Reiherwälder hat geschrieben:Ich war nicht vor Ort und will mich daher zurückhalten. Aber glaubt man dem Ticker, dann waren Offensivspiel und Ausbeute nach Standards eigentlich wie immer. Ich begrüße zwar die Verpflichtung von Evljuskin fürs Mittelfeld, befürchte aber im Umkehrschluss, dass damit die Verpflichtung eines echten Mittelfeldstrategen und Freistoßkünstlers (á la Wölk oder Arnold) schon so gut wie vom Tisch ist. Dieser Gedanke lässt mich schaudern. Von der Osttribüne aus ist das Loch im zentralen offensiven Mittelfeld jedenfalls nicht mehr zu übersehen, der ballführende Spieler sucht dort oft vergebens nach einer Anspielstation. Von den Standards will ich gar nicht reden, Ecken zuhauf und kein Tor.
Ich hoffe, dass ich mich irre und man von diesem missglückten Experiment mit der Doppelsechs/acht dann doch endlich Abstand nimmt.
Ich hab es vor paar Wochen schon mal geschrieben, aber ich schreib es gerne nochmal:
Zunächst mal: Doppel-6 und 10 schließen sich ganz und gar nicht aus. In unserer Saison 08/09 hatten wir eine Doppel-6 mit Gaede und Habib (oder Busch, je nachdem), und trotzdem hatten wir mit Wölk unseren klassischen 10er. Dazu hatten wir mit Tornieporth und Ochs zwei schnelle Außen und in Bauer einen Toptorjäger.
Aber auch in der vergangenen Saison haben wir mit Doppel-6 und 10 gespielt. 10er war Gallus oder Pinheiro, die Doppel-6 bestand aus Becker und Gaede (oder Marz). Der Fußball war trotz 10er nicht attraktiver als diese Saison. Erfolgreicher ja (dank hervorragender Defensive), aber attraktiver in der Offensive? Nur bedingt. Unser Offensivproblem hängt auch nicht an einer Personalie. Uns fehlt nicht nur Kreativität im Zentrum, es fehlen genauso schnelle Außen. Was nützt es, einen guten Passgeber zu haben, aber eben keine Abnehmer? Deshalb bin ich, wie schon im Thread "Neu- und Weiterverpflichtungen" geschrieben, für einen Radikalumbruch im Sommer in der Offensive.
Und abgesehen davon gehört der "klassische 10er" zur aussterbenden Art. Den spielgestaltenden Part übernimmt im modernen Fußball häufig der etwas zurückgezogene "8er". Das sieht man bei Barcelona mit Xavi genauso wie bei Real mit Modric, bei den Bayern mit Kroos, beim BvB mit Gündogan oder bei Schalke mit Boateng. Viele Teams spielen gar nicht mehr mit der klassischen 10. Häufig spielt im offensiven Mittelfeld eine Art hängende Spitze hinter einem Stoßstürmer, siehe Reus, Müller aber auch Kagawa oder Son.
Im Übrigen sind Formationen auch kein "Spielsystem". Formationen sind räumliche Anordnungen von Spielern, welche im Spiel auch oftmals variieren, weil kaum ein Team so extrem statisch spielt, dass es kaum Positionswechsel gibt. Dazu unterscheiden viele Mannschaften auch zwischen der Formation bei gegnerischem Ballbesitz und der bei eigenem Ballbesitz. Viele Teams, welche in eigenem Ballbesitz das 4-2-3-1 praktizieren, setzen in der Defensive auf das altbewährte 4-4-2, da hiermit die Kettenverteidigung deutlich besser möglich ist. Der "10er" bildet in diesem Fall mit dem Stoßstürmer die vordere Angriffslinie vor der Mittelfeldviererkette und der Abwehrviererkette.