Es ist schon ein Kreuz: Da spielt die Mannschaft Pfullendorf mit begeisterndem Fußball an die Wand um nur eine Woche später eine über weite Strecken dürftige, ja sogar zeitweise enttäuschende Vorstellung abzuliefern.
Natürlich fehlte oft der letzte Biss, die Konzentration und die Laufbereitschaft. Das betrifft aber alle Spieler, einschließlich Lammo, der in einigen Szenen auch nicht so souverän wie gewohnt wirkte. Die beiden Gegentore allerdings hingen maßgeblich mit der Spielweise unserer beiden Außenverteidiger zusammen. Beide spielten einfach zu offensiv gestern. Ich möchte die beiden hier gar nicht an den Pranger stellen, sondern lediglich die Entstehung der beiden Gegentore etwas näher erläutern.
Die Situation bei der Entstehung beider Gegentore war eigentlich sehr ähnlich gestern. Markolf und Gundelach waren sehr weit aufgerückt. Dann der Ballverlust. Die Karlsruher Außen bekommen den Ball und machen sich über außen auf den Weg in Richtung KSV-Tor. Dort stehen ihnen natürlich die beiden Innenverteidiger Zepek und Stadel entgegen, die aber die Deckung in der Mitte aufgeben müssen und den Angreifern über Außen entgegengehen. In der Mitte ensteht so zwangläufig ein Loch, in das hinein der Angreifer einfach einen aufrückenden Mitspieler bedienen muß. So fielen beide Gegentore.
Markolf und Gundelach dürften nur dann in den gegnerischen Strafraum eindringen, wenn andere Mitspieler ihre Seite nach hinten absichern. Das wurde gestern mehrfach versäumt. Die Karlsruher hatten eine gute Raumdeckung und der KSV versuchte durch verstärktes Aufrücken dagegenzuhalten. Eine Situation, die dem Gegner das Kontern über außen massiv erleichtert.
Wenn Gundelach auf dem Platz steht, haben wir zusammen mit Tornie in der Regel viel Offensivpower auf rechts, leider mit dem Makel, daß die Defensive für Angriffe über Außen recht anfällig ist. Stellen wir den Florian auf, dann haben wir keine weiten Einwürfe mehr, weniger Offensivkraft, sind aber kaum noch anfällig über rechts außen. Keine ganz leichte Entscheidung.
Eine mögliche Lösung sehe ich in der Rückkehr zum schnelleren Angriffsspiel, zum vielzitierten "One-Touch-Fußball". Hierauf sollte Mirko meiner bescheidenen Meinung nach, den Schwerpunkt der Angriffsarbeit legen. Schnelle Angriffe treffen auf ungenügend formierte Verteidigungslinien. Da reichen unsere vier Offensivspieler, verstärkt durch Gaede, völlig aus um erfolgreich zu sein. Unsere Viererkette braucht in der Regel in solchen Fällen noch nicht einmal die Mittellinie zu überschreiten, unsere Defensive ist gesichert.
Um die Anzahl der Gegentore für die nächsten Spiele in Grenzen zu halten, würde ich in zunächst erst einmal auf "Flo" Heussner auf rechts setzen. Markolf auf links, allerdings mit der Direktive nicht zu weit aufzurücken. Zepek und Stadel sind innen eine Bank, wenn sie dort bleiben dürfen, wo sie stehen sollen ...
Grundsätzlich sollte die einfache Regel gelten, bei gegnerischem Ballbesitz mit Leidenschaft und Biss, aber fair, hinein in die Zweikämpfe. Bei eigenem Ballbesitz hingegen durch schnelles, präzises und direktes Spiel Zweikämpfe vermeiden. Das frühzeitige Abspiel setzt allerdings auch die Bereitschaft der Mitspieler vorraus sich anzubieten. Auch das hat man gestern leider nicht immer gesehen.
Die genannten Probleme sehe ich eher im Bereich der Feinabstimmung angesiedelt. Auf jeden Fall sollten wir den, zugegebenermaßen oft attraktiven, "Hurra-jetzt-stürmen-wir-alle-nach-vorne-Fußball" etwas zurückdrängen für die mehr Geduld erfordernde Variante des Spiels aus einer gesicherten Defensive heraus.
Grüße von Ecki
