kommen ja oft schon besoffen an“, meint die 53-Jährige. Dass Fans in ihren Autos sitzen und Bier aus dem Kofferraum holen, haben beide schon gesehen. „Die waren aber trotzdem friedlich“, sagt die 57-Jährige. „Wir sind gespannt. Vor Randalierern haben wir Angst.“
„Randale wäre nichts Neues“
FSC gegen Hessen Kassel: Anwohner fürchten, dass Fans Schäden anrichten
Lohfelden. Mit Fußballfans kennt Manfred Pakulat sich aus. Der 54-Jährige fühlt sich zwar als Lohfeldener, aber weil er aus Bochum stammt, ist der VfL Bochum sein Verein. Im Ruhrgebiet hatte er oft mit den Fans von Bor. Dortmund und Schalke 04 zu tun. „Da gab es nie Probleme“, sagt der Kfz-Mechaniker. Seit über 20 Jahren lebt er in Nordhessen. Sein Haus liegt direkt gegenüber vom Nordhessen-Stadion in Lohfelden. Dort kämpfen am Samstag der FSC Lohfelden und der KSV Hessen Kassel um den Aufstieg in die Oberliga – ein Fußball-Fest. Pakulat lächelt breit. „Wenn der KSV kommt, verstecke ich natürlich mein Auto“, sagt er. „Wenn der KSV auswärts spielt, gibt es immer Randale.“ Dann winkt er gelassen ab: „Ich selbst habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ Nicht alle Anwohner des Stadions schauen dem Landesligaschlager mit solcher Gemütsruhe entgegen. Ab 15 Uhr geht es auf dem Rasen rund – und vorher und nachher in den Zufahrtsstraßen, fürchten die Nachbarn. Mindestens 6000 Zuschauer werden erwartet. Die Straßen Am Stadion und Im Tal, die an der Spielstätte aufeinander treffen, sind gesäumt von schmucken Ein- und Mehrfamilienhäusern. Ruhig ist es dort, rosarote und schneeweiße Azaleen leuchten in den Vorgärten, die Fahrspuren zu den Garagen sind sauber gepflastert. „Randale nach einem Spiel wäre nichts Neues“, sagt ein Anwohner, der gerade in seinem Garten einen Buchsbaum stutzt. Seinen Namen möchte er wie andere Befragte nicht nennen: Sie fürchten, dass erzürnte Fans gezielt nach ihren Häusern suchen. Alkohol spiele eine große Rolle bei den Fans, hat der Hobbygärtner beobachtet. Demolierte Zaunlatten, leere Flaschen und Dosen in den Hecken, sogar hochgehebelte Gullydeckel hat er in seiner Straße nach Spielen im Stadion erlebt. „Und dann stehen die Fans hinter meiner Hecke und pinkeln“, ruft eine Nachbarin, die ebenfalls anonym bleiben möchte. „Diesmal schieße ich jedem mit einer Zwille in den Hintern!“ Die Nachbarin zur Linken des Hobbygärtners berichtet von Autochaos: Auf beiden Seiten seien die Straßen während der Spiele zugeparkt. „Die Straßen um das Stadion sind dem nicht gewachsen“, sagt der Hobbygärtner. „Wo sollen die Autos denn hin?“ Das Nordhessenstadion wurde 1958 gebaut. Eine offizielle Angabe zu den Besucherplätzen gibt es laut Rolf Schweitzer, Leiter des Lohfeldener Bauamtes, nicht. Damals sei die Tribüne wohl für maximal 3000 Zuschauer ausgelegt gewesen. Für diesen Samstag rechnen die Organisatoren mit 6000 Besuchern, nach dem 8000. Ticket soll die Ausgabe gestoppt werden. „Aus bautechnischer Sicht würden wir auch 10 000 reinlassen“, sagt Schweitzer. Beim Ordnungsamt hofft der stellv. Leiter Dieter Dixius, dass am Samstag die Sonne nicht zu sehr strahlt. Wenn weniger Badegäste in das benachbarte Freibad strömen, können die Fußballfans auch dessen Parkplätze nutzen. Aufwändig seien die Vorbereitungen schon, gibt Dixius zu. „Ohne Behinderungen wird es nicht abgehen. Aber so eine Veranstaltung findet nur alle Jubeljahre statt.“ Dieser Gedanke lässt zwei Nachbarinnen in der Straße Im Tal aufatmen. „Wenn die Fans unseren Garten vollschmeißen, werde ich rabiat“, kündigt die 57-Jährige an. Ihre Namen möchten beide Frauen nicht nennen. Sie fürchten, dass Hooligans die Straßen unsicher machen könnten. „Die kommen ja oft schon besoffen an“, meint die 53-Jährige. Dass Fans in ihren Autos sitzen und Bier aus dem Kofferraum holen, haben beide schon gesehen. „Die waren aber trotzdem friedlich“, sagt die 57-Jährige. „Wir sind gespannt. Vor Randalierern haben wir Angst.“