Verfasst: 23. Okt 2002, 20:12
----> Ich hab den Artikel einfach mal von Bild.de kopiert und stelle ihn hier mal zur Diskusion; Ist halt mal die andere Seite der Medallie...
Können Sie sich vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn jemand am Telefon zu Ihnen sagt: „Beim nächsten Mal brechen wir dir die Beine“?
Können Sie sich vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn Sie im Auto vom Stadion wegfahren und Fans mit hassverzerrter Fratze Ihnen den Weg versperren?
Das gehört inzwischen zu meinem Alltag.
Ich bin seit zwei Jahrzehnten Schiedsrichter. Seit einigen Jahren leite ich auch Spiele in der Bundesliga.
Rund 220 Zweikämpfe muss ich pro Spiel im Schnitt bewerten. Der Job eines Fluglotsen kann nicht stressiger sein. Bei einer reinen Spielzeit von 60 Minuten muss ich alle 17 Sekunden entscheiden: Foul Ja oder Nein? Wenn Ja, Pfiff. Wenn Pfiff: Karte Ja oder Nein? Wenn Karte, schauen, ob der Spieler schon eine hat. Gleichzeitig darauf achten, dass einem der Sünder nicht entwischt, dass sich kein Rudel bildet.
Ständig versuchen die Spieler, uns und die Zuschauer zu betrügen.
Wann haben Sie das letzte Mal gesehen, dass sich ein Spieler entschuldigt, wenn er einen anderen umgefegt hat? Stattdessen wird er „Schauspieler, Schauspieler“ schreien. Vielleicht beugt er sich ja zu seinem Kontrahenten runter. Aber nur, um ihm zu sagen, dass er beim nächsten Mal seinen Knöchel noch genauer trifft...
Schauspielereien, Schwalben, Reklamationen – all das wird von Managern, Trainern und Medien noch als „clever“ bewertet. Dann könnte ich immer kotzen.
Ehrlichkeit und Anstand? Vergiss es, alles Werte von gestern. Wenn der Trainer ständig rumtobt, glauben die Spieler eben, sie dürften das auch.
Im Europacup sind die Bundesliga-Trainer plötzlich lammfromm. Sie wissen: Da ist ein vierter Schiri, der aufpasst, dass der Schiri-Assistent nicht genervt wird. Und auf der Tribüne sitzt noch ein UEFA-Delegierter, der alles notiert. Zweimal aus der Coaching Zone raus, und du bist 25 000 Franken los. Die UEFA bestraft gnadenlos. Bei uns muss ein Herr Geyer siebenmal auf die Tribüne fliegen, bis er endlich bestraft wird.
Heutzutage sezieren 20 TV-Kameras alles. Im Standbild erkennbar: Der Spieler ist vielleicht 10 cm im Abseits. Der Reporter sagt: „Klare Fehlentscheidung.“ Klar? Er hat’s erst im Standbild erkannt. Aber von meinem Assistenten an der Linie wird das Übermenschliche gefordert.
Noch ein Wort zu Bayern-Manager Uli Hoeneß. Schön zu hören, wenn der seine Manager-Kollegen auffordert, den Schiedsrichtern zu helfen. Mir kommt das so vor, als ob der Brandstifter jetzt Feuerwehrhauptmann werden soll...
*Der Autor ist Bundesliga-Schiedsricher. BILD hält seinen Namen geheim.
Können Sie sich vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn jemand am Telefon zu Ihnen sagt: „Beim nächsten Mal brechen wir dir die Beine“?
Können Sie sich vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn Sie im Auto vom Stadion wegfahren und Fans mit hassverzerrter Fratze Ihnen den Weg versperren?
Das gehört inzwischen zu meinem Alltag.
Ich bin seit zwei Jahrzehnten Schiedsrichter. Seit einigen Jahren leite ich auch Spiele in der Bundesliga.
Rund 220 Zweikämpfe muss ich pro Spiel im Schnitt bewerten. Der Job eines Fluglotsen kann nicht stressiger sein. Bei einer reinen Spielzeit von 60 Minuten muss ich alle 17 Sekunden entscheiden: Foul Ja oder Nein? Wenn Ja, Pfiff. Wenn Pfiff: Karte Ja oder Nein? Wenn Karte, schauen, ob der Spieler schon eine hat. Gleichzeitig darauf achten, dass einem der Sünder nicht entwischt, dass sich kein Rudel bildet.
Ständig versuchen die Spieler, uns und die Zuschauer zu betrügen.
Wann haben Sie das letzte Mal gesehen, dass sich ein Spieler entschuldigt, wenn er einen anderen umgefegt hat? Stattdessen wird er „Schauspieler, Schauspieler“ schreien. Vielleicht beugt er sich ja zu seinem Kontrahenten runter. Aber nur, um ihm zu sagen, dass er beim nächsten Mal seinen Knöchel noch genauer trifft...
Schauspielereien, Schwalben, Reklamationen – all das wird von Managern, Trainern und Medien noch als „clever“ bewertet. Dann könnte ich immer kotzen.
Ehrlichkeit und Anstand? Vergiss es, alles Werte von gestern. Wenn der Trainer ständig rumtobt, glauben die Spieler eben, sie dürften das auch.
Im Europacup sind die Bundesliga-Trainer plötzlich lammfromm. Sie wissen: Da ist ein vierter Schiri, der aufpasst, dass der Schiri-Assistent nicht genervt wird. Und auf der Tribüne sitzt noch ein UEFA-Delegierter, der alles notiert. Zweimal aus der Coaching Zone raus, und du bist 25 000 Franken los. Die UEFA bestraft gnadenlos. Bei uns muss ein Herr Geyer siebenmal auf die Tribüne fliegen, bis er endlich bestraft wird.
Heutzutage sezieren 20 TV-Kameras alles. Im Standbild erkennbar: Der Spieler ist vielleicht 10 cm im Abseits. Der Reporter sagt: „Klare Fehlentscheidung.“ Klar? Er hat’s erst im Standbild erkannt. Aber von meinem Assistenten an der Linie wird das Übermenschliche gefordert.
Noch ein Wort zu Bayern-Manager Uli Hoeneß. Schön zu hören, wenn der seine Manager-Kollegen auffordert, den Schiedsrichtern zu helfen. Mir kommt das so vor, als ob der Brandstifter jetzt Feuerwehrhauptmann werden soll...
*Der Autor ist Bundesliga-Schiedsricher. BILD hält seinen Namen geheim.