Bevor ich zu der Versammlung komme, noch was vorweg: Gestern Abend, kurz bevor ich zu der Versammlung aufbrechen wollte, hab' ich noch schnell die neuesten Beiträge in diesem Thread gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, daß es einige auf den Herrn Vogel von Dynamo Windrad abgesehen hatten. Als ich sagte, ich hätte das ungute Gefühl man könnte versuchen die Fanszene von außen zu beeinflussen, dachte ich allerdings nicht an den Typen, sondern eher an unsere Sponsoren, deren gutes Image natürlich nicht durch dem schlechten Ruf der KSV Fans befleckt werden soll!
Zu dem Treffen selbst hat Esteban ja dankenswerter Weise schon sehr viel gesagt, so daß ich nur noch ein paar Dinge ergänzen möchte. Gleich zu Anfang führte Lämmi die relativ geringe Beteiligung darauf zurück, daß ich Euch Angst vor einer "Gehirnwäsche" gemacht hätte. ;-) Hm, eigentlich hatte ich gesagt: "Man muß sich auf alle Fälle anhören was uns Frau Ribler, Herr Vogel und Herr Bätzold zu sagen haben!" - und ich fand's schade daß so wenig gekommen sind.
Nachdem die Nadine Sandrock erklärt hatte, daß der zweiten Mannschaft Punktabzüge drohen, wenn bei einem der restlichen Spiele (insbesondere dem in Baunatal) nochmal gezündelt wird, sagte Herr Bätzold, daß Pyrotechnik nicht grundsätzlich verboten wäre, man aber vorher mit ihm darüber sprechen müßte und er dann wieder mit dem Schiedsrichter, der Polizei und der Feuerwehr. Und erst wenn die alle ihr OK gegeben hätten, könnte man das in der Halbzeit oder nach dem Spiel machen.
Esteban ist schon sehr genau auf den Beitrag von Frau Ribler von der Sportjugend Hessen eingegangen. Ein Satz von ihr hat mir allerdings schwer zu denken gegeben: "Diskriminierung ist es, wenn jemand so tut als er sei aus irgend einem Grund besser als jemand anderes." Natürlich ist sowas Diskriminierung, aber was ist es wenn jemand so tut, als sei ein anderer Mensch schlechter als er selbst? In meinen Augen ist das genau das selbe - und etwas, das wir als Fußballfans bei jeder Gelegenheit von der Polizei ertragen müssen. In der Sekunde wo man sich einen Schal seines Vereins um hängt, wird man automatisch ein Mensch zweiter Klasse an dem die Herren Staatsdiener straffrei ihr Mütchen kühlen dürfen. Sie hat ja darauf hin gewiesen, daß ihre Organisation mit Staats- und Verfassungsschutz zusammen arbeitet. Deswegen schreibe ich ihr zu diesem Thema mal eine Mail.
Der Herr Vogel hat dann erklärt, daß die Neonaziszene heute nicht mehr so offen vorgeht wie noch vor 10 Jahren. Vielmehr erscheint man heute eher Bürgerlich und versucht Dinge zu kopieren, die früher der linken Szene zugeordent worden sind. Als Beispiel dafür hatte er ein Bild von einem Nazi-Bürschchen im schicken Zwirn mitgebracht. Und ein Bild, auf dem die Leute aussahen wie der schwarze Block der Antifaschisten - oder halt wie die meisten Ultras. Und auch er hat einen sehr wichtigen Satz gesagt: "Man kann die verschiedenen Gruppen nicht mehr anhand der Kleidung auseinander halten, sondern nur noch an gewissen kleinen Erkennungssymbolen." Das ist sicher das Problem aller Ultras: Aufgrund ihrer schwarzen Kleidung hält der uneingeweihte Normalbürger sie für Neonazis, obwohl sie das gar nicht sind! Außerdem erklärte Herr Vogel noch, warum gerade Fußballspiele von den Werbern rechtsextremer Gruppierungen besucht werden: Dort sind viele junge Leute an zu treffen, die Haupsächlich wegen der Action zum Fußball gehen. Denen verspricht man noch mehr Action wenn sie mal - natürlich ganz unverbindlich - zu einem Treffen oder einer von den Rechtsextremen organisierten Sportveranstaltung kommen. Und nebenbei wird ihnen dann das rechtsextreme Gedankengut nahe gebracht.
Es wurde auch eine Broschüre mit Abbildungen aller möglichen und unmöglichen Dinge herumgereicht, an der sich Neonazis untereinander erkennen: Zahlenkombinationen, Runensymbole, Aufschriften auf Shirts usw. Mein Gott, mit genug perverser Phantasie könnte man auch in mein "CIMI" Fähnchen ein "HH" hinein interpretieren...
