Ich kann mich lange nicht mit den KSV-Fan der älteren Generation brüsten, was die Anzahl der besuchten Spiele angeht, geschweige denn Auswärtsspiele. Ja vielmehr weiß ich von der Existenz des KSV erst seit gut fünf Jahren. Am Anfang bin ich zum KSV gegangen, weil die Jungs gut gespielt haben, auch wenn es nicht gereicht hat damals. Dann kam die Krisensaison und ich war erst wieder im Stadion, als alles besiegelt war. Ich hab gemerkt, dass dort auf der Nordkurve und den Stehplätzen daneben es dieses Etwas gibt was sie alle zusammenhält, aber ich bin nicht wirklich dahintergestiegen was es sein soll.
Dann kam die erneut verpasste Meisterschaft, aber dieser Tag sollte trotzdem einer der beeindruckensten meines Lebens gewesen sein. "Hessen Kassel olé, und wir geben nicht auf, irgendwann steigen wir wieder auf". Das wurde darauf auch wieder verpasst, udn trotzdem wurde es wieder angestimmt, lauter als damals. Nun schien alles wieder darauf hinauszulaufen, doch wir haben es geschafft und stehen nun verdientermaßen dort, wo wir jetzt sind.
Hier ist dem letzzten Idioten klar geworden, dass genau vor der Haustür etwas Fantastisches entstehen kann. Hier ist ein Phönix aus der Asche gestiegen und das ist nicht nur ein Verdienst irgendwelcher Spieler, die irgendwelche Tore in irgendwelchen Spielen gegen irgendwelche Gegner erzielt haben. Ohne uns wären sie nicht da, wo sie uns etwas zurückgeben können.
Der Unterschied zwischen Oberliga und Regionalliga war einfach unfassbar interessant mit anzusehen, als es tatsächlich am Anfang der Spielzeit eine kleine Ultragruppierung gab mit mehr Fahnen als Leuten, die dann mit abnehmendem Erfolg auch quantitativ abnahmen. Aber davon haben wir uns nicht beirren lassen. Ich sehe jedes Heimspiel im Stadion dieselben Gesichter und alle haben denselben Wunsch in diesem Moment - Alle wollen diese drei Punkte für das Team.
Nirgendwo sonst habe ich eine so große Einigkeit zwischen so vielen Leuten gehabt, sind es die Erfolgsfans, sind es die Fahnenschwinger, sind es die stillen Beobachter, sind es die Anschreier - Alle haben das eine Ziel und alle fiebern dafür mit. Der eine muss singen, um seine Nervosität zu verbergen, der andere muss singen um das Gefühl zu kriegen, alles für den Erfolg getan zu haben, der andere muss singen um dieses unbeschreibliche Gefühl zu erleben, wenn der Ruf der Menge widerhallt.
Der andere braucht das nicht. Der eine macht sich durch Fahnen bemerkbar, der andere durch seine Stimme, der andere durch seine pure Anwesenheit.
Aber trotzdem verbindet sie alle dieses eine Element, von dem wir bei Misserfolg manchmal gerne dazu neigen, es zu vergessen - Wir kommen nicht für irgendwelche Punkte gegen irgendwelche Gegner. Wir kommen wegen uns. Wenn es dieses "uns" nicht mehr gibt, was diese schon an ein Wunder grenzende Wiedergeburt erst möglich gemacht hat mit all ihren Thomales

Wir haben überhaupt keinen Grund zur Beunruhigung; wir sind nicht in der Situation, in der irgendetwas Schlimmes für den Verein passiert ist, wir pendeln derzeit genau dort, wo wir es erwarten durften. Wenn wir wirklich dort hinwollen, wo wir derzeit sind, nämlich nicht anderes als in der neuen 3.Liga, unter den besten 56 Clubs Deutschlands mit Mitteln, die anderen Oberligavereinen schon Tränen in die Augen treiben würden - Dann müssen wir diesen entscheidenen Vorteil, den wir unserem Team geben können hüten. Der Torschütze achtet nicht auf die eine Fahne, die eine Stimme, die eine Person - Er sucht "uns".
Es wird Zeit, es ihm wieder zu bieten.