Dann kam die Frage nach den Stadionverboten auf. Der Typ von der Polizei sagte zwar, die Sache in Ulm sei abgehakt, allerdings wäre es die Sache an der Raststätte auf der Rückfahrt noch nicht, weil man noch nicht alles ausgewertet hätte. Insgesamt gäbe es im Moment 8 Stadionverbote im Umfeld des KSV. Der Herr Betzold sagte dazu, daß Stadionverbote automatisch verhängt werden wenn ein Staatsanwlat Anklage wegen irgendwelcher Delikte im Zusammenhang mit Fußballspielen erhebt, daß er sich den Fall aber gerne anhört und versucht sein möglichstes zu tun. Zu dem "Zusammenhang mit Fußballspielen" gehört auch die Hin- und Rückfaht, egal ob nun im Bus, mit dem Zug oder mit dem Auto!
Dann erklärte Herr Betzold, daß ab dem ersten Heimspiel nach der Winterpause die neue Stadionordnung in Kraft treten würde und man auch streng darauf achten würde, daß sie eingehalten wird. Bis jetzt gab es keine, aber um eine Lizenz vom DFB zu bekommen bräuchte man eine. (Wahrscheinlich hat der DFB auch gleich vorgeschrieben was darin zu stehen hat...) Und dann kam der Hinweis auf den ich gewartet hatte: "Wenn wir aufsteigen ist das gut für das Image unseres Hauptsponsors. Der wäre aber gar nicht glücklich wenn er hört, daß Nordhessen voller Nazis ist." Im Prinzip OK, aber weiß man worüber unser Hauptsponsor in Zukunft noch alles unglücklich sein wird? Vielleicht darf man eines Tages nur noch mit Schlips und Kragen ins Stadion wie seinerzeit die Krawattenfront in England. Und wenn man im Anzug ins Stadion geht? Dann könnte man nach Herrn Vogels Ausführungen ja auch ein getarnter Nazi sein... ;-)
Dann hat der Herr Bätzold noch zwischendurch gesagt, daß es seit dem letzten Fantreffen ja keine Schwierigkeiten mehr damit gäbe die großen Zaunfahnen auf zu hängen. Das mag stimmen, aber nur wenige Tage nach dem letzten Fantreffen wollte ich nach dem Heimspiel gegen Karlsruhe "meine" Fahne abhängen, die mir der Jens Rose höchstpersönlich in der Landesliga gegeben hatte um sie insbesondere im Auestadion zu zeigen. Dabei hat man Seitens der Ordner einen riesen Affen gemacht, daß ich die Schnauze gestrichen voll hatte und sie hängen gelassen habe. Der Marcus Kunze hat sie dann abgehängt und mir wieder zukommen lassen, doch seit dem hänge ich sie nicht mehr im Auestadion auf sondern werfe sie nur noch ganz locker über den Zaun. Auf das ich potentiell gefährliches Subjekt nicht mehr den Innenraum betreten muß.
Noch etwas zu der Fahrt mit dem Sonderzug nach Mannheim: Da wird auch der BGS mit an Bord sein und in Mannheim werden wir die ca. 3 km zum Stadion und zurück laufen müssen. Ob wir am Bahnhof auf die Ankunft der Bimmelbahfahrer warten dürfen ist - soweit ich weiß - noch nicht klar. Wäre aber ganz sinnvoll, denn sonst hätte die Polizei zwei Löwenkarwanen am Hals.
Was mich überrascht hat ist, daß der DFB anscheinend vom KSV verlangt hat solch ein Fantreffen ab zu halten. Das ist auch etwas, was ich unter "Einflußnahme von außen" verstehe.
Zum Schluß noch einen Satz zu der Bemerkung von "k10" von vergangener Nacht:
k10 hat geschrieben:
Dieser "Schwachsinn" [um den es bei dem Treffen ging] könnte weitaus zukunftsweisender für uns alle sein als irgendeine Auswärtsfahrt nach Reutlingen, Kleinkleckersdorf oder sonstwo (Konnte ich mir grad wegen der hirnlosen Eventiesdiskussion nicht verkneifen). Hier werden eventuell Weichen gestellt.
Glaub mir, die Weichen werden ganz woanders gestellt. Bei diesen "Fantreffen" erfährt man nur wohin die Reise gehen soll und was man alles zu tun und zu lassen hat, wenn man mit fahren will.
Sorry daß es länger gedauert hat als angekündigt und für mein ewig langes "paranoides Geschwafel"...